Konfirmation
Zehn Gebote als Wegweiser
Mittwoch, 17. Februar 2010 21:14
- Von Thomas Heyen
Altengamme. Im Frühjahr werden zahlreiche Jugendliche in den Vier- und Marschlanden konfirmiert. Jonathan Quast (14), Franziska Alpen (14) und Steffen Schröder (15) erzählen, warum sie sich für die Konfirmation (lateinisch für Befestigung, Bekräftigung) entschieden haben.

Foto: Thomas Heyen
Franziska Alpen (14), Jonathan Quast (14) und Steffen Schröder (15, v. li.) werden im April in Altengamme konfirmiert.
Die drei Jugendlichen besuchen seit Sommer 2008 den Konfirmandenunterricht von Pastor Martin Waltsgott im Gemeindehaus an der Kirchenstegel – immer mittwochs nachmittags für eine Stunde. Im April werden Jonathan, Steffen und Franziska gemeinsam mit 20 weiteren Jugendlichen in der Kirche St. Nicolai konfirmiert. Pastor Waltsgott rechnet mit 400 Besuchern. Vor ihren Verwandten werden die Konfirmanden das apostolische Glaubensbekenntnis aufsagen, jeweils zu zweit vor dem Pastor niederknien und sich segnen lassen.
Wieso lassen sie sich konfirmieren? „Ich habe früher den evangelischen Kindergarten in Altengamme besucht. Die Gespräche über die Bibel fand ich schon damals interessant, deshalb bin ich später, als Schülerin, zur ‚Kinderkirche’ gegangen“, sagt Franziska. Steffen stimmt ihr zu: „Wir sind da hineingewachsen.“
Im Konfirmandenunterricht findet Franziska es spannend, wenn etwa über die zehn Gebote gesprochen wird: „Für mich sind sie ein Wegweiser für das Leben.“ Jonathan hält die zehn Gebote für selbstverständlich: „Schließlich weiß ich, dass ich nicht stehlen oder gar töten soll. Vermutlich brauchten die Menschen früher solche Richtlinien.“
Der 14-Jährige wollte sich ursprünglich nicht konfirmieren lassen. „Aber die meisten meiner Freunde besuchen den Unterricht. Da habe ich es mir anders überlegt“, sagt Jonathan. Seine Mutter Anja Quast (40) ist froh darüber: „Der christliche Glaube vermittelt viele Werte. Außerdem ist Jonathan alt genug, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.“
Was die Drei besonders gut finden: Im Konfirmandenunterricht werden im Gegensatz zur Schule keine Noten verteilt. Jonathan: „Stattdessen ist unsere eigene Meinung gefragt.“ Dass sie nicht viel auswendig lernen müssen – vom apostolischen Glaubensbekenntnis einmal abgesehen –, finden die Jugendlichen gut. „Zum Glück werden auch keine Lieder gesungen“, sagt Franziska.
Die Geschenke, die es zur Konfirmation gibt, sind für Franziska, Jonathan und Steffen nicht der Grund, wöchentlich etwas über christliche Werte zu lernen – aber eine zusätzliche Motivation. „Ich werde oft gefragt, was ich mir wünsche. ‚Keine Handtücher oder Schlafanzüge’ ist meine Antwort“, sagt Jonathan schmunzelnd. Er freut sich über Geld, „aber das würde ich mir nie wünschen, denn das wäre dreist“. Die Jugendlichen haben von Älteren gehört, die zu ihrer Konfirmation bis zu 3500 Euro bekamen. „Ich würde schon gern gleich etwas Geld ausgeben dürfen“, sagt Franziska, „aber meine Eltern haben da ein Auge drauf.“ Es wird für ihren Führerschein gespart. Die Feiern, zu denen die drei Jugendlichen mit ihren Eltern einladen, sind mit 20 bis 30 Gästen überschaubar. Anja Quast hat bereits vor einem Jahr 30 Plätze für einen Brunch im Zollenspieker Fährhaus gebucht, zu dem die ganze Familie eingeladen ist. Etwa 800 Euro bezahlt sie dafür.
Die 40-Jährige hat ihre eigene Konfirmation, vor 25 Jahren in Allermöhe, aufwendiger erlebt: „Damals kam das halbe Dorf zum Gratulieren vorbei – insgesamt 300 Gäste“, sagt sie. Drei weitere Feiern folgten, darunter ein Tanzabend im Gasthaus „Zum Ortkathen“. Anja Quast: „Am Ende hatte ich mehrere tausend Mark. Davon konnte ich meinen Führerschein bezahlen.“
Franziska begrüßt ihre Verwandtschaft im Landhaus Tesperhude. „Wir haben einen großen Garten, stellen dort ein riesiges Zelt auf“, berichtet Steffen. Dass er dann noch mal seinen Konfirmationsanzug tragen soll, findet er in Ordnung: „Das kann ich einen Tag lang aushalten.“ Bei einer weiteren Feier wird er, genau wie Jonathan, auf das gute Stück verzichten: „Dann wollen wir Konfirmanden ganz zwanglos mit unseren Freunden feiern“, sagt Steffen.
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