Zugvögel
Immer mehr Graugänse überwintern auf den Feldern
Dienstag, 9. Februar 2010 19:44
- Von Wiebke Schwirten
Bergedorf. Mindestens 50 Graugänse und ein paar Schwäne fliegen von einem Feld am Ochsenwerder Landscheideweg auf, lassen sich kurz darauf auf einer landwirtschaftlichen Fläche am Marschbahndamm nieder.
Mit ihrem dunklen Gefieder fallen sie im Schnee besonders auf. Oder sind es mehr Tiere als in den vergangenen Jahren?
„Es werden immer mehr“, ist sich Landwirt Kurt Jacobsen aus Ochsenwerder sicher. Heinz Behrmann, Präsident des Bauernverbandes, bestätigt das. „Es sind momentan nicht so viele“, sagt dagegen Sven Baumung vom Naturschutzbund Deutschland.
Am kleinen Brook gegenüber der Allermöher Kirche, wo sich im Frühsommer um die tausend Gänse tummeln, sind tatsächlich nur wenige Tiere zu entdecken. Hunderte Gänse versuchen dagegen jetzt, auf relativ schneefrei gewehten Feldern Fressbares zu ergattern – wie am Ochsenwerder Landscheideweg oder an der Sietwende. Ob Grau- oder Kanadagans, Bläss-, Saat-, Ringel- oder Weißwangengans: Sie alle lieben kurze, weiche Gräser. Doch sie finden bei Schnee und Frost nicht viel. Da kann es sein, dass viele Tiere jetzt geschwächt auf den Feldern hocken und versuchen, ihre Körperwärme optimal zu nutzen.
Die Fraßschäden auf Getreidefeldern und Grünflächen können erheblich sein. Ein Feld in der Nähe von Brutplätzen an den Seefelder Seen in den Kirchwerder Wiesen brachte deshalb in der vergangenen Saison kaum Ertrag.
Landwirt Kurt Jacobsen hält nichts davon, die Lage zu dramatisieren. Auch Heinz Behrmann ist der Ansicht, dass ein paar Gänse auf einem Feld kein Problem sind, „das gehört eben zur Natur dazu“. Anders sehe es aus, wenn sie sich zu Tausenden darüber hermachten. Landwirte und Jäger können dem veränderten Verhalten der Zugvögel kaum etwas entgegensetzen. Viele der Vögel ziehen nicht mehr Richtung Süden, sondern überwintern in unseren Breiten. Einige Gänsearten dürfen von November bis 15. Januar gejagt werden, andere haben ganzjährig Schonzeit. Wenig hilfreich sei das Verscheuchen. „Wer kann schon mehrfach am Tag zu den Feldern, um die Vögel zu verscheuchen?“, fragt Jacobsen. Zudem nützt es nichts. Im Gegenteil. Zum Fliegen verbrauchen die schweren Vögel viel Energie – die fressen sie sich nach der Landung sofort wieder an.
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