Bürgerpreis Bergedorf
Jung und Alt liegen ihr am Herzen
Samstag, 30. Januar 2010 14:16
- Von Jule Monika Witt
Kirchwerder. Bürgerpreiswürdig: Stephanie Pelch steckt einen Großteil ihrer Freizeit in die Kirchenarbeit.

Foto: Monika Witt
Stephanie Pelch (31) arbeitet am Gemeindebrief. Sie ist zweite Vorsitzende des Kirchenvorstands Kirchwerder.
Mit 23 Jahren wurde sie in den Kirchenvorstand gewählt und von Anfang an in die Großprojekte der Kirchengemeinde Kirchwerder - sei es das Neubaugebiet Karkenland, das Hufnerhaus, der Seehof oder die Kindergarten-Erweiterung - miteinbezogen. "Über dieses Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, habe ich mich natürlich sehr gefreut", sagt Stephanie Pelch. "Außerdem habe ich Dinge gelernt - zum Beispiel in den Bereichen Planung und Finanzierung -, die ich sonst in dem Alter nicht erfahren hätte." Sie scheint ihre Sache gut gemacht zu haben, denn nach den ersten sechs Jahren als Kirchenvorstandsmitglied wurde die gelernte Reiseverkehrskauffrau Ende 2008 zur zweiten Vorsitzenden gewählt.
Schon als Kind war Stephanie Pelch, die mit ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder am Süderquerweg aufwuchs, der Gemeinde eng verbunden. Regelmäßig besuchte sie zwischen ihrem siebten und 16. Lebensjahr die Theater- und Musikgruppe am Lauweg, die Marlies Müller damals leitete. "Das war ein tolles Miteinander", sagt die heute 31-Jährige rückblickend. Die Kinder musizierten im Gottesdienst, führten in der Kirche und bei den Senioren Theaterstücke auf. Heiligabend 1989 wird Stephanie Pelch nie vergessen. Das Fernsehen übertrug das Krippenspiel aus der St.-Severini-Kirche, und die Elfjährige spielte die Maria. "Das war vielleicht aufregend", sagt sie und lacht. Später, als sie das Gymnasium Bornbrook besuchte, "verlor ich ein bisschen die Bindung zu Kirchwerder".
Das änderte sich nach dem Abitur aber wieder. Stephanie Pelch begann, sich in der Jugendarbeit zu engagieren und versuchte sie, nachdem Diakon Rolf Scheele schwer erkrankt war, mit anderen ehrenamtlichen Gleichgesinnten zu retten. Die Jugendlichen gaben auch den Anstoß dafür, dass sie sich 2002 für den Kirchenvorstand aufstellen ließ. "Ihm gehören nun einmal überwiegend ältere Menschen an, so fühlten sich die Jugendlichen dort nicht angemessen vertreten", sagt Stephanie Pelch. "Und weil mir sowohl die Jugend- als auch die Altenarbeit sehr am Herzen lag, willigte ich ein."
Seitdem schenkt sie einen Großteil ihrer freien Zeit der Gemeinde. Ob Teestube, Jungschar, Musikgruppen für Kinder oder Ferienfreizeiten: Überall mischt Stephanie Pelch mit - und wagt auch Neues. So beteiligten sich an der Griechenland-Freizeit 2008 nicht nur 13- bis 18-Jährige, sondern auch Gemeindeglieder im Alter von 60 aufwärts. "Das war eine tolle Erfahrung", sagt sie. "Alt und Jung haben sich wunderbar ergänzt." Bleibt noch der Gemeindebrief, den die 31-Jährige "fast von Anfang an" erstellt. Er erscheint viermal im Jahr in einer Auflage von jeweils 4500 Stück. "Das macht zwar viel Arbeit, ist aber auch eine schöne Aufgabe", sagt Stephanie Pelch.
Nebenbei sitzt die engagierte junge Frau auch noch im Festausschuss des Sport-Clubs Vier- und Marschlande, für die Kirchengemeinde in den Ausschüssen Kindergarten, Jugend und Senioren sowie in Bau- und Personalausschuss, ist Vertreterin für Kirchwerder im Zeltlagergemeindeverband, bei der Diakoniestation Bergedorf und im Kirchengemeindeverband Evangelisch-Lutherischer Kindertageseinrichtungen. "Dass ich Beruf und Ehrenamt bislang so gut verbinden konnte, liegt nicht zuletzt an meinem tollen Chef, der dafür sehr viel Verständnis hat", sagt Stephanie Pelch, die seit 2008 für die Produktionsfirma White Balance arbeitet, deren Geschäftsführer bis zum Ende des vergangenen Jahres Jörg Pilawa war. "Leider macht er jetzt ja eine Pause", sagt sie.
Apropos Pause: "In der Ruhe liegt die Kraft" ist zwar eines ihrer Lebensmottos, aber einige Projekte ziehen sich für Stephanie Pelch doch etwas zu lange hin. Dazu gehört der Seehof in Fünfhausen, auf dessen Gelände Seniorenwohnungen gebaut werden sollen, genauso wie die geplante Erweiterung des Kindergartens am Lauweg und der Wiederaufbau des Hufnerhauses am Kirchenheerweg. Ein Grund für die Verzögerungen liegt in der Umstrukturierung des Kirchenkreises. "Aber auch darin, dass wir immer wieder umplanen müssen", sagt Stephanie Pelch. So zeige sich, dass der Bedarf für Plätze in der Demenz-Betreuung kontinuierlich steige. Entsprechend wird in der Kirchengemeinde überlegt, im Seehof auch eine Demenzstation einzurichten. "Auch beim Kindergarten ist noch nicht entschieden, ob das alte Haus abgerissen oder ob angebaut wird", sagt Stephanie Pelch.
Eines ist jedoch klar: Ein Leben ohne den Kirchenvorstand "kann ich mir gar nicht mehr vorstellen", sagt die 31-Jährige, dafür sei die Bindung zu den Menschen mittlerweile zu tief. Auch die Ziele sind klar: Die Projekte realisieren und sich dafür einsetzen, "dass die Kirchengemeinden in den Vier- und Marschlanden erhalten und eigenständig bleiben". Und irgendwann möchte Stephanie Pelch bei ihrer nun schon jahrelangen Suche nach einem schönen Zuhause in Kirchwerder fündig werden.

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