Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/vier-und-marschlande/article58326/Ute_Schmidt_liebt_Musik_und_Menschen.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Ute Schmidt liebt Musik und Menschen

Curslack. Diese Frau steckt voller Energie und sie weiß, was sie will: Ein „Befreiungsschlag“ brachte die Bayerin vor 20 Jahren in den hohen Norden.
Foto: Katja Hardter
Ute Schmidt (44) mochte sich mit den Traditionen und dem strengen Moralkodex ihrer Heimat nicht abfinden und suchte als Medizinisch Technische Assistentin eine neue Herausforderung und ihr privates Glück in Hamburg. „Ich bin eine Kämpfernatur, lasse mich nicht fremdbestimmen“, sagt sie selbstbewusst. Für die Nachhaltigkeit ihres Engagements und den Erfolg ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit spricht die Tatsache, dass der Bekanntheitsgrad der Konzertreihe „Curslacker Abendmusik“, die Ute Schmidt vor gut zwölf Jahren ins Leben rief, mittlerweile riesengroß ist: Ein Event mit anspruchsvoller Musik, gemischt mit einer Prise Unterhaltung – zu genießen für jedermann kostenlos in der Curslacker Kirche St. Johannis. „Mit einem gemütlichen Charakter wie bei einer Hausmusik“, sagt sie.
Das Besondere an ihrer Idee: Schmidt – selbst passionierte Querflötistin und Orchestermitglied – wollte hochklassige Musiker „zu den Menschen bringen und speziell denjenigen anbieten, die sich das normalerweise nicht leisten können“. Kinderreiche Familien sind dabei in ihrem Fokus, aber auch Rentner, die an der Armutsgrenze leben, „die vor dem Konzert ihre Penny-Tüten verschämt hinter der Kirche abstellen.“
Zu ihrem Gratis-Konzept gab es keine Alternative, sagt Schmidt, „ich musste hochkarätige Künstler davon überzeugen, honorarfrei aufzutreten. Eintritt haben wir nie genommen. Nur der Klingelbeutel wandert nach dem Konzert für eine freiwillige Spende durchs Publikum.“ Sogar die Schwarzmeer-Donkosaken ließen sich erweichen, stellten nach harten Verhandlungen mit der „Chefin“ ein großes Kontingent an Freikarten zur Verfügung. Schmidt: „Sonst hätten die hier keine Chance gehabt.“
Ende 2007 stieg die große Zehn-Jahres-Feier mit allen Helfern – „meine Familie unterstützt mich bei allem“ –, zahlreichen Künstlern, einigem Sekt und selbst gemachter Suppe. Seit 1997 gab es jeden ersten Sonnabend im Monat in St. Johannis viele Highlights: Der New Yorker Cellovirtuose Yossif Feigelson, „Putins Musiker des Jahres“ – ein russischer Starakkordeonist, der US-Gitarren-Guru Peter Griggs und die geniale Pianistin Elisaveta Blumina aus Riga sind nur einige der Größen, die Schmidt erobert und aufgeboten hat. Aber auch namhafte Musiker und Kammerorchester aus der Umgebung lieben Curslacker Kirchenluft. Gern engagiert Ute Schmidt Künstler, die auch Unterhaltungswert haben, „wie ein supertoller Flötist vom NDR-Sinfonieorchester, der für die Kinder Flöten mitbrachte, die sie später ausprobieren durften“.
Locker und fröhlich wie es ihre Art ist, moderiert sie die Events grundsätzlich selbst. „Meine Stars verstecke ich immer im Beichtstuhl, bis sie dran sind“, sagt die dunkelhaarige Frau, die ganz nebenbei noch einen kleinen Reitstall sowie einen privaten Kindergarten betreibt. Auch um „exotische Beiträge und Vielfalt“ bemüht sie sich. So gab es ein Konzert mit Dudelsack und Orgel oder experimentelle Musik aus Walgesängen mit Lichtshow. Jazz und Klassik oder Folklore gehen in ihren Programmen oft eine spannende Beziehung ein.
Die Konzertreihe hat eine vielversprechende Zukunft, denn die Warteliste der begehrten Künstler, die „hier auf dem Dorf gern ihre Visitenkarte hinterlassen möchten“, ist sehr lang. „Wir sind jetzt Wer“, freut sich Schmidt, die in den ersten Jahren einige Durststrecken und manchmal auch plötzliche Absagen hinnehmen musste. „Dann haben wir mit Freunden und Bekannten improvisiert. Mein Mann Thorsten (54) spielt Klavier und Orgel, ist in seiner Freizeit auch Dirigent, und meine beiden Söhne und ich sind auch ganz passable Instrumentalisten.“
Wer A sagt, muss auch B sagen: Oft übernachteten die Musiker privat bei den Schmidts in ihrem schmucken Vierländer Bauernhaus, genossen die herzliche Gastfreundschaft. Schmidt: „Daraus sind tolle Freundschaften entstanden. Ich habe heute keine Probleme mehr, spontan einen freiwerdenden Termin anders und trotzdem qualitativ klasse zu besetzen, könnte eine Musikagentur betreiben.“
Viel Arbeit ist trotz des guten Netzwerks immer noch mit den regelmäßigen Aufführungen verbunden: Die Internetseite curslacker-abendmusik.de muss ständig aktualisiert werden, „das macht mein Mann“. Das Programm muss getextet und gedruckt werden, Plakate sowie Flyer werden immer neu entworfen und verteilt, zudem müssen die Konzerte sowie die Kirche vorbereitet werden. Auch für Getränke und Bewirtung sorgt Ute Schmidt, „denn ein bisschen nett soll’s ja auch sein“. Dass sie keinen Eintritt nehme, werte die Konzertreihe nicht ab. Schmidt: „Hier geht es um Qualität, Leidenschaft und Menschenliebe.“

Bergedorfer Zeitung Online

Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008