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Ein Tag mit Schleusenwärter Klaus Gressl

Sie sind Steuermann, Polizist oder Gärtner und arbeiten alle im Landgebiet. Wir haben Berufstätigen über die Schulter geschaut und stellen ihren Arbeitsalltag in unserer Serie vor. Heute: Schleusenwärter Klaus Gressl.
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Krapphofschleuse Gressl
Foto: Alexander Quint
Klaus Gressl (62) zeigt auf seinen Arbeitsplatz, die Krapphofschleuse. Links oben hat er sein Büro.
Klaus Gressl ist oft allein, das bringt sein Beruf so mit sich. Einzig die Vögel begleiten ihn auf Schritt und Tritt - schon morgens um sieben, wenn seine Arbeit beginnt. Sein Weg ist kurz. "Ich wohne direkt gegenüber der Krapphofschleuse in einer Dienstwohnung, bin in einer Minute am Arbeitsplatz", sagt der 62-Jährige lächelnd.
Früher war die Nähe zur 1929 eingeweihten Anlage zwingend notwendig, da noch von Hand geschleust wurde. Vor vier Jahren wurde sie jedoch automatisiert, nun muss der Wärter nur noch bei Störungen dort sein, um sie zu beheben. Die sind aber keine Seltenheit, da viele Freizeitskipper einen der roten Nothebel betätigen. "Das kommt ein- bis zweimal die Woche vor, die Leute sind einfach unaufmerksam", sagt der gelernte Schlosser.
Die weit verbreitete Meinung, Schleusenwärter könnten sich den ganzen Tag zurücklehnen, amüsiert Gressl. Das Gegenteil ist der Fall. Der Vater zweier erwachsener Kinder ist viel auf Achse. Er kümmert sich auch um die Fleete und Wehre vom Bergedorfer Schlossteich bis nach Neuallermöhe-West. Sie alle muss er instand halten, Hindernisse und Schäden durch Vandalismus beseitigen, die Wasserqualität bewahren.
Auf dem Kieker hat er die Enten und Kormorane, die es sich auf den Stegen bequem machen, an denen sich die Schalter für die Schleusungen befinden. Die Tiere weichen nur widerwillig, wenn er sich in seinem Boot nähert, um die Stege einmal mehr von ihrem Kot zu befreien. Auch das gehört zu seinen Aufgaben: "Wenn bei Starkregen die Schleusenwärter nicht schnell genug handeln, kann es zu Überschwemmungen kommen", sagt Gressl. Daher gehört das tägliche Abrufen der Wettervorhersage zum Pflichtprogramm.
Kaum sind die Stege gesäubert, steigt der Schleusenwärter vom Boot ins Auto, fährt zur Alten Holstenstraße. In Sichtweite des Bergedorfer Schlosses muss er sich um das Wehr kümmern. Ohne Probleme klettert er die Leiter hinunter. Überhaupt wirkt er ausgesprochen fit für seine 62 Jahre. " Hier ist alles voller Taubenmist", schimpft er. Während oben die Menschen ihre Einkäufe besorgen, haben es sich die "Ratten der Lüfte" unterhalb der Fußgängerzone bequem gemacht - zum Unmut Gressls. Er leert ein Sieb, das den gröbsten Dreck davon abhalten soll, weiter flussabwärts zu treiben. Etwas Interessantes hat er in dem Sieb noch nie gefunden, "höchstens mal ein Verhüterli", sagt der baldige Pensionär und grinst.
Er hat es schon mal ausgerechnet: Noch knapp 40 Wochen sind es. "Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge", gibt er zu. " Der Beruf ist optimal für mich, vor allem die Vielseitigkeit und die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten. Außerdem hatte ich schon immer eine Affinität zum Wasser. Aber ich freue mich auch darauf, meine Freizeit zu genießen." Die verbringt er mit Frau und Wohnwagen an den rauen Küsten Skandinaviens, im heimischen Garten oder beim Modellbau - Schiffsmodellbau natürlich.
Jäh wird der Schleusenwärter aus seinen Träumen gerissen, als sein Handy klingelt. Ein automatischer Anruf aus der Schleuse, eine Computerstimme berichtet eine Störung. Gressl muss nun auf dem schnellsten Weg zurück, im schlimmsten Fall könnten Menschen eingeschlossen sein.
Kurz danach die Erleichterung: Niemand in Gefahr, lediglich die verschiedenen Pegelanzeigen stimmen nicht überein. Einige Knopfdrücke genügen, dann erlöschen die rot blinkenden Lampen.aqu

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