Serie
Ein Tag mit Landwirt Jochen Quast
Mittwoch, 2. September 2009 17:57
- Von Thomas Heyen
Curslack. Um 5.45 Uhr steht Jochen Quast auf. 20 Minuten später ist der Landwirt im Kuhstall seines Hofes am Curslacker Deich 2. Dort füttert er die Kälber, melkt die 40 Milchkühe.
Nach einer Stunde Arbeit geht es zum Frühstück. In der großen Küche des alten Reetdachhauses, in dem der staatlich geprüfte Landwirtschafts-Meister aufgewachsen ist und das schon von seinen Urgroßeltern bewohnt wurde, lassen sich Jochen, Marga (76) und Günther Quast (82) Käsebrot und Joghurt schmecken.

„Ende Juli habe ich hier Raps geerntet“, sagt der Landwirt, während er auf seinem Trecker sitzt und mit einer Scheibenegge die obere Bodenschicht des etwa vier Hektar großen Ackers auflockert. „Im September werde ich auf diesem Land Weizen säen.“ Neben Raps und Weizen baut Quast auch Gerste an. Seine Erzeugnisse verkauft er als Futtergetreide, Brotweizen und Öl an den Landhandel. „Der Zwischenhändler exportiert einen Teil der Gerste sogar in den Nahen Osten. Dort wird er als Kamelfutter verwendet.“
Die Landwirtschaft sei auf dem globalen Markt angekommen, sagt Quast. Zwischenhändler verkaufen seine Erzeugnisse über die Börse, bevor er überhaupt ausgesät hat. „Vor zwei Jahren hatten wir eine Hochpreisphase, doch derzeit sind die Kurse im Keller“: Für 100 Kilogramm Weizen bekommt der Landwirt rund zwölf Euro, 2007 war es mehr als das Doppelte. „Uns Landwirte trifft auch, dass der Dünger im vergangenen Jahr besonders teuer war.“
Um Punkt 12 Uhr sitzt Jochen Quast wieder in der Küche des großen Hauses, in dem er mit seinen Eltern und einem seiner beiden Brüder lebt. Seine Mutter hat eine deftige Mahlzeit zubereitet, Karbonade mit Kartoffeln und Soße. Quasts Brüder sitzen nicht mit am Tisch: „Sie sind in ihren Büros, arbeiten beide als Kaufleute“, sagt Jochen Quast, der jüngste der drei Söhne und fügt hinzu: „Ich war der einzige, der Landwirt werden und den Betrieb unserer Eltern übernehmen wollte. Diese Arbeit liegt mir. Ich habe schon als Jugendlicher hier gern mit angepackt.“ Zwar sei es nicht einfach, sich ein oder zwei Wochen Urlaub zu nehmen – Quasts letzte Reise liegt fast zehn Jahre zurück –, aber das findet der Landwirt nicht schlimm: „Ich mache hier jeden Tag auf dem Feld Urlaub“, sagt er schmunzelnd. „Im Ernst. Hier ist es doch herrlich. Man kann so schön weit in die Natur blicken.“ Nach dem Essen steigt er wieder auf seinen John Deer, fährt zurück zum Acker.
Seine Druschfrüchte – etwa 300 Tonnen erntet er pro Jahr – verwendet der Curslacker kaum zur Fütterung seiner Tiere: „Ich kaufe fertiges Mischfutter, das ist einfacher und günstiger.“ Der Schwerpunkt liegt bei der Milchviehhaltung. Sie mache etwa 70 Prozent seines Betriebes aus. Quast besitzt rund 120 Rinder, darunter 40 Milchkühe. „Die restlichen Tiere sind die weibliche Nachzucht. Sie geben erst mit zwei Jahren Milch“, sagt er.
Um 16.35 Uhr steigt Quast von seinem Trecker, spannt die Scheibenegge ab und fährt den etwa einen Kilometer langen Feldweg zurück zum Hof. Dann treibt er die Kühe zurück in den Stall, melkt sie erneut und füttert die Kälber. Um 18.30 Uhr macht er Feierabend. „Ich muss nicht jeden Abend bis 22 Uhr arbeiten. Schließlich habe ich eine Sieben-Tage-Woche. Manchmal nehme ich mir auch nachmittags frei“, sagt der 44-Jährige. Heute Abend fährt er noch mit dem Auto nach Reinbek – ins Schwimmbad. „Neben der Jagd ist Schwimmen meine liebste Freizeitbeschäftigung“, sagt er.
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