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Ein Tag mit Gärtnermeister Wilfried Harden

Kirchwerder. Sie sind Steuermann, Polizist oder Gärtner und arbeiten alle im Landgebiet. Wir haben Berufstätigen über die Schulter geschaut, stellen ihren Arbeitsalltag in unserer Serie vor. Heute: Gärtnermeister Wilfried Harden.
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Wilfried Harden Blumengroßmarkt
Foto: BGZ
Wilfried Harden inmitten seiner Blumenpracht: In der Sommersaison bietet er auf dem Großmarkt Beet- und Balkonpflanzen an. Ab Oktober werden Petunien und Wandelröschen dann von der Korallenranke, einer Schnittblume, abgelöst. Von August bis Oktober ist daher statt Markthandel intensive Pflege der jungen Korallenränke angesagt.
Eine blaue Doppeltür springt auf, dann eine zweite. Der Duft würzig, erdig, frisch, die Farben knallrot, schwarz-violett, pastellrosé. Wandelröschen, Hängepetunien und Husarenknöpfe drängen sich aneinander. Mit routinierten Handgriffen und Fußtritten lässt Wilfried Harden es rattern, klacken, rumpeln. Ursprung dieser Geräusche sind die beweglichen Container, die Harden schiebt oder hinter sich herzieht, und die darauf befindlichen Blumenstege. All die Klänge werden in einen Chor aus lautstarkem Scheppern, Lachen und humorvollen Zwischenrufen eingeführt.
Wilfried Harden Blumengroßmarkt
Foto: BGZ
Gekonnt bugsiert Harden die Container auf den Lkw.
„Tatort“ ist der Blumengroßmarkt in Hamburg, der größte deutschlandweit. Hier befördert Harden schon um 2.30 Uhr Container, die heute mit farbenprächtigen Beet- und Balkonpflanzen bestückt sind, in die Halle B zu seinem Stand 317. Dort wird der 53-Jährige unter anderem auch Lobelien und Zierklee an Zwischenhändler verkaufen. „Nur mit Marktausweis kommt man hier rein“, sagt Harden.
Die Welt, die dem Besucher in Halle B dargeboten wird, mutet mit all ihrer Farbvielfalt und den exotischen Gewächsen märchenhaft an. Und dieser Duft! „Ja, wenn man den Geruch nicht jeden Tag in der Nase hat, fällt er besonders auf“, sagt Harden lachend. Trotz der frühen Arbeitszeit und anstrengender körperlicher Arbeit – neun Container gilt es heute vom Lkw zum Stand zu transportieren – macht er einen gut gelaunten, vitalen Eindruck.
„Die Höflichkeit ist wie ein Schlüssel, der alle Türen öffnet“, steht auf einem Zitat-Kalenders auf seinem kleinen Schranktisch direkt am Stand. Tatsächlich ist der Blumenhändler zuvorkommend, stellt den Kunden, die alle Stammkunden sind, die gewünschten Stege auf ihre Karren oder bringt sie sogar zu ihren Wagen in die Tiefgarage.
Acht Pflanzen sind in einem Steg enthalten, werden nur in dieser Einheit verkauft. „Wenn wir die einzeln verkaufen würden, müssten wir mehr Kosten für Personal und Dekoration aufbringen“, sagt er. So aber seien die Preise sehr günstig, meint Harden, mehrheitlich sogar „noch so niedrig wie vor 20 Jahren“.
Doch auch niedrige Preise und Höflichkeit können an diesem Marktmorgen den ferienbedingten Kundenschwund nicht wettmachen. Die Käufer, die vereinzelt ab 4 Uhr erscheinen, sind jedoch in guter Stimmung, scherzen mit ihm. Wie auch mit dem Markt-Polizisten und den Kollegen, ist Harden mit den Zwischenhändlern per „Du“.
Wilfried Harden Blumengroßmarkt
Foto: BGZ
Harden in seinem Gewächshaus, bei tropischem Klima.
Nach mehr als sechs Stunden schlägt Harden um 8.43 Uhr hinter sechs geleerten und drei vollen Containern die Klappe des Lkw zu. Nicht alle Blumen konnten heute verkauft werden – „aber das ist ganz normal“.
In den kommenden Wochen, bis Anfang Oktober, verkauft er keine Pflanzen auf dem Markt, berichtet Harden auf dem Heimweg. „In dieser Zeit kümmern wir uns um die Schnittblumen für den Herbstmarkt.“
Nach halbstündiger Fahrt kutschiert Harden jetzt mit geschultem Blick seinen 7,5-Tonner rückwärts durch eine schmale Öffnung in den Treibhaus-Komplex am Kirchwerder Elbdeich 256. Die Arbeit ist vorerst beendet, das tägliche Familienfrühstück steht an.
Bei Brötchen, Käse und Tomaten aus eigenem Anbau wird auch Geschäftliches besprochen. Frau Angela (52) und Sohn André (27) helfen als Vollzeitkräfte mit in dem familiengeleiteten Betrieb. Während der Hausherr am Marktstand verkauft, kümmern sie sich morgens um die Bewässerung der jungen Schnittblumen und die zurückgebliebenen Beetpflanzen.
In der Küche gesellt sich an den Frühstückstisch schließlich auch Sohn Chris (22). Seine Zukunftspläne bewegen sich abseits der Gärtnerei: Er studiert Informations- und Elektrotechnik. „Aber wenn er im Betrieb mithelfen soll, dann entscheidet er sich für den Markt“, sagt Angela Harden lachend.jgr
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