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Ein Tag mit Fährmann Dariusz Bednarkiewicz

Zollenspieker. Sie arbeiten als Kindergärtnerin, Steuermann oder Polizist. Wir haben Berufstätigen aus dem Landgebiet über die Schulter geschaut, stellen ihren Arbeitsalltag in loser Folge in der Serie „Ein Tag mit..." vor. Heute: Dariusz Bednarkiewicz, Steuermann der „Erlebnis-Reederei Zollenspieker-Hoopte“.
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Fähre
Foto: Thomas Heyen
Dariusz Bednarkiewicz (34) an seinem Arbeitsplatz, dem Steuerhaus der „Hoopter Möwe 2“. Von hier aus manövriert er die 800 PS starke Fähre.
Um 5.55 Uhr betritt Bednarkiewicz das Steuerhaus der „Hoopter Möwe 2“. In den folgenden elf Stunden wird der 34-Jährige die Fähre knapp 70 Mal zwischen den Anlegern Zollenspieker und Hoopte hin- und hersteuern. Alle zehn bis zwölf Minuten erreicht das Schiff den Anleger Zollenspieker. „Jetzt ist wenig los, deshalb fahren wir etwas langsamer als in den Stoßzeiten“, sagt er und schaltet das Radio an – Rock und Pop von „Alsterradio“, seinem Lieblingssender.
Volle Konzentration erfordern die An- und Ablegemanöver. Doch auch die monotone Wiederholung der 950 Meter langen Strecke birgt Gefahren: „Man darf nicht in Routine verfallen, muss immer wachsam sein.“ Dann gibt es auch etwas zu entdecken: „Vor einigen Wochen habe ich einen Seehund gesehen.“
Die Binnenschiffer haben Vorfahrt, Boote unter 20 Metern Länge gelten hingegen als Kleinfahrzeuge und müssen Vorfahrt gewähren. Bednarkiewicz: „Manchmal kennen Freizeitkapitäne, die mit ihrer Yacht unterwegs sind, die Regeln nicht. Dann nehme ich per Funk Kontakt mit ihnen auf, kläre die Vorfahrt.“
Dariusz Bednarkiewicz, geboren in Polen, lebt seit zwölf Jahren in Deutschland, derzeit in Bullenhausen. Der gelernte Kfz-Mechaniker fing 1997 als Decksmann in dem Betrieb seines Stiefvaters Karl-Heinz „Käpt’n Kuddl“ Büchel an. Später machte er den Fährführerschein und das Schifferpatent für Ober- und Unteelbe.
In seinem neun Quadratmeter kleinen, zur Hälfte mit Equipment zugebauten und rundum verglasten Steuerhaus sitzt Bednarkiewicz auf einem festgeschraubten Bürostuhl. Die Fähre ist 54 Meter lang und fasst 24 Pkw. Gesteuert und beschleunigt wird sie mit zwei Hebeln für jeweils zwei Dieselmotoren (viermal 200 PS), einer sogenannten Schottelsteuerung. Der Schiffsführer orientiert sich auch per Radar und Kompass, blickt auf einen Anzeiger für die Wendegeschwindigkeit.
Um 12.10 Uhr gibt es Mittagessen. Dariusz Bednarkiewicz isst „zwischendurch“ Spaghetti im Steuerhaus. Zeit für eine Pause hat er nicht, da der Decksmann und Kassierer Ronald Schmidt (60), neben dem Fährführer einziges Crew-Mitglied an Bord, das Schiff nicht steuern kann. Bednarkiewicz: „Das Essen bekommen wir von einem Lieferservice, der es uns am Anleger überreicht.“
Um 14.45 Uhr muss der Fährführer die „Hoopter Möwe 2“ auf der linken Fahrrinne an zwei Frachtschiffen vorbeisteuern – entgegen den Vorschriften. „Steuerbord-Steuerbord“, gibt er seinen Kollegen per Funk durch und erhält prompt die Bestätigung. Die Schiffe begegnen sich nun mit ihrer jeweils rechten Seite. Zwischendurch klingelt immer wieder das Telefon. „Wenn die Leitung im Büro besetzt ist, werden die Anrufe an mich umgeleitet“, sagt der Steuermann. Als ihn um 16.03 Uhr seine Ehefrau übers Handy anruft, ist er kurz angebunden: „Wir legen an, ich rufe zurück.“ Die Rampen, über die Autos, Fahrräder und Fußgänger die Fähre verlassen und erreichen, senkt und hebt er per Knopfdruck. Von seiner Kabine aus steuert er auch die Grün- und Rotschaltung der Ampeln auf den Anlegern.
Binnenschiffer, die alle paar Minuten vorbeifahren, grüßt der 34-Jährige per Handzeichen. „Das ist unter Steuermännern so üblich, wie bei Motorradfahrern.“ Als Bednarkiewicz kurz darauf zur Toilette muss, übernimmt der Decksmann doch das Steuer – für knapp zwei Minuten, in denen es nur geradeaus geht.
Um 17 Uhr wird Dariusz Bednarkiewicz von Karl-Heinz Büchel abgelöst. Ronald Schmidt muss noch bis zum Ende des Fährbetriebs um 20 Uhr durchhalten. Sein Arbeitstag dauert heute 14 Stunden. „Meine Ablösung ist krank.“
Der Steuermann fährt nach Hause, zu seiner Frau und seinen zwei Kindern. „Vielleicht werde ich Fahrrad fahren – zur Entspannung.“ Ein Boot habe er nicht: „Nach Feierabend bekommt mich niemand mehr aufs Wasser.“
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