Neubaugebiet

Ringstraße: Benennung mit Hindernissen

An der Zufahrt zum Neubaugebiet auf dem ehemaligen BIG-Gelände gibt es nun zwei provisorische Straßenschilder.

Foto: Wiebke Schwirten / BGZ

An der Zufahrt zum Neubaugebiet auf dem ehemaligen BIG-Gelände gibt es nun zwei provisorische Straßenschilder.

Fünfhausen. Die Ringstraße im Neubaugebiet auf dem ehemaligen BIG-Gelände wurde umbenannt. Noch immer gibt es ein doppeltes Schilderprovisorium.

Fünfhausen.  Die Straße ins Neubaugebiet auf dem ehemaligen BIG-Gelände am Ochsenwerder Landscheideweg ist noch nicht fertig. Doch sie trägt schon zwei Namen, die wiederum auf höchst provisorischen Schildern stehen: Irmgard-Pietsch-Ring steht auf dem Brett oben am Pfahl, Fritz-Bringmann-Ring auf dem Zettel darunter – dazu der Zusatz „seit 21. 11. 2016“.

„Nein, sowas habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Sabine Hecklau vom Bauträger Bonava. Mitte November wurde die Namensänderung offiziell. Das Schreiben des Senats hielt sie wenige Tage später in Händen. Der Bezirk Bergedorf habe sich erst Mitte Dezember gerührt. Ein neues Schild wurde bis heute nicht angebracht.

Doppelte, provisorische Beschilderung

„Ich kann das alte nicht einfach wegnehmen“, sagt Sabine Hecklau, „es gehört uns doch nicht.“ Der Bauhof habe es angebracht, sei aber bisher nicht zu erreichen gewesen. Zwar wisse die Post über die Namensänderung Bescheid. Sabine Hecklau brachte dennoch einen Zettel mit dem aktuellen Namen an, damit auch Pizza- oder Apotheken-Boten nicht weiter ratlos umherirren müssen.

Die unpassende, doppelte Beschilderung ist der vorläufige Höhepunkt einer mindestens holperigen Namensfindung für die etwa 700 Meter lange Ringstraße. Denn die künftigen Bewohner hatten auf Anregung der Wohnungsbaugesellschaft schon drei Vorschläge favorisiert. Sie passten zum Gebiet, seiner Flora und Fauna: Moorfroschring nach dem geschützten Tier, das wegen der Bebauung umgesiedelt wurde, Koogskuhl wegen der Nähe des Baugebiets zu Bracks und Apfelblütenweg, da am nördlichen Rand des Baugebiets eine Reihe unter Schutz gestellter Apfelbäume steht. Doch der Regionalausschuss setzte Irmgard-Pietsch-Ring durch. Die Verdienste der Vierländerin, die den deutschen Landfrauenverband mitgründete und den Bundesverdienstorden erhielt, sind und bleiben unbestritten. Dennoch wurde die Straße umbenannt, als bekannt wurde, dass sie als junge Frau Mitglied der NSDAP war.

Apfelblüten oder Moorfrösche als Namensgeber

„Wir hatten gehofft, dass nun ein Anwohner-Favorit zum Zuge käme“, sagt Sabine Hecklau. Doch wieder setzte sich die Regionalpolitik mit dem nächsten Namen auf der Liste durch: Fritz Bringmann (1918-2011) „Klempner, Kommunist, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, seit 1970 Generalsekretär, dann Ehrenpräsident der Amicale Internationale Neuengamme“ – so die amtliche Bekanntmachung.

Vanessa Zühl lebt mit ihrer Familie seit November im Neubaugebiet. Die alte Wohnung wurde erst zum Jahresende aufgegeben, die Ummeldung steht noch bevor. „Wir haben aber gemerkt, dass der Fritz-Bringmann-Ring noch nicht überall geläufig ist. So konnte ich bei meiner Krankenkasse die Meldeadresse nicht ändern, weil die die Straße nicht gefunden haben.“ Den neuen Straßennamen findet die 38-Jährige „unglücklich“, weil er an eine Person erinnert. „Ein Name, der sich auf dieses neue Wohngebiet bezieht, wäre gut gewesen. Mein Favorit war Apfelblütenweg.“

„Hoffentlich bleibt es jetzt bei dem Straßennamen“

André Peters (44) wohnt mit seiner Familie einige Häuser weiter. Er hat sich ebenfalls noch nicht umgemeldet. „Alles andere wird nun ein zweites Mal mit dem neuen Straßennamen erledigt“, sagt er. Den jetzigen Namen findet er in Ordnung: „Mit Fritz Bringmann wird schon der Richtige gewürdigt.“ Die CDU, die den Irmgard-Pietsch-Ring ins Spiel gebracht hatte, „hätte besser recherchieren können“, meint der 44-Jährige. „Hoffentlich bleibt es jetzt bei dem Straßennamen.“

Schon im September zog Kimberley Behnke (25) mit ihrer Familie ins Neubaugebiet. „Wir hatten uns schon Ende August umgemeldet. Das müssen wir nun nochmal machen. Zum Glück trägt das Bezirksamt die Kosten.“ Ihr Namensfavorit war „Moorfroschring“, ein Name, der auch mehreren ihrer Nachbarn am besten gefiel.