Auswanderer-Abenteuer von Ochsenwerder nach Amerika

Simone Vollstädt hat eine spannende Dorfgeschichte von Auswanderern anhand von alten Briefen und im Internet recherchiert.

Foto: Wiebke Schwirten / BGZ

Simone Vollstädt hat eine spannende Dorfgeschichte von Auswanderern anhand von alten Briefen und im Internet recherchiert.

Ochsenwerder. Aufregende Geschichten im Gasthof Neudorf: Simone Vollstädt präsentiert ihre Recherchen der Öffentlichkeit

Ochsenwerder.  Was in einem Bündel alter Briefe stecken kann, hat Simone Vollstädt in jahrelanger Recherche herausgefunden: Aufregende Geschichten und spannende Geschichte, die von Ochsenwerder nach Amerika führt. Das will die Heimatforscherin der Öffentlichkeit nicht vorenthalten: „Auswanderergeschichte(n) aus Ochsenwerder“ werden am Sonntag, 28. Februar, um 17 Uhr im Gasthaus Neudorf von Otto Grabs am Dorferbogen 42 geboten.

Kurz vor Weihnachten 2009 war es, als sich Martina von Dratel mit dem Dachbodenfund an Simone Vollstädt wandte und anfragte, ob sie die Zeilen wohl übersetzen könnte? Denn auf den teils vergilbten weißen, aber auch grünen oder blauen Papierbögen fand sich schwungvolle Handschrift in feinstem Sütterlin. Die alte, deutsche Schreibschrift können nur noch wenige Menschen lesen – Simone Vollstädt gehört dazu. Dachte sie zunächst, dass sie kaum mehr als ein, zwei Schriftstücke vor Weihnachten würde bearbeiten können, so irrte sie gewaltig. Denn die 15 Briefe erwiesen sich als derart spannend, dass sie alle in zwei Tagen „übersetzte“.

Zwei Cousins wagten die Reise

Sie stammen von den Cousins Martin Rücker (23) und Wilhelm Hasenkampf (24) aus dem Kirchspiel Ochsenwerder, die 1868 die Reise über den großen Teich wagten und nach Amerika ausgewandert sind. Sie berichten davon ihrer Tante Elisabeth Meier (geborene Rücker), die am Dorferbogen lebte, und Rudolph Rücker, einem Bruder, der eine Steinhandlung in Hamburg betrieb. Nicht nur die Überfahrt mit den Schiffen „Allemania“ und „Teutonia“ bis nach New York wird so wieder lebendig. Ebenso Erlebnisse in der neuen Welt bis 1886, wobei es vom Wilden Westen bis zur Weltausstellung in Philadelphia an nichts fehlt.

Simone Vollstädt recherchierte in alten Kirchenbüchern in Ochsenwerder, erstellte ein Familienstammbaum-Gerüst, informierte sich im Auswanderermuseum Ballinstadt, wurde in Passagierlisten fündig, die über die Bibliothek von New York im Internet zu finden sind. Zudem sichtete sie alte Fotos und Zeichnungen, stöberte historische Plakate auf, verglich damalige Währungsangaben und Preise mit dem, was die Cousins berichteten. So entstand in den vergangenen Jahren ein komplexes Bild dessen, was Auswanderung damals bedeutet hat – mit vielen großartigen Höhen, aber auch Tiefen.

Die Briefe werden vorgelesen

In der Reihe „Dorfgeschichte(n)“ werden die Briefe nun mit verteilten Rollen vorgelesen: Manfred Seevers übernimmt den Part von Martin Rücker, Reinhard Heller liest die Briefe von Wilhelm Hasenkampf und Karsten Paulssen jene, die an den Bruder gerichtet sind. Simone Vollstädt moderiert die Lesung und zeigt eine Reihe passender Bilder, die sie zusammengestellt hat. Sie hat viel Energie und Liebe in die Sache gesteckt – und sorgt auch für eine stimmige Kulisse samt altem Reisekoffer und Kopien von alten Plakaten und Listen der „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“.