Tomatenerbe

Unermüdlicher Einsatz für die Vielfalt der Tomate

Dmitrij Palicin (26; l.) und Hilmar Kunath (66) vom Team der Tomatenretter setzen sich in ihren Gewächshäusern am Reitbrooker Hinterdeich für den Erhalt von samenfesten Tomatensorten ein.

Foto: Lena Diekmann

Dmitrij Palicin (26; l.) und Hilmar Kunath (66) vom Team der Tomatenretter setzen sich in ihren Gewächshäusern am Reitbrooker Hinterdeich für den Erhalt von samenfesten Tomatensorten ein.

Reitbrook. Um altes Saatgut der Tomate zu erhalten, hat sich in Reitbrook ein Verein gegründet. Die Tomatenretter haben 120 Sorten archiviert.

Reitbrook..  Sie heißen Black Cherry, Pineapple oder Goldita und wenn Dmitrij Palicin nur an ihren Geschmack denkt, gerät er ins Schwärmen: „Die sind der Hammer, meine absoluten Lieblingssorten“, sagt der 26-Jährige. Sie sind süß, robust und ertragreich, erklärt er seine Auswahl. Und dabei kann er am Reitbrooker Hinterdeich 291 aus einer Vielzahl wählen. In drei Gewächshäusern kämpfen dort die „Tomatenretter“ für den Erhalt von leckeren und samenfesten Tomatensorten. In sechs Jahren haben sie bereits Saatgut von mehr als 120 Sorten angebaut und im Archiv gesichert. „Und die Sortenvielfalt wird jedes Jahr größer“, sagt Hilmar Kunath.

Für 5 Euro im Monat zum Retter werden

Der pensionierte Gymnasiallehrer aus Ottensen ist einer von zehn Vereinsmitgliedern, die aktiv in Reitbrook mitarbeiten. Hinzu kommen etwa 100 Mitglieder, die die Arbeit des Vereins mit ihrem Mitgliedsbeitrag unterstützen – pro Monat 5 Euro. Dafür können sie aus dem breiten Saatgutarchiv schöpfen, selber Pflanzen anbauen und die Früchte aus Reitbrook kosten.

Die meisten der 120 Sorten werden so nie im Supermarktregal zu finden sein. Laut Saatgutverkehrsgesetz ist es Bauern in der EU nicht gestattet, aus nicht lizenziertem Saatgut gewonnene Früchte gewerblich zu verkaufen. „Viele Sorten gehen so verloren“, erklärt Hilmar Kunath.

Geschmack der Früchte spricht für sich

Deswegen haben es sich die Tomatenretter zur Aufgabe gemacht, das alte Saatgut zu erhalten. „Wer einmal eine unserer selbstgezogenen Tomaten gekostet hat, weiß sofort, warum wir das machen“, sagt Dmitrij Palicin. Der 26-Jährige kann es kaum abwarten, bis die Saison wieder losgeht und in den Gewächshäusern wieder reife Früchte hängen. Im März soll das Aussähen des Saatgutes beginnen.

„Krautfunding“ für Gärtner Ole

Doch bis dahin gibt es für die Tomatenretter noch einiges zu tun: Jetzt geht es darum, Geld für Gärtner Ole Halver zu sammeln. Da die Aufzucht und Pflege der Pflanzen – in einer Saison sind es bis zu 2000 Stück von denen gut fünf Tonnen geerntet werden –, sehr zeitintensiv ist, soll er das Team unterstützen. Für Gehalt, Geräte und Material braucht der Verein 12 000 Euro. Dafür haben sie nun im Internet eine Spendenkampagne gestartet. Statt unter dem englischen Begriff „Crowdfunding“ Geld zu sammeln, wird bei den Tomatenrettern Krautfunding daraus (www.startnext.com/tomatenretter). Je nach Höhe der Spende gibt es Saatgut, Pflanzen oder eine Vereinsmitgliedschaft als Dankeschön. „Die Aktion ging schon super los. Nach vier Tagen haben wir bereits mehr als 2000 Euro zusammen“, sagt Hilmar Kunath. Der 66-Jährige ist zuversichtlich, dass die angepeilte Summe bis zum Aktionsende am 31. März zusammenkommt.