Borghorster Elbwiesen
Jetzt kommt es auf das Gutachten an
Sonntag, 8. März 2009 22:57
- Von Jule Monika Witt
Altengamme. Auch wenn es scheinbar ruhig um die geplante Überflutung der Borghorster Elbwiesen geworden ist, hinter den Kulissen wird „unter Hochdruck gearbeitet“, sagt Rolf Semrok von der Hamburger Projekt-Realisierungsgesellschaft (ReGe). Der Projektleiter geht davon aus, dass „wir im Laufe des Sommers die Planfeststellung beantragen können“.

Foto: Rege Hamburg
Die Karte zeigt die Planung für die Borghorster Elbwiesen, von der Hochwasserschutzlinie im Norden bis zum Anschluss des neuen Horster Damms (rot) im Süden.
Wie berichtet, sollen Borghorster Elbwiesen und Besenhorster Sandberge tideabhängig überflutet werden, um sich so zum Paradies für Weichholzauen, Tideröhrichte und den Schierlings-Wasserfenchel zu entwickeln. Was als EU-Life-Projekt unter Federführung der Umweltbehörde bereits einmal im Planfeststellungsverfahren scheiterte, soll nun mit dem dreifachen Etat – 16 Millionen Euro – realisiert werden. Dass die Stadt Hamburg so beharrlich an dem Projekt festhält, hat einen triftigen Grund: Noch immer fehlen 66 der 170 Hektar, die als Ausgleichsfläche für die Airbus-Erweiterung von der EU gefordert werden.
Ob das Projekt umgesetzt werden kann, hängt von dem dreidimensionalen hydrometrischen Gutachten ab, das zurzeit im Auftrag der ReGe erstellt wird. Semrok rechnet „Mitte Mai“ mit den Ergebnissen. „Erst dann wissen wir, wie sich die Überflutung der Borghorster Elbwiesen bei Hochwasser auf die Grundwassersituation auswirkt.“ Sollte sich der Grundwasserspiegel erhöhen, stellt sich die nächste Frage: „Wie können wir gegensteuern?“ Er ist aber „guter Hoffnung, dass uns das gelingt“.
Auch wenn er die Ergebnisse des Gutachtens noch nicht kennt, steht für den Projektleiter bereits jetzt fest: „Wir werden in jedem Fall etwas an der Entwässerung machen müssen.“ Ob Tiefendränagen und Pumpwerke reichen, werde sich zeigen. So gesehen könne sich aus dem Projekt durchaus eine Situation ergeben, von der alle profitieren. Unabhängig davon machte Semrok aber noch einmal unmissverständlich deutlich, dass dieses Projekt nur realisiert wird, „wenn es keine Verschlechterung für die Anwohner bringt“. Ebenso würde es scheitern, wenn die Kosten für seine Umsetzung ins Unermessliche stiegen.
Von beidem geht Semrok aber zurzeit nicht aus. Er bedauert, dass der Naturschutzbund (Nabu), der das Projekt bislang – wie andere Umweltverbände auch – unterstützte, sich nun davon distanziert. Der Nabu bezieht sich auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach Hamburg die Haseldorfer Marsch nicht als Ausgleich für das zugeschüttete Mühlenberger Loch nutzen darf. Da auch die Borghorster Elbwiesen Schutzgebiet seien, dürfe auch hier Naturzerstörung nicht ausgeglichen werden. Für Semrok lassen sich die beiden Gebiete nicht vergleichen: „Während die Aufwertung der Haseldorfer Marsch tatsächlich relativ schwierig gewesen wäre, gibt es in Borghorst nur eine kleine Brenndoldenfläche, ansonsten ist es durchaus möglich, das ehemalige Ackerland durch den Tide-Einfluss aufzuwerten.“
Während der CDU-Kreisvorsitzende Klaus Schlie forderte, der Hamburger Senat solle in puncto Borghorster Elbwiesen Rede und Antwort stehen, will der Projektleiter erst wieder an die Öffentlichkeit treten, wenn die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen. „Dann kann ich exakt sagen, was zur Entwässerung getan werden muss“, sagt Semrok.

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