01.05.12

Veranstalungen

Neues Gebührenmodell der Gema

Kirchwerder. Die Betreiber von Clubs und Diskotheken fürchten um ihre Existenz. Schuld daran sind die neuen Tarife der Gema. Die Verwertungsgesellschaft der Musikschaffenden will zum 1. Januar 2013 neue Strukturen schaffen. Von Thomas Heyen

GEMA
Foto: Jann Nicht mehr die Anzahl der Gäste, sondern die Größe des Saals und der Eintrittspreis sollen künftig die Gema-Gebühren bestimmen. Hintergrund: Die Gästeanzahl war schwer nachprüfbar, die Veranstalter konnten leicht schummeln (Symbolfoto Ü30-Party in Reinbek).

Bislang orientieren sich die Beiträge an der Größe der Diskothek und an der Anzahl der Öffnungstage. Künftig wird anders gerechnet: Je größer die Party und je höher der Eintrittspreis, desto mehr soll der Veranstalter zahlen.

Denn – und das ist nicht neu – wer öffentlich Musik abspielt, muss dafür an die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) Gebühren zahlen – egal, ob in der Diskothek, im Café, in der Kneipe oder im Festzelt. Doch die Gema-Verantwortlichen beschwichtigen: Kleinere Tanzpartys mit bescheidenem Eintritt würden künftig sogar entlastet.

Die Faustformel lautet ab 2013: Quadratmeter mal Eintrittspreis. Etwa zehn Prozent davon sollen an die Gema gehen, außerdem gibt es diverse Zu- und Abschläge. Beispielsweise wenn länger als fünf Stunden gefeiert wird. Dann kommen mindesten 50 Prozent Aufschlag hinzu. Dafür werden Mitgliedern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) 20 Prozent Nachlass gewährt.

Clubs wie Garbers am Kirchwerder Landweg 552 mit einer Größe von rund 250 Quadratmetern zahlen bei einem Eintrittspreis von 5 Euro etwa 125 Euro pro fünfstündiger Party. Pauschalen, die es bisher gibt, werden abgeschafft.

Wer für die Feier im 1000-Quadratmeter-Festzelt 8 Euro Eintritt verlangt, zahlt ab 2013 rund 800 Euro Gema-Gebühren. Heute sind es 670 Euro. Bei einem doppelt so großen Zelt und gleichem Eintrittspreis wird der Spaß allerdings wesentlich teurer. Dann werden künftig rund 1600 Euro statt bisher 906 Euro fällig.

Die Tanz-Veranstalter im Landgebiet sind verunsichert: "Drastische Erhöhungen würden das endgültige Aus für jegliche Vereinsfeste bedeuten", sagt Hendrik Putfarcken (24), Leiter des Festkomitees der Vierländer Schützengesellschaft. Manfred Witthöft, Mitorganisator des "Spadenländer Oktoberfestes", blickt ebenfalls skeptisch in die Zukunft: In dem knapp 2000 Quadratmeter großen Zelt wurden bisher bis zu 12 Euro Eintritt fällig. Das wären künftig knapp 2400 Euro für die Gema. "Dann würden wir um eine Preiserhöhung nicht herumkommen", sagt er.

Discjockey Peter Ernst sorgt sich um seine "Bordpartys", die er auf dem Schiff "Lüneburger Heide" organisiert. "Nach fünf Stunden soll die Gebühr ja deutlich steigen. Wer feiert denn nur fünf Stunden?", sagt er. Die "Bordpartys" dauern sechs Stunden. "So lange muss ich das Schiff mindestens chartern."

Oliver Kahle, Geschäftsführer des Zollenspieker Fährhauses, ist ebenfalls skeptisch: "Ich zahle schon jetzt mehrere Tausend Euro Gema-Gebühren im Jahr. Sollten die Preise steigen, müssen wir das Programm in unserem 250 Quadratmeter großen Saal deutlich reduzieren", sagt er. Denn Kahle muss nicht nur für die Discos zahlen, sondern auch für Kleinkunstabende – sofern dort Musik gespielt wird.

Gaby Schilcher, Sprecherin der Gema, hält dagegen: "Bei einem Eintrittspreis von bis zu 6 oder 7 Euro wird es für den Veranstalter ab 2013 fast immer günstiger." Beispiel: Der Betreiber eines 400 Quadratmeter großen Clubs zahlt bei 5 Euro Eintritt aktuell 270,80 Euro. Ab dem Jahreswechsel werden Gebühren in Höhe von "nur" etwa 200 Euro fällig.

Doch noch ist nichts endgültig beschlossen, zumal die Pläne der Gema etwa von der Dehoga massiv kritisiert werden. Die Verwertungsgesellschaft verhandelt mit dem Verein Bundesvereinigung der Musikveranstalter, der größten Nutzervereinigung der Diskotheken- und Clubbetreiber in Deutschland, die Tarife. Und: "Wenn es aufgrund besonders geringer Besucherzahlen starke Diskrepanzen zwischen den Einnahmen und den Gema-Gebühren gibt, können die Veranstalter sich auf eine Härtefallnachlassregel beziehen", sagt Gema-Sprecher Franco Walther.

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