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Mit 89 Jahren nicht gut zu Fuß – aber fit hinterm Steuer

Neuengamme. Otto Heinrichs ist 89 Jahre alt und mittlerweile nicht mehr so gut zu Fuß. Doch das Autofahren klappt wie eh und je bestens. Das hat er jetzt sogar schriftlich: „Ich habe einen Fahr-Fitness-Check gemacht und kann das nur jedem älteren Autofahrer empfehlen“, sagt er.
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Otto Heinrich
Foto: Schwirten
Otto Heinrichs (89) ist regelmäßig mit seinem kleinen Mercedes in Bergedorf unterwegs. Auf längere Autofahrten verzichtet er allerdings lieber.
Über den ADAC erfuhr der Wahl-Neuengammer von der Möglichkeit, mit der besonders Verkehrsteilnehmer, die älter als 60 Jahre sind, ihre Fahrtauglichkeit testen können. Und so kutschierte er bald einen Fahrlehrer eine dreiviertel Stunde lang durch Fuhlsbüttel. Es war ein bisschen so, wie bei der modernen Fahrprüfung. Allerdings wurden diesmal sowohl die gesamte gefahrene Strecke als auch Cockpit, Fahrer und Fahrlehrer per Video aufgenommen. „Die Aufzeichnung habe ich mitbekommen, kann mir meine Fahrweise über den Laptop zu Hause noch einmal ansehen.“
An ihr hatte der Fahrlehrer nur wenig auszusetzen. Vielleicht noch einmal mehr in den Rückspiegel schauen und in engen, dicht beparkten Einbahnstraßen noch wachsamer sein. Denn zwischen all den Stoßstangen können plötzlich Fußgänger auf die Straße laufen. Mahnungen, die auch junge Autofahrer schnell ins Stammbuch geschrieben bekommen. Und so darf Otto Heinrich sehr zufrieden sein mit dem Ergebnis.
Freunde und Bekannte konnten es kaum verstehen, dass Otto Heinrichs sich auf einen solchen Fahr-Check eingelassen hat: „Du weißt doch, dass du fahren kannst“, meinten sie kopfschüttelnd. „Ja“, sagt der 89-Jährige dazu, „aber es ist doch sehr interessant, wie ein Außenstehender das beurteilt.“ Gerade, weil es immer heißt „Senioren am Steuer – ein Risiko“, wollte Heinrichs es ganz genau wissen. Denn ein bisschen ärgert es ihn schon, dass Autofahrer nur wegen ihres Lebensalters als tauglich oder untauglich eingestuft werden. Sind es nicht häufig Fahranfänger, die mangels Erfahrung Unfälle bauen? Sind es nicht oft junge Heißsporne, die ungeduldig aufs Gaspedal treten?
Als Otto Heinrichs 1954 den Führerschein gemacht hat, da legte er nach zwei Fahrstunden schon am dritten Tag die Fahrprüfung ab. Damals konnte sich kaum jemand ein eigenes Auto leisten, holperten nur wenige DKW über die Straßen. Auch Otto Heinrichs wurde erst 1962 stolzer Besitzer des ersten eigenen Pkw: ein hellblauer VW Export mit 25 PS. Bis dahin hatte er, der im Großhandel und Export tätig war, im Firmenwagen bereits ordentlich Fahrpraxis gesammelt, fuhr nach Belgien und Holland ebenso wie nach Italien oder Frankreich.
Heute lenkt Otto Heinrichs einen kleinen Automatik-Mercedes. Gern fährt er mit seiner Frau Hella nach Bergedorf, ist für Arztbesuche oder Einkaufstouren mobil. Doch er weiß, wo seine Grenzen liegen. Urlaubsfahrten an die Ostsee etwa organisiert er mit Hilfe der Enkelin: „Sie fährt uns dann hin und mit der Bahn zurück, und wir sind vor Ort mit dem Auto mobil“, erzählt Heinrichs.
In all den Jahren bis heute lernte er immer wieder dazu, nahm alle Neuerungen auf, passte sich immer wieder an. Ein andauernder Lernprozess, für den er jetzt nicht nur mit dem Fahr-Check ein gutes Zeugnis ausgestellt bekam: In Flensburg ist Heinrichs ein unbeschriebenes Blatt, er baute in 58 Jahren keinen Unfall, kassierte keine Knöllchen.
Wer sich ebenfalls für einen Fahr-Check interessiert, kann sich anmelden unter Telefon 0175 41 33 235 oder per E-Mail: mail@my-easy-drive.de. Für ADAC-Mitglieder kostet der Check 49 Euro, für andere 69 Euro.
13 Kommentare
Amüsierte Leserin meint:
@Hansbert Buhk

Du meine Güte. Jetzt müssen die Frauen wieder herhalten. Schon interessant, dass auf ein Vorurteil das nächste folgt und der Schreiber es nicht einmal bemerkt :-)
fritz meint:
Mensch, Hansherbert, wer hat dir denn dieses Fremdwort eingeflüstert? Das einzig Wirksame sind Fahrtüchtigkeitsprüfungen für alle in festem Zeitabstand (5 oder meinetwegen auch 10 Jahre); denn Blindfische, Schnarchlappen und Nervenbündel gibt es in allen Altersgruppen.
Hansbert Buhk meint:
Also wenn ich manche Frauen sehe, die sich innerhalb von 30min
in eine Parklücke quälen und im Stadtverkehr in völlige Panik ausbrechen,
dann sollte man denen ebenso den Lappen abnehmen. Alt heißt nicht gleich
fahrunfähig, denn gewisse äquivalenzen lassen sich ebenso zu jüngeren
feststellen.

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