28.02.12

Windkraft

Furcht vor Lärm und Schatten trotz der Grenzwerte

Ochsenwerder. Der geplante Bau von sieben Windkraftanlagen macht den Anwohnern Kopfzerbrechen. 200 Interessierte konnten jetzt ihre Fragen direkt bei den Planern der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt loswerden. Mit den Antworten waren allerdings nicht alle zufrieden. Von Wiebke Schwirten

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Das Interesse ist groß, der Saal brechend voll: Moderatorin Katrin Fahrenkrug weist auf eine Stellwand, auf die Anwohner Zettel mit Fragen und Kritik gepinnt haben.

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Staatsrat Holger Lange von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

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Sie sitzen in der ersten Reihe: Die Experten wollen die Anwohner informieren.

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Karen Bruns, Amt für Landes- und Landschaftsplanung erklärt das weitere Planungsverfahren.

Der große Saal bei Arne Meyer am Ochsenwerder Kirchendeich ist brechend voll. Etwa 200 Menschen sind gekommen, die meisten stammen aus dem Dorf. Das Thema des Abends ist ihnen wichtig: Es geht um Eignungsgebiete für Windenergieanlagen in Hamburg.

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bietet geballte Präsenz, ist mit elf Vertretern aus Hamburg angereist, inklusive Staatsrat Holger Lange. Die Stimmung ist angespannt. Als Staatsrat Lange erwähnt, dass Ochsenwerder doch noch ein schönes Fleckchen Erde sei, geht ein Raunen durch die Reihen. "Noch, ja."

Lange wirbt für die Windenergie, nennt 2300 Arbeitsplätze, die seit 2009 in diesem Bereich neu geschaffen wurden, spricht davon, dass auch Dienstleister und Handwerk profitieren. Für Hamburg sei Bergedorf ein Hauptstandort, neben Harburg und in geringem Maße auch Hamburg-Mitte. Zudem werde im Hafengebiet geplant.

In Ochsenwerder geht es um sieben Windenergieanlagen (100 Meter Nabenhöhe, 100 Meter Rotor, Gesamthöhe also 150 Meter) auf einer Fläche zwischen Ochsenwerder Landscheideweg und Sammelgraben. Dort werden 500 Meter Abstand zur nächsten Siedlung und 300 Meter zu einem Einzelhaus eingehalten. Den Anwohnern sind die Abstände zu gering. Sie verweisen auf Flächenländer, wo Windenergieanlagen besser aufgehoben wären: "Wir werden hier in Geiselhaft genommen für eine grundsätzlich falsche Entscheidung des Senats, dass Stadtstaaten so etwas überhaupt verwirklichen müssen", sagt ein Anwohner. Die Ausweisung des Eignungsgebietes stoppe zudem die bauliche Weiterentwicklung Ochsenwerders.

Auch der Grenzwert für den Lärm (45 dB (A)) überzeugt das Publikum nicht, ebenso die Angaben zum Schattenwurf. Der astronomisch maximal Schattenwurf liegt bei 30 Stunden pro Jahr oder maximal 30 Minuten am Tag. Meteorologisch wahrscheinlich seien aber nur acht Stunden Beschattung im Jahr. "Das sind doch nur theoretische Berechnungen. Was ist, wenn die gebaut werden und lauter sind?", fragt ein Anwohner. Ein anderer vermutet: "Mir kommt es so vor, als rechneten sie sich das alles so hin. Was ist mit dem gefährlichen Infraschall? Ich erkenne nicht, dass sie auf unsere Gesundheit irgendwie Rücksicht nehmen!" Die Anwohnerbeiträge ernten viel Beifall. Die Experten verweisen auf strenge Kontrollen der Anlagen, die Verpflichtung der Betreiber, Richtlinien und Grenzwerte einzuhalten.

Immer wieder wird den Zuhörern versichert, dass sie in die Planung einbezogen und ihre Sorgen und Nöte protokolliert und berücksichtigt würden. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans selbst aber laufe. Klar sei: Die Behörde wird Eignungsflächen ausweisen, die Bürgerschaft letztlich darüber entscheiden.

Umfangreiche Infos können im Internet abgerufen werden: http://www.hamburg.de/flaechennutzungsplan/2639986 .

Der nächste Infoabend zum Eignungsgebiet Neuengamme beginnt am Dienstag, 6. März, um 18.30 Uhr im Corslaker Landhuus, Curslacker Heerweg 2a.

Kommentar: Anwohner fordern Beteiligung ohne Gaukelei - von Wiebke Schwirten

Am Ende des Infoabends sagt eine Anwohnerin: "Ich fühle mich hier verscheißert", und viele stimmen ihr zu. Sie glauben nicht, dass ihre Sorgen ernst genommen werden. Sie bezweifeln, dass sie wirklich an der Planung beteiligt werden. Es scheint alles schon beschlossene Sache. Warum die Gaukelei?

Tatsächlich wäre ein ehrliches Wort erfrischend gewesen: Manchmal muss der Einzelne zurückstecken, um dem Allgemeinwohl zu dienen. Wer die Energiewende will, muss etwas dafür tun. In diesem Fall ist es Ochsenwerder, das dies für Hamburg ermöglicht. Punkt. Oder gibt es doch noch Alternativen? Vielleicht Flächen in den Walddörfern finden? Oder gar keine Eignungsgebiete ausweisen? Dann könnten Investoren ihre Anlagen als "privilegierte Bauvorhaben" im Außengebiet praktisch überall durchsetzen.

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