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Hobby-Polizist Nico G. (35) macht Jagd auf Raser

Bergedorf. Nico G. hat ein ungewöhnliches Hobby: Mit einer privaten Radarpistole macht er Geschwindigkeitsmessungen. Zwar darf der 35-Jährige Raser nicht stoppen und keine Bußgelder verhängen, trotzdem sorgt seine Anwesenheit am Straßenrand für Verkehrsberuhigung. Die Polizei bestätigt: Private Messungen sind erlaubt.
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Hobby-Polizist Nico G. bei Radarmessungen
Foto: Neff
Nico G. (35) ist unbestechlich – der Vierländer führt eine private Radarstatistik.
Als die blonde Fahrerin am Steuer des blauen BMW den Mann mit der Pistole am Straßenrand entdeckt, tritt sie in die Eisen. Auch bei den nachfolgenden Autos glühen die Bremslichter. „Zu spät“, grinst Nico G. Seine Radarpistole hat den BMW längst „abgeschossen“. 83 Kilometer pro Stunde zeigt das Gerät, nur 50 km/h sind hier erlaubt.
Dennoch hat die Fahrerin der PS-starken 7er-Limousine Glück gehabt, nur ahnt sie es nicht. Denn Nico G. fehlt die Lizenz zum Kassieren. Der 35-Jährige bezeichnet sich selbst als „Hobby-Polizist“, und die Radarfalle betreibt er nur zum Spaß. „Andere gehen mit dem Hund spazieren oder beobachten Vögel mit dem Fernglas“, erklärt der Vierländer: „Wenn ich Spaß haben will, greife ich zur Radarpistole.“ Die hat er für 200 Euro übers Internet gekauft.
„Das ist kein Spielzeug, sondern ein Präzisionsgerät.“ Nico G. demonstriert seine Radarpistole nicht ohne Stolz: „Die misst bis auf eine Entfernung von 400 Metern.“ Die Genauigkeit betrage 0,3 km/h – so steht es in der Gebrauchsanweisung.
Präzision ist dem 35-Jährigen sehr wichtig. Wenn er seine Radarfalle bevorzugt an den Vierländer Deichstraßen, in 30er-Zonen vor Schulen oder an Unfallschwerpunkten einrichtet, protokolliert er jede Messung in einer eigens angefertigten Tabelle. „Selbstverständlich ziehe ich dieselbe Toleranz wie bei den offiziellen Polizeimessungen ab“, betont der Vierländer. Und dann greift er zum Bußgeldkatalog und rechnet aus, was seine heutige Messung der Staatskasse an Einnamen hätte bringen können.
Nico G. blickt dabei etwas resigniert auf die Liste: Denn seine Messungen führen weder zu Bußgeldbescheiden noch zu Fahrverboten. Er darf die Autos nicht stoppen, nicht einmal die Kennzeichen notieren oder die Raser anzeigen. Auch die zahlreichen Polizeiuniformen, die bei ihm zu Hause im Schrank hängen, darf er bei seinen Radar-Ausflügen nicht anziehen. „Uniform und Mütze trage ich allenfalls mal zum Fasching, sonst wäre das eine Amtsanmaßung.“
Ohnehin stößt der Freizeit-Cop nur auf wenig Verständnis für sein ausgefallenes Hobby. „Ich habe vor der Schule Zollenspieker eine Mutter gemessen, die in der 30er-Zone mit 73 Sachen angerauscht kam, um ihre Tochter noch rechtzeitig zum Unterricht zu bringen“, erzählt er. „Das ist doch saugefährlich, da musste ich die Frau einfach ansprechen.“ Aber die eilige Mutter hat Nico G. nur als „Wegelagerer“ und „Möchtegern-Bullen“ beschimpft. Solche Rückschläge steckt der selbst ernannte Ordnungshüter aber locker weg. Dass sein Gegenüber uneinsichtig reagiert, ist er als ausgebildete „Sicherheitsfachkraft“ von seinem Job als Ordnungsdienst auf Veranstaltungen und im Objektschutz gewohnt.
Nur einmal kam es zum unangenehmen Kräftemessen. Da hatte Nico G. mit seiner Radarpistole zufällig ein Auto von Zivilpolizisten ins Visier genommen. „Die waren ohne Sonderrechte, also ohne Blaulicht und Martinshorn, unterwegs.“ Dafür aber deutlich schneller als die Polizei erlaubt. Nico G. notiert ein „Fahrverbot“ in seiner privaten Messstatistik. Die Zivilbeamten entdecken die Radarmessung, machen eine Vollbremsung und legen den Rückwärtsgang ein. „Dann haben die mich richtig zur Schnecke gemacht, behauptet, meine Messungen seien illegal und ich bräuchte ein Messzeugnis.“ Wegen eines angeblich „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ haben die Beamten Nico G. einen Platzverweis ausgesprochen. Der findet das nicht nett, so unter „Kollegen“. Doch er hat klein beigegeben, das Feld geräumt und die Messung zwei Straßen weiter fortgesetzt.
„Private Radarmessungen sind grundsätzlich erlaubt“, stellt Michael Christens von der Verkehrsdirektion der Hamburger Polizei klar: „Auch unsere polizeilichen Messungen stellen ja keine Verkehrsgefährdung dar.“ Allerdings würden die Experten der Polizei sehr genau aufpassen, dass sie ihre Blitzgeräte so aufstellen, dass dadurch keine zusätzliche Gefährdung entsteht. So dürften weder Verkehrsschilder noch Einmündungen verdeckt werden. Allerdings hört der Verkehrspolizist zum ersten Mal von dem ungewöhnlichen Zeitvertreib: „Solche Hobby-Polizisten dürften Einzelgänger sein“, sagt Christens: „Ein neuer Volkssport ist das Geschwindigkeitsmessen sicher nicht.“
Eigentlich schade, findet Nico G.: „Auch wenn ich keine Strafzettel schreiben darf, so führt schon meine bloße Anwesenheit am Straßenrand zu einer Verkehrsberuhigung.“ Und wenn man für Geschwindigkeitsmessungen 1-Euro-Jobs schaffen würde, könne man gleichzeitig die Verkehrssicherheit erhöhen und die Staatsverschuldung locker senken. Dabei ist der 35-Jährige selbst kein „Schleicher“ am Steuer. „Aber so ab 15 Stundenkilometer über der Höchstgeschwindigkeit, da hört für mich der Spaß auf.“
Für andere nicht. Auf der Autobahn 25 hat Nico G. von der Brücke Curslacker Neuer Deich herunter einen Audi mit 232 Kilometern pro Stunde gemessen. Dann würde er am liebsten das Blaulicht aufs Dach setzen und dem Raser die Polizeikelle zeigen. „Ja, ich wäre gern Polizist geworden“, sagt Nico G. überraschend nachdenklich. Doch dafür reichte der Hauptschulabschluss nicht aus. So notiert er den Audi nur in seiner privaten Statistik – immerhin als persönlichen Radar-Rekord.cn
89 Kommentare
Nico G. meint:
Hallo azul
Pass aber auf wenn du dann messen gehst, einige Autofahrer gehen richtig ab. Bedrohungen,beleidigungen usw.
Ich rate wenn du alleine bist das ehr unerkannt durch zu führen.
Aber wie gesagt die Polizei oder Staat kümmert sich nicht darum.
Auf einmal berichtet die Zeitung und schon klappt es...

Wenn du fragen hast melde dich noch mal.

MFG Nico
azul meint:
Guter Artikel.
Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich weder die Kennzeichen notieren, noch Anzeige erstatten darf. Eigentlich schade.
Ich wohne in einer Spielstraße und Schrittgeschwindigkeit liegt bei den meisten nachbarn bei 30-40 km/h oder darüber.
Falls ich dann mal jemanden darauf anspreche heißt es: "Doch nicht um diese Uhrzeit", "Ich fahre hier schon seit 17 Jahren entlang...", "ich habe Sie nicht spielen sehen...", "bei mir fahren auch alle zu schnell".
Ich hatte mal die örtliche Politik mit Bitte um Radarmessung angeschrieben. "Wir kümmern uns darum..." ist über ein Jahr her.
Scheiß egal, ob Katzen Tot oder Kinder angefahren werden, heute haben es alle eilig.
Ohne Blinker, von der AB-Auffahrt auf die 3te, ausbremsen, ohne Rücksicht rausziehen... heute üblich.
Vielleicht hilft schon die Statistik um eine Radarkontrolle auszulösen, ich kauf mir auch so'n Teil.
Danke Nico für die Anregung...
Nico G. meint:
Und im Übrigen ein DANK!!!! an alle die, die mich hier so nett unterstützt haben.
Ihr könnt mich natürlich auch ansprechen und euch mal vergewissern wie meine Hobby so von statten geht.

Bis dahin erst mal

Nimm dir Zeit und nicht das Leben!!!!!!

Gruß Nico G.

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