Milchproduktion
Bauern profitieren erneut vom Export
Donnerstag, 2. Februar 2012 17:13
Reitbrook. Die Milchbauern können zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken. Die Preise stiegen um mehr als 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hintergrund sind auch die gestiegenen Exportzahlen. Auch für 2012 sehen die Prognosen gut aus.

Foto: Heyen
Sie sorgen für Exportwaren: 316.882 Milchkühe stehen in Schleswig-Holstein.
Die Milchbauern Wilhelm Lüdtke, Jochen Quast und Matthias Steffens blicken zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. „Der Milchpreis ist im Vergleich zu 2010 um 4,5 Cent gestiegen“, sagt Steffens. „Das sind mehr als zehn Prozent. Im Durchschnitt erhielten wir für das Kilogramm Milch knapp 35 Cent.“ Damit sei auch das Preisgefälle in den Bundesländern nur noch gering.
Den positiven Trend bestätigte auch Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin: „Ein gestiegener Milchpreis und ein guter Absatz unserer Milch und Milchprodukte im In- und Ausland im Jahr 2011 haben unsere Erwartungen übertroffen.“ Auch für dieses Jahr gehen laut Sonnleitner nationale und internationale Experten von freundlichen und weitestgehend stabilen Marktverhältnissen aus – „sofern es keine Lebensmittel-, Wirtschafts- und Finanzkrisen gibt“.
Der Landeskontrollverband Schleswig-Holstein, zu dem auch der Kreiskontrollverein Hamburg gehört, zählte im vergangenen Jahr 3668 Betriebe mit 316.882 Milchkühen. Eine gesunde, leistungsstarke Milchkuh liefert im Durchschnitt 8500 Kilogramm Milch im Jahr, einige erreichen sogar Spitzenmengen von mehr als 14.000 Kilogramm. Allein 47 Prozent der deutschen Milch wird zu Käse verarbeitet. Zusammen mit Butter und Sahne geht ein Gros davon ins Ausland. Die Bauern aus den Vier- und Marschlanden sehen im Export eine wichtige Stütze des Milchmarktes. „Vor allem außerhalb der EU ist die Nachfrage sehr stark“, sagt Lüdtke, „etwa in Nordafrika und Russland.“
Hinzu komme, dass sich immer mehr Menschen in den Schwellenländern an westlichen Ess- und Lebensgewohnheiten orientieren. „Die Menschen wollen nicht nur satt werden, sondern sich auch etwas gönnen“, sagt Quast. Der Milchbauer aus Curslack und seine Berufskollegen aus Neuengamme und Reitbrook sind sich sicher, dass vor diesem und dem Hintergrund einer kontinuierlich wachsenden Weltbevölkerung die Nachfrage nach Milch stärker steigen wird als die Produktion.
Trotz höheren Milchpreises und guten Absatzes – einen Wermutstropfen gibt es dennoch: die gestiegenen Kosten für Betriebsmittel wie Strom, Diesel, Düngemittel und Kraftfutter. „So bleibt wieder kaum Spielraum, in guten Zeiten für die schlechten Zeiten vorzusorgen“, sagt Steffens. Zudem werde es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden, „die aber dringend gebraucht werden“, sagt Lüdtke. Auch die Hof-Nachfolge sei in allen drei Betrieben ein wichtiges Thema, das bislang noch nicht eindeutig geklärt sei. Die Mitglieder des Milchkontrollvereins Hamburg treffen sich heute um 10 Uhr zur Hauptversammlung im Fährhaus Tatenberg am Tatenberger Deich 162. Auf der Tagesordnung stehen Wahlen, Berichte, Auszeichnungen und ein Referat zum Thema „Wirtschaftlichkeit in der Milchproduktion“, das Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hält.wi
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