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Fällaktion durch die Polizei gestoppt

Kirchwerder. Es ist eine Aneinanderreihung von Merkwürdigkeiten: Das Bezirksamt will einen Baum fällen lassen, und lässt dafür ohne Ankündigung einen Zaun einreißen und eine Schaukel abmontieren. Ohne zu prüfen, auf wessen Boden der Baum steht.
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Baum
Foto: Heyen
Kirsten Matthies hinter dem gestapelten Holz. Im Hintergrund steht die halb gefällte Weide. Eine Birke wurde komplett abgeholzt.
Kirsten Matthies staunt nicht schlecht, als sie aus dem Fenster ihres Wohnzimmers am Kirchwerder Elbdeich 177 c schaut: Arbeiter sind gerade dabei, eine knapp 20 Meter große Weide zu zerlegen – „in meinem Garten“, sagt die 47-Jährige. Eine zehn Meter hohe Birke hatten sie bereits gefällt und geschreddert. Der Zaun war aus dem Boden gerissen worden. „Mit mir hatte niemand etwas abgesprochen“, sagt die dreifache Mutter. Sie rief die Polizei.
Die Weide war „der größte Baum weit und breit“, sagt Kirsten Matthies. Die Schaukel, die an einem großen Ast befestigt war, wurde in ihren Einzelteilen auf den Boden geworfen. Matthies’ älterer Tochter standen bei dem Anblick die Tränen in den Augen.
Mit den Arbeitern habe die Mutter verabredet, erst einmal die Zulässigkeit der Fällaktion zu klären. Bis dahin sollte nichts passieren, sagt die Krankenschwester. „Außerdem hatte ich mit einem zuständigen Mitarbeiter im Bezirksamt telefoniert. Der versprach mir ebenfalls, dass die Arbeiten vorerst ausgesetzt werden.“
Umso erstaunter war Matthies am Montag, als sie vormittags bei der Arbeit in der Uniklinik Eppendorf von ihrer Tochter Carlotta angerufen wurde. Die Elfjährige berichtete ihrer Mutter, dass erneut an dem alten Baum gesägt werde. „Daraufhin habe ich meine Arbeit vorzeitig beendet und bin schnell nach Hause gefahren“, sagt sie. Zuvor habe sie wieder die Polizei alarmiert. Der Dorfsheriff stoppte die Arbeiten erneut. Matthies: „Diesmal waren es andere Arbeiter derselben Firma. Die haben wohl weder von ihren Kollegen noch vom Bezirksamt eine Mitteilung bekommen.“
Besonders schräg fand Kirsten Matthies, dass am zweiten Tag der Fällaktion, als die Garten- und Landschaftsbauer wieder weg waren, eine Frau das säuberlich auf dem Deich gestapelte Holz in ihren Pkw-Anhänger lud. Von der 47-Jährigen daraufhin angesprochen, berichtete sie, dass sie das Holz von den Arbeitern gekauft habe. „Wenn mein Baum schon zwangsgefällt wird, hätte ich wenigstens selbst gern das Holz zum Heizen behalten“, sagt Matthies.
Sie will nun Experten zu Rat ziehen: „Im Bezirksamt wird schließlich davon ausgegangen, dass der Baum gar nicht auf meinem Grundstück steht. Das sehe ich anders und werde es genau nachprüfen“, sagt die 47-Jährige. Sie habe das Grundstück vor zwölf Jahren in dem Glauben gekauft, es reiche bis zum Zaun, also inklusive der Weide.
Inzwischen liegen Matthies zwei verschiedene Katasterpläne vor. Einen hat sie vom Vorbesitzer ihres Grundstücks erhalten, den anderen von Andreas Pohl, im Bezirksamt zuständig für Gewässer- und Deichunterhaltung. „In meinem Plan ist das Grundstück sechseinhalb Meter länger als in dem anderen“, sagt Matthies.
Die Weide muss weg, weil sie die Deichsicherheit gefährdet, sagt Pohl, der sich sicher ist, dass der Baum auf städtischem Boden steht – mitten im zehn Meter breiten Deichschutzstreifen. Durch den Schattenwurf leide die Grasnarbe des Schutzwalls. Deshalb werden – nach den Vorgaben der Deichordnung – auf den städtischen Flächen entlang der gesamten Deichlinie möglichst alle Bäume, Hecken und Sträucher gerodet.
Doch selbst wenn der Baum nicht auf ihrem Grund und Boden stehen sollte, wundert sich Kirsten Matthies über das Vorgehen des Bezirksamtes: „Ich wurde nicht informiert. Die haben einfach den Zaun niedergerissen und losgesägt.“ Dies sei „dumm gelaufen“, sagt Pohl und fügt hinzu: „Wir haben es versäumt, Frau Matthies über die geplante Maßnahme zu informieren.“ Bei den Nachbarn sei dies geschehen. Andererseits, betont Pohl, „sind wir dazu nicht verpflichtet“. In jedem Fall soll die Grundstücksgrenze vom Vermessungsamt nun genau abgesteckt werden.
9 Kommentare
Günni Koopi meint:
Oh, Oh, Oh Kacktusfeige!! Sie haben zwar Recht wenn Sie sagen, dass Her Pohl die WAHREN Gesetze der Physik kennt.
Sie haben Recht wenn Sie sagen, dass der Schatten der besagten Weide niemals auf den Deich fällt. Sie haben Recht wenn Sie ironisch sagen, dass Sie keine Ahnung von Nord und Süd haben. Aber von Ost und West und wo die Sonne aufgeht und wo sie untergeht haben Sie beim besten Willen, mit und ohne Ironie, ganz sicher keine Ahnung!! Was glauben Sie wohl warum Japan als Land der aufgehenden Sonne bezeichnet wird? Frage: Arbeiten Sie auf irgendeiner Behörde?
Kacktusfeige meint:
Was man wohl nochmal anfügen sollte, ist das die Weide nördlich des Deiches steht. Wenn wir uns nun nochmal erinnern was wir in der Grundschule gelernt haben (oder durch Kinderlieder, wissen wir ja das die sonne im Westen aufgeht und wo nimmt sie ihren Lauf? Im osten will sie untergehen und (das weiß anscheinend nicht jeder) ist im Norden nie zusehen.
Das heißt jawohl das der Schatten NIEMALS auf den Deich fällt. Aber Herr Pohl kennt die WAHREN Gesetzte der Physik und ich (sowie scheinbar viele Millionen andere) habe keine Ahnung von Nord und Süd.

Hanni
Grabenanlieger meint:
Tja, typisch diese Vergesslichkeit der Behörde. Vor 3 Jahren kam ich einen tag vor Urlaubsantritt von der Arbeit nach Hause, wo ich eine Gruppe von Arbeitern auf unserem Grundstück beim Einschlagen von Pfählen und Vorbereitungsarbeiten für das Ausbaggern und Verbreitern des Entwässerungsgrabens vorfand. Auf mein nachfragen erhielt ich die Antwort, dass die Eigentümer über die Arbeiten informiert seien- ich staunte nicht schlecht.
Dummerweise hatte man vergessen, dass so ein Graben 2 Seiten hat, demzufolge auch 2 Grundstückseigentümer.
Wer weiss, was wir vorgefunden hätten, wenn wir ein paar tage früher in den Urlaub gefahren wären...?

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