Virusverdacht
Fehlgeburten machen Schäfer nervös
Freitag, 27. Januar 2012 08:15
- Von Thomas Heyen
Neuengamme. Das sogenannte Schmallenberg-Virus, das bei Schafen, Rindern und Ziegen zu Fehl- und Missgeburten führt, breitet sich im Norden weiter aus. In Hamburg gibt es bisher vier Verdachtsfälle, einer aus Bergedorf. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind bereits 29 Fälle bekannt.
Volker Derbisz, Deichschäfer in den Vier- und Marschlanden, hat in seinen Herden bisher keine Anzeichen für das Virus entdeckt. Auch die rund 50 Lämmer, die in diesen Tagen geboren wurden, seien gesund. Bis zum Mai rechnet der Schäfer mit mehreren Hundert weiteren Geburten. In schwierigen Fällen, wenn das ungeborene Lamm falsch liegt, leistet er Geburtshilfe. „Falls es sehr kompliziert wird, ist allerdings ein Tierarzt dabei“, sagt Derbisz. „Natürlich gibt es mal eine Fehl- oder Missgeburt, aber das hat nicht automatisch mit dem Virus zu tun.“ Seine Schafe würden regelmäßig auf Krankheiten kontrolliert.
Die Familie Kretschmer, die am Achterschlag Schafe züchtet, freut sich über bisher sechs „Neuzugänge“. Sie seien alle gesund, versichern die Züchter.

Foto: Heyen
Die Untersuchungsergebisse für die Hamburger Verdachtsfälle werden erst in der nächsten Woche vorliegen.
Drei Untersuchungsergebnisse werden allerdings erst in der kommenden Woche vorliegen, sagt Sinje Köpke, Sprecherin des Instituts für Hygiene und Umwelt in Hamburg. Ein Verdacht hat sich nicht bestätigt. Im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems, werden außerdem Blutproben von Rindern untersucht, die deutschlandweit stichprobenartig entnommen wurden.
Die Experten des FLI sprechen von „einer ernsten Bedrohung für die Tiergesundheit in Europa“. Der Krankheitserreger – benannt nach dem sauerländischen Schmallenberg, in dem er 2011 erstmals festgestellt wurde – wird durch Stechmücken übertragen. In Deutschland gibt es mehr als 70 Schaf- und Ziegenbestände, in denen das Virus nachgewiesen wurde. Am Mittwoch wurden erste Fälle aus Großbritannien gemeldet. Derzeit wird geprüft, ob sich das Virus tatsächlich nicht auf Menschen überträgt. An einem Impfstoff gegen die Seuche wird gearbeitet. Er soll in 18 Monaten fertig sein.
Bergedorfer Zeitung Online
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