Entwässerung
Landwirten schwimmt die Saat weg
Montag, 23. Januar 2012 18:39
- Von Wiebke Schwirten
Curslack. Die starken Niederschläge im Januar haben immer wieder Überschwemmungen zur Folge, wie zuletzt am Curslacker Heerweg. Jetzt kümmert sich der Bezirk verstärkt um Überflutungsschutz und setzt dafür 85.000 Euro ein. Doch ein Vielfaches wäre nötig.
Gräben laufen über, Keller stehen voller Wasser, auf den Feldern macht sich
eine „Vierländer Seenplatte“ breit. Erst am Wochenende
rückte die FF Curslack zum wiederholten Mal an den Curslacker Heerweg aus,
pumpte das Wasser aus dem überquellenden Straßengraben in den Graben auf der
anderen Straßenseite. Eine Sisyphusarbeit. Genau wie das Leerpumpen von
Kellern, womit Anwohner schon seit Dezember immer wieder beschäftigt sind.
Denn seither regnet es mehr als genug.
Die Landwirte sehen ihre Getreidesaat wegschwimmen, das gute Gras auf dem
Grünland verderben. „Man muss sich Gedanken machen, was man eigentlich
will“, sagt Landwirt Martin Lüdeke. Das sei eine gesellschaftliche Frage:
„Wollen wir hier weiter leben, bauen und Landwirtschaft betreiben, oder
wollen wir ein Naturgebiet mit Elbauen?“
Die Gründe für die Entwässerungsprobleme sind vielfältig und seit Jahren
bekannt. Nach dem Hochwasserschock Anfang Januar tut sich ein bisschen was.
So kümmert sich der Bezirk beispielsweise um den Straßengraben am Curslacker
Heerweg, baggert Grabenabschnitte aus, durchspült verstopfte Rohe unter den
Grabenüberführungen. Doch die 85.000 Euro, vorfinanziert aus einem Topf für
2013, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Ein Vielfaches wäre
notwendig“, sagt Joachim Bruschke vom Fachamt Management des öffentlichen
Raums. Aus der Sicht von Uwe Wehling von der Wasserwirtschaft klappt die
Entwässerung über Dove-Elbe und Tatenberger Schleuse derzeit gut. Ganz
anders sehen das die Landwirte, deren Felder regelrecht ertrinken. „Das
Wasser kann nicht in die Dove-Elbe, weil die selbst noch so viel Wasser
führt“, sagt Landwirt Nils Ohlrogge vom Achterschlag. Auch Kollege Lüdeke
hält ein Absenken des Wasserspiegels für dringend geboten. Doch Wehling
sagt: „Das bringt nichts.“ Tatsächlich hapert es streckenweise schon an den
Ablaufgräben, die teilweise zugewachsen oder zugeschüttet sind. Da nützt es
nichts, wenn Sielgräben bei der A 25 tipptopp in Ordnung sind, wenn sie
Richtung Curslacker Deich ansteigen, dort gestaut werden oder den Deich
wegen verstopfter Rohre nicht passieren können. Ein funktionierendes Ent-
und Bewässerungssystem würde Abhilfe schaffen. Die Gründung eines
entsprechenden Verbandes scheiterte allerdings an der Ablehnung in der
Bevölkerung.
Aus ihr wird aber häufig der Ruf nach dem Wasserwerk und seiner Verantwortung
laut. Der Vorwurf: Das Wasserwerk Curslack fördere nicht die Maximalmenge
von 80.000 Kubikmetern täglich, sondern saisonal sogar nur 30.000
Kubikmeter. Dadurch sei der Grundwasserspiegel extrem hoch, könne der
Marschboden nur noch geringe Niederschlagsmengen aufnehmen. Tatsächlich
liegt der Wasserspiegel derzeit nur etwa einen halben Meter unter der
Geländeoberfläche, wie die Ergebnisse einer Messstation am Curslacker
Heerweg belegen. Das Curslacker Wasserwerk fördert derzeit täglich 50.000
Kubikmeter Wasser, so die Auskunft von Sprecher Ole Braukmann. Der Grund: Es
darf nur so viel gefördert werden, wie für die Wasserversorgung notwendig
ist. „Eine darüber hinausgehende Grundwasserentnahme zum Zwecke der
Entwässerung ist uns wasserrechtlich nicht gestattet“, so Braukmann. Dabei
seien die gut 200 Flachbrunnen ständig in Betrieb, um das
Versickerungspotenzial so hoch wie möglich zu halten.



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