Eignungsgebiet

Schreber in Sorge: Windpark bedroht ihr Idyll

Foto: BGZ/Wiebke Schwirten

Curslack. Die Kleingärtner an der A25 fürchten die 180 Meter hohen Windräder des geplanten Energiecampus. Denn ihre als „Grabeland“ gepachteten Parzellen haben nicht den Status eines normalen Kleingartenvereins.

Es ist wie im Paradies: duftende Blumen, alte Obstbäume, herrliche Erlen, ein kleiner Teich, in dem Goldfische schwimmen, und ein kleines Schreberhäuschen. Antje und Ernst Hahn hegen und pflegen ihren Kleingarten seit fast 40 Jahren. Doch jetzt scheint das Idyll in Gefahr.

Denn der Garten liegt, wie vier weitere, auf dem Flurstück 4707 zwischen der Autobahn 25 und dem Wirtschaftsweg zum Wasserwerk. Schon seit 1935 werden sie als „Grabeland“ von privaten Pächtern „beackert“. Doch in diesem Bereich soll nun auch der neue Windpark für den Energiecampus seinen Platz finden, soll nach der Änderung des Flächennutzungsplans ein Eignungsgebiet für Windkrafträder sein. Fünf 180 Meter hohe Windräder sind geplant.

Kleingärtner: „Abstände müssen auch für uns gelten“

Die Existenz der Gärten ist im Bezirk bekannt. So führt der Weg zwischen Curslacker Neuer Deich und Pollhof auch zu ihnen, wurde eine Schranke gegen durchfahrende Autos ausdrücklich erst hinter der Zuwegung zu den Kleingärten gesetzt. So dürfen die Kleingärtner mit dem Auto zu ihren Parzellen fahren.

„Wir hatten schon 2010 erfahren, dass in direkter Nachbarschaft in nur etwa 120 Metern Entfernung drei Windräder aufgebaut werden sollen“, sagt Ernst Hahn. Zwar seien er und seine Frau Antje ebenso wie die anderen Pächter nicht begeistert gewesen, doch sie hätten Verständnis gehabt. Nun aber sehe es so aus, als ob die Windräder bis auf wenige Meter an ihre Kleingärten heranrücken sollen: „Müssen denn bei uns die Abstände von 300 Metern nicht eingehalten werden? Hat man uns bei der Planung womöglich übersehen?“, fragt der 69-Jährige aus Lohbrügge besorgt.

Eignungsgebiete erlauben nicht allzu viele Varianten

Zwar steht bisher noch gar nicht fest, wo genau die Windräder stehen sollen, ist der F-Plan noch nicht geändert und gibt es auch noch keinerlei Bauanträge. Die Furcht der Kleingärtner nährt sich aber aus den Übersichtsplänen zu den Eignungsgebieten, auf denen Windräder symbolisch eingezeichnet sind. Zwar wird ausdrücklich vermerkt, dass dies nicht die gültigen Standorten sein müssen. Doch allzu viele Varianten gibt es auf der begrenzten Eignungsfläche nicht, wenn fünf 180-Meter-Windräder untereinander einen Abstand des eineinhalb bis zweifachen ihrer Höhe haben sollen.

Bisher ist das Gebiet mit den Kleingärten als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Tatsächlich haben die Kleingärtner ihre bis zu 1000 Quadratmeter großen Gärten von einem Landwirt als Grabeland privat gepachtet.

Verpächter macht keine Aussagen über Zukunft der Gärten

Der Verpächter hält sich mit konkreten Aussagen zur Zukunft der Parzellen zurück, will zunächst abwarten, was der Bürgerentscheid und die weiteren Verhandlungen konkret ergeben. Bei den Behörden hat das Grabeland nicht den Status eines Kleingartenvereins, zu dem Abstände einzuhalten sind.

Ernst Hahn und seine Frau Antje haben unbeschreiblich viel Herzblut in ihren Garten vergossen. Ein Leben ohne den Garten ist für sie kaum vorstellbar. Nun hoffen sie und die anderen Pächter inständig, dass es für sie eine Lösung geben wird, auch wenn die Energieriesen in die Nachbarschaft ziehen.