Renaturierung Schwerstarbeit zur Rettung des Eichbaumsees

Foto: Andrea Madadi

Allermöhe. Am Eichbaumsee haben umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen der Uferbereiche begonnen. Ein dutzend Helfer verlegten am Wochenende Kokosmatten mit Schilfbewuchs.

Immer zu zweit schleppen sie schwere, durchtränkte Schilfmatten vom Lkw an den Oststrand des Eichbaumsees. „Wir wollen mit intensiver Uferrandbepflanzung Teile des Strandes renaturieren und damit die Ökologie des Sees verbessern“, sagt Robert Jankowski, Biologe für Fischerei- und Hydrobiologie. Seit mehr als 20 Jahren versuchen Behörden, Gewässerschutz-Unternehmen und der Angelsport-Verband (ASV) Hamburg, den starken Blaualgenwuchs in den Griff zu bekommen.

Uferpufferzonen sollen ökologisches Gleichgewicht fördern

Jetzt werden in mehreren Schritten große Uferpufferzonen mit Schilf, Röhricht, Binsen und Sumpfpflanzen wie Iris, Rohrkolben und Blutweiderich geschaffen. In zaungeschützen Flachwasserbereichen, in denen das Baden künftig verboten ist, soll sich der Ufer- und Unterwasser-Pflanzenwuchs wieder erholen. „Sie sind Nahrungskonkurrenten der Blaualgen und sorgen für eine gute Wasserqualität“, sagt Jankowski. Damit wird auch der Phosphorgehalt des Sees weiter sinken.

Der Referent für Natur und Umwelt im ASV hatte in seinem Verband kräftig die Werbetrommel für die Pflanzaktion gerührt. „Ursprünglich haben wir mit 100 Helfern gerechnet – aber da hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt er mit Blick auf das Duzend Helfer. Das Problem war die Kälte bis in den Mai hinein, bei der die Kokosmatten mit Schilf, Röhricht und Sumpfpflanzen nicht schnell genug wachsen konnten. So mussten die Organisatoren den Termin von Ende April um zwei Monate verschieben – genau in die Ferienzeit.

Ein Dutzend Helfer verlegt 50 Kokosmatten

Jede der 50 Kokosmatten – allein 19 mit Schilf für den Oststrand – ist fünf Meter lang und einen Meter breit. Uwe Wehling, Chef der Bergedorfer Wasserwirtschaft, die das Projekt finanziert, und Dr. Jürgen Spieker, Inhaber der KLS-Gewässerschutz, packen die zusammengerollte Matte und schleppen sie in den flachen Uferbereich. Hier nutzen sie den vorhandenen Unterwasserwall, eine sogenannte „Berme“ aus früherer Bepflanzung, um die Matten zu platzieren. „Ihr müsst die ausgerollten Matten kräftig nachziehen, sonst gehen zu viele Meter verloren“, sagt Klaus Vasel, Leiter der gärtnerischen Betriebe bei der Firma Ökon Vegetationstechnik, die die Matten hergestellt hat.

Anschließend greifen Robert Jankowski, Nikolai Schmuck und Jonas Collatz zum Hammer und fixieren die Schilfmatten mit kurzen Pflöcken. „Ich habe jetzt Ferien und Zeit zu helfen“, sagt der Schüler Collatz. Die Ursache des Blaualgenproblems im Eichbaumsee sieht Dr. Jürgen Spieker in mehreren Komponenten. „Schon bei seiner Entstehung hatte der See schlechte Ausgangsbedingungen“, sagt der Biologe und Limnologe. Statt mit Grundwasser, wie bei Baggerseen üblich, wurde der Eichbaumsee mit dem zu der Zeit noch sehr schmutzigen Wasser der Dove-Elbe gefüllt. Auch das Verhalten der Badegäste, Griller und Hundebesitzer habe den See über Jahre hinweg massiv geschädigt. „Unglaublich, welchen Müll wir hier rausgefischt haben“, bestätigt Jankowski kopfschüttelnd.

Hunde werden zunehmend zu Feinden des Sees

Heute wird „Dogwalking“, das professionelle Gassi-Gehen mit vielen Hunden, zunehmend zum Problem. „Täglich toben hier mehr als 150 Hunde und zerstören die empfindliche Ufervegetation“, sagt Hydrobiologin Inga Eydeler von KLS-Gewässerschutz, die den See im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umweltschutz betreut und das Bepflanzungskonzept erarbeitet hat.

Demnächst werden Röhricht-Ballen, sogenannte „Bulte“, rund um den Eichbaumsee eingesetzt, um die zerrissene Ufervegetation auszugleichen. „Stabile, 1,25 hohe Holzpflöcke sollen verhindern, dass die Hunde an diesen Stellen ins Wasser gehen“, sagt Klaus Vasel von Ökon. Ihr Platz sei ohnehin am Hundestrand an der Dove-Elbe.

Ökologen brauchen die Mithilfe der Seebesucher

Die gerade neu bepflanzten Uferabschnitte im Osten und Norden werden in etwa zwei Wochen mit Weidenpflanzungen und Zäunen geschützt. Mit Info-Tafeln an den Absperrungen und rund um den See will das Bezirksamt das ökologische System erklären und bei allen Besuchern für ein umweltschonendes Verhalten werben. „Ohne die Mithilfe der Seebesucher wird das empfindliche Ökosystem nicht zur Ruhe kommen“, sagt Robert Jankowski.