Pilotprojekt. Erster „Spaten“-Stich: Aus Windstrom wird Gas

Foto: Thomas Heyen

Reitbrook. Am Rande des Erdgasspeichers am Allermöher Deich soll Windstrom im Gasnetz gespeichert werden. Als Speicherelement dient Wasserstoff der in das bestehende Gasnetz eingespeist und so Hunderte Kilometer weit transportiert werden kann. Die 13,5 Millionen Euro teure Anlage soll im Herbst 2014 in Betrieb gehen.

Am unterirdischen Erdgasspeicher in Reitbrook hat gestern der Bau einer hochmodernen Anlage zur Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser unter Zuführung von Strom aus Windenergie begonnen. „Power to gas“ heißt das 13,5 Millionen Euro teure Pilotprojekt. Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz machte gestern mit einem Mini-Bagger den ersten „Spatenstich“.

Der Windstrom aus dem Norden muss nach Süden

Kernstück der Anlage, die in den nächsten eineinhalb Jahren entstehen soll, ist ein sogenannter Ein-Megawatt-Elektrolysestack. Darin wird Strom eingespeist, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. Der gewonnene Wasserstoff wird bis zu einem Anteil von fünf Prozent gemeinsam mit Erdgas in das bestehende Netz von E.on gespeist. Mit Ökostrom aus dem Norden produzierter Wasserstoff könnte so durch das bundesweit 370.000 Kilometer lange Gasnetz verteilt werden, etwa bis nach Frankfurt oder Stuttgart fließen, dort in Kraftwerken wieder zur Produktion von Strom genutzt werden.

Denn: Die regenerativ erzeugte Energie muss aus dem Norden in den Süden fließen können, und für Zeiten ohne ausreichend Wind und Sonne braucht Deutschland zunehmend Energiespeicher. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, 80 Prozent seines Energiebedarfs bis 2050 regenerativ zu bestreiten. Doch bislang verpufft viel zu viel Strom ungenutzt. Nördlich der Elbe werde erneuerbare Energie von rund 15.000 Megawatt erzeugt. „Bislang kann aber nur ein Drittel in dieser Region auch verbraucht werden“, sagt E.on-Vorstandschef Matthias Boxberger.

Schlüsselenergie für die Hamburger Energiewende

„Power to gas“ wird – in einer anderen technischen Variante – parallel in Falkenhagen in Ostdeutschland getestet. In Reitbrook soll der erste Strom versuchsweise schon im nächsten Sommer umgewandelt werden, berichtet Thomas Brauer, Leiter der „Power to gas“-Anlage am Allermöher Deich 449. Die Investitionskosten teilen sich E.on und die Bundesrepublik.

Der Bürgermeister besichtigte gestern das Innovationszentrum am Rande des Gasspeichers, auf dessen Gelände „die modernste Anlage ihrer Art“ (Scholz) nun entsteht. „Power to gas kann die Schlüsselenergie für die Hamburger Energiewende werden“, sagte Scholz. Enak Ferlemann, Staatssekretär im Verkehrsministerium, hob die Bedeutung von Windenergie hervor: „Ohne sie werden wir nicht vom Öl loskommen.“