Brutstation Bei Claussens brüten Storcheneier

Foto: BGZ/Wiebke Schwirten

Ochsenwerder. Die Störche hinter der Tischlerei am Ochsenwerder Landscheideweg sind verschwunden. Doch das Gelege will Leena Claussen retten: mit einer Brutstation in der Tischlerei.

Leena Claussen war selig, als sich auf dem Horst hinter der Tischlerei am Ochsenwerder Landscheidweg zwei Störche häuslich einrichteten und Ende Mai sogar brüteten. „Ich finde Störche total faszinierend“, sagt die 54-Jährige – es ist der Wuchs, ihre Art, sich zu bewegen, ihre Ankunft als Zeichen, dass es wärmer wird, einfach alles zusammen. „Es war so spannend, zu beobachten, wie sie brüten“, sagt Leena Claussen. Es war.

Nabu und Feuerwehr Billstedt haben das Gelege geborgen

Seit einigen Tagen ist das Nest leer. Einer der Störche ist möglicherweise verendet, der andere nun ebenfalls verschwunden. „Da wollten wir wenigstens die Eier retten“, sagt Leena Claussen. Zunächst wurde das Gelege mit Hilfe von Jürgen Pelch, Storchenberater beim Nabu, und der Feuerwehr Billstedt aus dem Horst geborgen. Leena und Heino Claussen nutzten Nachbarschaftskontakte und besorgten eine Brutmaschine. Eine Brutstation in einer Tischlerei – das dürfte einmalig sein.

„Hoffentlich gelingt es“, sagt die 54-Jährige und schaut durch eine kleine Plastikscheibe auf zwei Digitalanzeigen, die neben den drei Eiern in dem aufklappbaren, weißen Styropor-Kasten zu sehen sind. Sie geben beide 38 Grad Celsius an, die tatsächliche und die gewünschte Temperatur. So hat die rote Alarmleuchte Pause, die Über- oder Untertemperatur signalisiert. Der Kasten ist etwa so groß wie eine Getränkekiste, aber mit etwa 20 Zentimetern Höhe sehr viel flacher. Vorn gibt es einen Drehknopf zum Einstellen der Temperatur. Die Wärme gelangt über ein zartes Heizgestänge im Deckel des Kastens auf die darunter liegenden Eier. Sie sind kaum größer als Hühnereier und ruhen auf zehn Rollstäben, darunter ist Wasser. Es verdunstet nach und nach. Einmal am Tag wird aufgefüllt.

Sechsmal am Tag werden die Eier gedreht

„Die Schale der Eier darf nicht zu trocken werden, aber auch nicht zu feucht“, erklärt Leena Claussen. Sechsmal am Tag dreht sie die Eier auf den Rollstäben. Damit ersetzt sie Storchenmamas Schnabel, der das Gelege ebenfalls regelmäßig drehen würde. Schließlich beschäftigt sie auch die sensible Alarmleuchte. Denn der Kasten muss immer mal kurz gelüftet werden, insgesamt etwa 30 Minuten am Tag. Im Nest stehen die brütenden Storcheneltern auch hin und wieder auf, lassen Luft ans Gelege.

Ganz behutsam beugt sich Leena Claussen über die Eier und lauscht. „Einige Tage vor dem Schlüpfen kann man die Störche schon hören“, sagt sie. In der kommenden Woche könnte es soweit sein. Nun heißt es: Daumen drücken und Rotlicht zum Wärmen der Neugeborenen bereithalten.