Treppenlauf
Das Adrenalin treibt sie hoch
Freitag, 20. August 2010 20:58
- Von Volker Gast
Bergedorf. Es schien ein unfaires Duell zu sein. Hier ein Footballspieler der Hamburg Blue Devils, riesengroß, mit langen Beinen, austrainiert, über und über mit Muskeln bepackt, dort Liliana Böttger, genannt Lili, zierlich, grazil, eine Ballett-Tänzerin.

Foto: Benne Ochs
Allein im Labyrinth der Stockwerke unterwegs: Die Bergedorferin Lili Böttger hat schon dreimal den alljährlichen Hamburger „Treppenstürmer“-Wettbewerb gewonnen.
Wessen Kraft würde wohl weiter reichen beim Wettlauf zwölf Stockwerke ein Hochhaus hinauf? Um es kurz zu machen: Der Footballspieler hatte keine Chance!
Wie macht sie das nur? „Das Adrenalin und der Wunsch zu gewinnen treiben mich hoch“, betont Böttger, „ich bin halt ein Wettkampf-Typ.“ Bereits dreimal hat die 18-Jährige den Treppenstürmer-Wettbewerb des Wohnungsbau-Unternehmens SAGA GWG gewonnen, der jedes Jahr in einem anderen Hamburger Hochaus ausgetragen wird. Zuletzt bei ihrem Sieg 2009 in Bahrenfeld erklomm die Abiturientin des Gymnasiums Lohbrügge 15 Stockwerke in 1:07 Minuten und war damit ganz klar die schnellste Frau. „Ich trainiere nie für diese Wettbewerbe“, verrät Böttger. Dem 51-Kilo-Leichtgewicht („Das liegt bei mir in der Natur“) kommt ihre Erfahrung als Ballerina bei der TSG Bergedorf zugute. „Ich tanze Ballett bereits, seitdem ich vier Jahre alt bin“, erklärt sie, „beim Treppenlauf kommt es sehr stark auf das Gleichgewichtsgefühl an. Daher sind Ballerinen gute Treppenstürmer.“

Foto: Benne Ochs
In dieser Szene wird die ganze Dynamik des Treppenlaufs erkennbar.
Zu dem ungewöhnlichen Hobby Treppenlaufen kam Lili Böttger durch ihre zwei Jahre ältere Schwester Laura, die den Treppenstürmer-Wettbewerb 2005 gewonnen hatte. „Sie hat mich dann 2006 einfach mal mitgenommen, und ich habe sie gleich geschlagen und das Rennen gewonnen“, erinnert sich Lili Böttger, „Laura war aber nicht böse deswegen.“
Ehrgeizig ist sie halt, die Musterschülerin (Abi-Note 1,5), die nun ein Betriebswirtschaftslehre-Studium anfangen und parallel dazu Erfahrungen bei einem Chemie-Unternehmen sammeln will. Wahrscheinlich hätte Lili Böttger auch das Zeug zu einer professionellen Ballett-Tänzerin gehabt, doch den Zeitpunkt, sich bei John Neumeier an der Hamburgischen Staatsoper vorzustellen, „den habe ich irgendwie verpasst“. Dafür hat sie in der TSG Verantwortung übernommen und gibt ihr Wissen als Ballett-Trainerin an den Nachwuchs weiter.
Ein ganz bodenständiger Lebensweg also. Abgehoben ist die 18-Jährige ganz gewiss nicht, aber zu Höhenflügen setzt sie immer dann an, wenn es mal wieder ein Hochhaus zu erklimmen gilt.
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