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Auf die harte Tour

Geesthacht. Irritierte Blicke des einen oder anderen Fitness-Jüngers erntet Katharina Holert schon, wenn sie im Kraftraum ihr Programm abspult. In der so genannten „Beinpresse“ etwa schiebt sie mühelos 120 Kilogramm mit den Füßen von sich weg. „Sie könnte sicher sogar 200 Kilo bewegen“, schätzt ihr Trainer Mirko Schütte, „aber es kommt uns bei solchen Einheiten eher auf viele, ruhige Wiederholungen an.“
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Katharina Holert(17) ist eine gute Allrounderin, kommt auf verschiedenen Bodenbelägen problemlos zurecht.
Foto: Thomas Rokos
Katharina Holert(17) ist eine gute Allrounderin, kommt auf verschiedenen Bodenbelägen problemlos zurecht.
Kraft und Kondition sind wesentliche Erfolgsfaktoren im Tennis, daher spielt sich das Training von Neu-Profi Holert nicht nur auf dem Tennisplatz ab, sondern wird regelmäßig durch Lauf- und Fitness-Einheiten unterbrochen. Hier kann Trainer Schütte glänzen – er ist topfit und reißt gerne mal 20 Kilometer am Stück ab, belässt es für seinen Schützling aber bei Vier- bis Acht-Kilometer-Strecken.
Geht es jedoch darum, einen Tennisschläger in die Hand zu nehmen, ändert sich plötzlich das Bild. „Langsam bin ich wirklich nicht mehr schnell genug für sie, schließlich bin ich schon 40“, stöhnt Schütte, während ihm die Bälle um die Ohren fliegen. Für Vater und Organisator Thomas Holert ist es daher eine der schwierigsten und wichtigsten Aufgaben, geeignete Trainingspartner für seine begabte Tochter zu finden. „Mit Frauen zu trainieren, hat für sie gar keinen Sinn mehr“, stellt er ernüchtert fest. „Zum Glück haben wir einen sehr guten Nachwuchsspieler für solche Dinge.“
Seitdem Katharina Holert vor einem Jahr die Schule nach der Mittleren Reife verlassen hat, um sich ganz dem Tennis zu widmen, war für sie und ihren Anhang vor allem eines gefragt: Geduld. Denn zunächst setzte sie im vergangenen Sommer eine hartnäckige Zerrung wochenlang außer Gefecht. Kaum war die Geesthachterin wieder richtig fit, da folgte der nächste Rückschlag. Im März knickte sie im Training bei einem Schmetterball um und musste mit einem Bänderriss erneut wochenlang pausieren. Eine Bandage am rechten Knöchel erinnert noch daran. „Die ist aber mehr für den Kopf“, schmunzelt ihr Vater.
„Anfangs ist es mir schwer gefallen, meine Freunde weiter zur Schule gehen zu sehen“, erinnert sich Katharina Holert, „als ich dann verletzt war, war es besonders deprimierend, denn ich hatte ja nichts mehr.“ Das hat sich in den vergangenen Wochen gründlich geändert. Mittlerweile ist der Neu-Profi froh, zumindest ab und zu mal einen ruhigen Tag zu Hause in Geesthacht verleben zu können, denn auf der Jagd nach Weltranglisten-Punkten hat sie in den vergangenen drei Monaten eine wahre Europa-Tournee hinter sich gebracht. Mitte Mai ging es zunächst mit dem Zug ins polnische Golecko nahe der ukrainischen Grenze. „Da kam gelbe Brühe aus dem Wasserhahn, das war ein Abenteuer“, erinnert sich ihr Vater. „Es war gut, so etwas mal mitbekommen zu haben“, schätzt Katharina, „die Platzbedingungen waren okay.“ Und sportlich lief es auch ganz ordentlich: Achtelfinale in Golecko, ebenso in Gausdal (Norwegen). Ein Anfang war gemacht.
Mittlerweile ist sie in der Weltrangliste an Position 945 notiert. Oft sind es nur Nuancen, die den Unterschied zwischen den Arrivierten und den Neulingen im Profi-Zirkus ausmachen. In Ystadt (Schweden) zum Beispiel zwang sie in der ersten Runde die starke Ukrainerin Tetyana Arefeyeva, Nummer 316 der Welt, in einen dritten Satz, den sie dann aber glatt mit 0:6 abgab. Und in Wrexham (Großbritannien) sah es gegen die Australierin Olivia Rogowska, Nummer 214 der Welt, beim 4:6, 6:4, 2:6 sogar noch besser aus. Hätte sie diese beiden Matches gewonnen, dann stünde Katharina Holert schon unter den besten 700 der Welt. „Da hoffe ich nun, bis zum Ende des Jahres zu sein“, sagt sie selbstbewusst.
Wie weit kann das also noch gehen? Schütte, der früher auch die Oldesloerin Julia Görges, mittlerweile die Nummer 40 der Welt, trainiert hat, ist überzeugt: „Katharina ist jetzt schon weiter als Julia es mit 17 Jahren war“. So wird die Europa-Tournee also weitergehen. In der kommenden Woche spielt Holert ein WTA-Turnier im schleswig-holsteinischen Wahlstedt, danach geht es nach Belgien. „Es ist ein Ochsentour, aber da muss man halt durch“, ist ihr Vater überzeugt. Der Weg ins Profi-Tennis, Katharina Holert nimmt ihn auf die harte Tour.
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