Box-Gala
Wenn die dritte Hand fehlt
Sonntag, 14. März 2010 20:38
- Von Dirk schulz
Geesthacht. Was seinen Schützling Karen Sammeljan bei der 2. Geesthachter Box-Gala im Kampf gegen Mark von Holten bevorstand, das wusste Hermann Rehr schon vor dem ersten Gong. „Das ist ein Hüne. Da muss er rein“, sagte der Trainer des VfL Geesthacht.

Foto: Erdal Torun
Nur selten kam die Gerade von Karen Sammeljan (VfL Geesthacht, rechts) so wie hier gegen Mark von Holten durch.
Nur im Nahkampf würde der Lokalmatador gegen den 107 Kilogramm schweren und einen Kopf größeren Faustkämpfer überhaupt eine Chance haben. Und auch Sammeljan gab er schnell noch einen Tipp mit auf Weg: „Denk’ dran: Die dritte Hand (der dritte Schlag einer Kombination, die Red.) macht den Kampf.“ Doch bei seinem Comeback nach vierjähriger Verletzungspause agierte der Geesthachter Schwergewichtler viel zu zaghaft. Als er gegen den Athleten aus Hemmoor auch in der dritten und letzten Runde immer noch passiv im Ring tänzelte, platzte Rehr der Kragen. „Wehr’ dich, geh’ rauf!“, schrie der Coach. Doch der darauf tatsächlich einsetzende Kraftakt Sammeljans zum Schluss kam zu spät – von Holten siegte nach Punkten.
Es war einfach nicht der Abend des Rückkehrers ins Seilgeviert. Wohl aber eine gelungene Werbung für das Amateurboxen. Knapp 700 Zuschauer – darunter auch Geesthachts Bürgermeister Volker Manow – wollten sehen, wie im Autohaus BrinkmannBleimann, in dem sonst Autos der Luxusklasse aus Untertürkheim verkauft werden, gepflegt die Fäuste flogen. Außer zehn Kämpfen bekamen sie auf der Veranstaltung anlässlich des 125. Geburtstages des VfL Geesthacht auch ein buntes Rahmenprogramm geboten. Das Ensemble FiVa, das sind Fiona Rohlffs (Geige) und Valeria Stab (Klavier), sorgte für musikalische Klänge, Tanz- und Turnabteilung des VfL zeigten Showeinlagen. „Hamburg 1“-Moderator Bedo führte als Ansager durch den Abend.
Nach der Schlägerei am Rande der Profi-Boxnacht in Schwarzenbek zeigte die Geesthachter Polizei vorsorglich Präsenz, war zunächst mit sechs Mann vor Ort. Außer ein paar falsch parkende Autos ausrufen zu lassen, blieben die Beamten aber beschäftigungslos.
Viel zu tun, gab es derweil für das Organisatorenteam um Box-Abteilungsleiter Karsten Renner. „Der Stress kostet mich drei Jahre meines Lebens“, sagte Renner. Sein rund 15-köpfiges Team kommunizierte im hellerleuchteten Gebäude mit Glasfassade per Funkgerät. Der Aufwand sollte sich aber lohnen: Insgesamt kamen an diesem Abend, der dem Förderverein „Peter Pan“ der Geesthachter Helios-Klinik gewidmet war, 4250 Euro zusammen.
Ein etwa Zwei-Euro-Stück großes Veilchen unter dem linken Auge – das war indes der einzige „Verdienst“ des unglücklichen Ring-Rückkehrers Sammeljan. Den Grund für die Pleite kannte Rehr nur zu gut: „Ihm hat einfach die dritte Hand gefehlt.“
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