Geesthachter Gala
Boxer-Freundschaft als Lebenselixier
Mittwoch, 10. Februar 2010 20:48
- Von Volker Gast
Geesthacht. Der damals 13-jährige Michael Weiland aus Neumünster war der beste Boxer Deutschlands in seiner Altersklasse, als sich sein Leben am 24. Oktober 2005 mit einem Schlag änderte. Ein Auto erwischte den Radfahrer auf einer Landstraße mit Tempo 80.
„Es ist förmlich durch ihn hindurch gefahren“, erinnert sich Michaels Vater Karl-Peter Weiland. Mit schweren inneren Verletzungen kam sein Sohn ins Krankenhaus, musste für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden. Die Ärzte rangen um sein Leben. Nach ein paar Wochen war der 13-Jährige dann wieder so weit hergestellt, dass er zur Rehabilitation in die Helios-Klinik nach Geesthacht überwiesen werden konnte – per Liegendtransport, für alles andere war er zu schwach. Sechs Monate später verließ er die Klinik aufrecht gehend und machte sich sofort an die Vorbereitungen für sein Comeback. Nur zwei Monate, nachdem sich die Krankenhaus-Türen hinter ihm geschlossen hatte, stand Michael Weiland wieder im Ring.
Zweifellos ein kleines medizinisches Wunder, doch die Geschichte wäre nicht vollständig ohne Alexander Dimitrenko. Der Box-Profi aus dem Hamburger Universum-Stall hat unter anderem schon Größen wie Luan Krasniqi oder Timo Hoffmann auf die Bretter geschickt und wurde bis zu seiner Punkt-Niederlage gegen den Amerikaner Eddie Chambers als kommender Herausforderer für Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko gehandelt. Als der 2,01-Meter-Riese vom Geschick des Nachwuchs-Talents erfuhr, besuchte er Michael Weiland während der Rehabilitation in Geesthacht. „Er hat der ganzen Familie Kraft gegeben“, erinnert sich Karl-Peter Weiland. „Aus dir wird noch etwas“, hatte Dimitrenko damals zu dem 13-Jährigen gesagt. Schon war sie wieder da, die Perspektive, allen Schwierigkeiten zum Trotz wieder in den Ring zurückzukehren. Motivation, die Michael Weiland in seinem tristen Alltag damals gut gebrauchen konnte. „Wir haben uns damals kurzfristige Ziele gesetzt, zum Beispiel, dass er wieder aus dem Rollstuhl aufstehen sollte“, schildert sein Vater, „dahinter stand immer das langfristige Ziel, deutscher Meister zu werden. Wir sind die ganze Rehabilitation wie ein Trainingslager angegangen. Morgens um 6 Uhr, wenn das Krankenhaus noch schlief, saß er schon auf dem Fahrrad-Ergometer.“ Es sollte sich lohnen: Kürzlich wurde Michael Weiland Dritter der deutschen U-19-Meisterschaften.
Die Verbundenheit zu Geesthacht ist geblieben, und so wollte er unbedingt einmal einen Kampf an der Elbe austragen. Maßgeblich durch das Engagement von Karsten Renner, Box-Abteilungsleiter des VfL Geesthacht, wird aus diesem Plan nun Wirklichkeit. Bei der 2. Geesthachter Box-Gala am 13. März im Autohaus Mercedes BrinkmannBleimann (Steinstraße) tritt Weiland gegen Nikola Stojcevic (SV Polizei Hamburg) an. Ansonsten ist der Ablauf der Gala noch offen. Eines ist jedoch sicher: Die Erlöse dieses Abends gehen an „Peter Pan“, den Förderverein der Helios-Klinik, die in Michael Weilands Leben eine so zentrale Rolle gespielt hat.
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