Muay Thai

Ein Kämpfer mit viel Herz

Marc Timmann (Bang Rajan, r.) trifft Keno Wissel vom Thai Box Team Norden am Kinn.

Foto: Hanno Bode

Marc Timmann (Bang Rajan, r.) trifft Keno Wissel vom Thai Box Team Norden am Kinn.

Wentorf. 200 Zuschauer sahen spektakuläre Kämpfe bei den norddeutschen Meisterschaften im Bang Rajan Fight Club in Wentorf.

Marc Timmann hat es in seinem ersten Kampf bei den norddeutschen Meisterschaften im Muay Thai in Wentorf mit einem äußerst angriffslustigen Kontrahenten zu tun. Der Emder Keno Wissel vom Thai Box Team Norden attackiert den Lokalmatadoren vom gastgebenden Bang Rajan Fight Club unmittelbar nach Beginn des Duells. Aber nur kurz ist Timmann in der Defensive. Dann übernimmt der 23-Jährige im Ring die Kontrolle und erzielt Punkt um Punkt.

„Der wollte nicht mehr“

Obgleich seinem Schützling der Sieg bald kaum noch zu nehmen ist, blickt Trainer Andreas Abel sehr angespannt durch die Seile. Er weiß, wie schnell sich das Blatt bei dieser thailändischen Kampfsportart wenden kann. Diesmal aber sind seine Sorgen unbegründet. Mitte der zweiten Runde bricht Ringrichter Ole Peters den ungleichen Vergleich in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm ab – Timmann siegt durch technischen K.o.

„Der wollte nicht mehr, der war weg. Im Amateursport geht die Gesundheit vor“, erklärt Peters, der gemeinsam mit Abel Geschäftsführer von Bang Rajan ist. Während Wissel vom Kampf sichtlich gezeichnet in die Kabine schleicht, nimmt Timmann Glückwünsche entgegen. „Er hat sehr viel Herz“, sagt Abel mit leuchtenden Augen über den 23-Jährigen, der zuletzt erste Kampferfahrungen in Thailand gesammelt hat. Dort ist Muay Thai, bei dem der Einsatz von Fäusten, Ellenbogen, Füßen und Knien erlaubt ist, Volkssport. Zwar muss Timmann in seinem zweiten Fight dann über die volle Distanz von drei Runden gehen. Aber er gewinnt auch diesen und schafft damit die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften am 4. April in Rommerskirchen.

Drei für DM qualifiziert

Mit ihm auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen werden sich Florenz Meier (-81 kg) sowie Finn Masurat (-86 kg) aus seiner Bang-Rajan-Trainingsgruppe machen. „Die arbeiten alle unheimlich stark zusammen“, sagt Abel. Sie gewannen ihre Kämpfe ebenfalls und dürfen nun auf nationale Ehren hoffen. Der vierte Wentorfer im Bunde, Justus Krüger, bekam derweil keine Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Es fand sich kein Gegner für ihn. So stand Krüger hinter der Theke statt im Ring und schenkte Getränke aus.

Aber nicht nur der Wentorfer war zum Nichtstun verurteilt. Lediglich acht der zwölf geplanten Fights in fünf Gewichtsklassen konnten stattfinden. „Uns hat die Erkältungswelle übel mitgespielt. Einige Teilnehmer mussten im letzen Moment absagen“, erklärte Abel. Das dezimierte Programm tat der guten Stimmung unter den rund 200 Zuschauern keinen Abbruch. Das Publikum feuerte die Kämpfer lautstark an und zollte ihnen mit viel Applaus Anerkennung. Die Leistungsunterschiede waren allerdings teilweise recht groß. So zog sich beispielsweise der Lübecker Can Cicek (-75 kg) in seinem Duell mit Azrudin Kamalzada wegen unerlaubter Techniken den Unmut einiger Zuschauer und seines Coaches Jan-Henning Lindau zu, der in der dritten Runde das Handtuch warf. „Eine gute Geste eines tollen Trainers“, lobte Peters.