Überblick Olympia – Wer schafft es nach Rio?

Die Brüder Torben (links) und  Eric Johannesen können es beide zu den Spiele in Rio de Janeiro schaffen.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Die Brüder Torben (links) und Eric Johannesen können es beide zu den Spiele in Rio de Janeiro schaffen.

Bergedorf. Acht Sportler – Acht Hoffnungen. Welche Chancen die Aktiven aus dem Heimatgebiet auf ein Ticket an den Zuckerhut haben.

Bergedorf. Der Traum von Olympia – noch nie durften ihn so viele Spitzensportler aus dem Heimatgebiet träumen wie in diesem Jahr vor den Sommerspielen 2016 in Rio des Janeiro. Doch wer wird live dabei sein, wenn Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff in genau 154 Tagen die 31. Olympischen Spiele der Neuzeit in der Stadt an der Copacabana eröffnen wird? Wir stellen die Kandidaten vor und werfen einen Blick auf ihre Chancen.


Eric Johannesen (Rudern)

Der Ruder-Olympiasieger mit dem Deutschland-Achter von London 2012 hat zweifellos die besten Chancen aller Aktiven aus dem Heimatgebiet, zum deutschen Olympiakader zu gehören. Seit Jahren ist der 27-Jährige eine feste Größe im deutschen Flagschiff, wurde mit dem Achter Weltmeister, dreimal Vize-Weltmeister und dreimal Europameister. Es gibt bei Bundestrainer Ralf Holtmeyer zwar keine Stammplätze, doch als er den Bergedorfer im vergangenen Frühjahr einmal kurzfristig herausnahm, fuhr der Deutschland-Achter prompt schwächere Resultate ein. Als Eric Johannesen 2012 in London Gold aus dem Dorney Lake fischte, waren seine Eltern übrigens nicht mit dabei, denn sie hatten keine Karten mehr bekommen. Das soll dieses Mal anders werden. „Wir haben die Tickets nach Rio schon gebucht“, verrät seine Mutter Doris Johannesen. „Das würde sich natürlich umso mehr lohnen, wenn es unsere beiden Söhne zu den Spielen schaffen würden.“


Torben Johannesen (Rudern)

Denn völlig überraschend hat es auch Erics jüngerer Bruder Torben Johannesen in den Nationalkader der Riemen-Ruderer geschafft. 22 Aktive konkurrieren momentan im Trainingslager in Sevilla um maximal 16 Olympia-Plätze. Die Entscheidung fällt Ende März und Mitte April bei Ergometer-Tests und Kleinboot-Rennen, bei denen die Aktiven in Zweiern ohne Steuermann gegeneinander antreten müssen. „Wie auch immer das ausgeht, ich mache auf jeden Fall weiter bis zu den Spielen von Tokio 2020“, sagt der 21-Jährige vom RC Bergedorf, der 2015 den U23-Achter als Schlagmann zum WM-Titel führte.


Maxine Wolters (Schwimmen)

Von heute an startet Maxine Wolters von der SG Bille bei der Golden Tour in Marseille über fünf Strecken, darunter auch ihre Paradedisziplin 200 Meter Lagen. Hier liegt die 16-Jährige rund vier Zehntel über der geforderten Norm für die Olympischen Spiele in Rio. „Es ist denkbar, dass sie das bis zu den deutschen Meisterschaften Anfang Mai in Berlin noch aufholt“, hofft ihre Mutter Marion Wolters, „die Qualität hat sie.“ Mit dem Umzug ins Sportinternat hat Maxine Wolters bereits 2015 die Weichen Richtung Olympia gestellt.

Nicole Müller (Gymnastik)

Wie schnell der Olympia-Traum jedoch auch ausgeträumt sein kann, zeigt das Beispiel der Rhythmischen Sportgymnastin Nicole Müller. Jahrelang gehörte die 21-Jährige Neuallermöherin zu den besten deutschen Sporgymnastinnen, belegte mit dem deutschen Team im Gruppenwettbewerb bei den Spielen in London 2012 Platz zehn. Doch nach einem Wechsel der Bundestrainerin wurde Müller für die Heim-WM 2015 in Stuttgart nicht mehr berücksichtigt und beendete zum Jahreswechsel ihre Karriere.

Andreas Lange (Leichtathletik)

Die Norm für Rio über 800 Meter (1:46,00 min.) hat der Reinbeker schon einmal geknackt. Der Traum von Olympia ist also keine Utopie. Pro­blem: Langes Bestzeit (1:45,69 min.) datiert aus dem Jahr 2013. In den vergangenen beiden Saisons lief der 24-Jährige trotz guter Werte im Training hinterher. Auch der Tapetenwechsel – von der LG Reinbek-Ohe ging es Anfang 2015 zur LG Braunschweig – brachte noch nicht den erhofften Leistungsschub. Mehr Ruhe vor den Wettkämpfen soll nun zum Ziel führen. „Dass die Norm nach den Dopingskandalen runtergesetzt wurde, macht es vom Kopf her leichter“, sagt Lange.

Miriam Butkereit (Judo)

Die 21-Jährige vom TSV Glinde ist frischgebackene deutsche Meisterin bei den Frauen in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Da müssten die Chancen auf einen Olympiastart doch riesig sein, möchte man glauben. Doch im Judo ticken die Uhren anders. Herangezogen werden die Ergebnisse von über 60 Wettbewerben innerhalb von zwei Jahren. „Vor zwei Jahren war ich aber noch im Juniorinnen-Alter“ und konnte daher bei den Erwachsenen gar nicht punkten“, erläutert Butkereit. So ist sie, obwohl sie zweifelsohne internationales Format besitzt, momentan nur die Nummer 103 der Welt – aber eine heiße Kandidatin für die Spiele 2020 in Tokio.

Torben Neumann (Rudern)

Für Leichtgewichts-Ruderer (unter 70 kg) wie Torben Neumann, der aus Billwerder stammt, aber für den RC Alle­mannia startet, gibt es nur bei Olympia nur eine Bootsklasse: den leichten Vierer. Dieser hat bei der Regatta in Luzern noch eine letzte Chance, sich zu qualifizieren. Ginge es nach der Leistung, wäre Neumann dabei, der bei der WM 2015 Gold mit dem leichten Achter gewann. Doch aus gesundheitlichen Gründen fährt er 2016 nur ein reduziertes Programm. „Das ist sehr, sehr schade. Aber ich mache bis 2020 weiter“, verspricht Neumann.

Jakob Krempin (Leichtathletik)

Die Bestzeit des 400-Meter-Läufers von der TSG Bergedorf (47,40 sec.) liegt exakt zwei Sekunden über der geforderten Zeit. Es gab in der Vergangenheit zwar Fälle, in denen sich Leichtathleten in einem halben Jahr derart verbessert haben. Der 20-Jährige glaubt jedoch nicht daran. „Mein persönliches Ziel sind die Spiele von Tokio in vier Jahren“, sagt Krempin.