HSV-INTERNAT Traumberuf Fußball-Profi: Der lange Weg durchs Nadelöhr

Der Lauenburger Florian Rogge träumt von einer Profi-Karriere

Foto: Thomas Rokos / Rokos

Der Lauenburger Florian Rogge träumt von einer Profi-Karriere

Lauenburg. Seit der U8 spielt der Lauenburger Florian Rogge für den Hamburger SV. Seit zwei Jahren lebt er im HSV-Internat. Rogges Ziel: Fußball-Profi.

Lauenburg/Norderstedt. An den Zäunen der Rasenplätze hängen Schilder. Darauf ist von einem Mäh-Roboter die Rede. Und es wird gewarnt: Alle Gegenstände – ob Trinkflaschen, Jacken oder Bälle – müssen nach dem Training verschwinden. Der elektronische Helfer könnte Schaden nehmen: „Verursacher werden haftbar gemacht.“

Mit 17 Jahren schon ein alter Hase

Florian Rogge braucht sich an diesem Dienstagabend jedoch keine Gedanken darüber zu machen, dass er vielleicht etwas liegen lässt. Seine Mannschaft, die U19 des Hamburger SV, trainiert diesmal auf Kunstrasen. Obwohl der Lauenburger erst 17 Jahre alt ist, ist er beim HSV schon ein alter Hase.

Die kleine Anekdote mit den Mäh-Robotern zeigt, dass das Trainingsgelände für den Nachwuchs nichts mit einem Dorfplatz gemein hat. Hier herrschen andere Verhältnisse. Elf Sportplätze, darunter neun mit Naturrasen gibt es an der Ulzburger Straße in Norderstedt.

15 junge Fußballer wohnen im HSV-Internat

Direkt nebenan ist das Nachwuchsleistungszentrum des HSV, wo bis zu 15 junge Fußballer zwischen 14 und 19 Jahren wohnen. Auch Florian Rogge lebt hier seit gut zwei Jahren. „Sich mit 15 vom Elternhaus zu verabschieden, war ganz schön schwer“, gibt er zu.

Beim TSV Gülzow begann einst seine sportliche Karriere. In den Ferien ging er zur HSV-Fußballschule, nahm später an Sichtungen des Vereins teil. Die Trainer wurden schnell auf sein Talent aufmerksam. Da es noch keine Mannschaft für den Jahrgangs 1998 gab, durfte er zunächst bei den Älteren trainieren, später spielte er in der U8.

Weite Wege zum Training

Fortan fuhren ihn die Eltern abwechselnd von Lauenburg nach Norderstedt. Zweieinhalb Stunden hin und zurück, und das in den kommenden Jahren dreimal in der Woche. Sie haben es gern gemacht: Vater und Mutter sind glühende HSV-Fans.

Viele Jungen in Hamburg träumen davon, für den HSV oder den FC St. Pauli zu spielen. Florian Rogge hat es geschafft. Doch es ist ein Traum, der schnell wieder zu Ende sein kann. „Ich musste mich in all den Jahren von vielen Freunden, die es nicht geschafft haben, verabschieden“, sagt der 17-Jährige. „Dabei sind auch Tränen geflossen.“

Hartes Ausleseverfahren

Die Talente sind einem harten Ausleseverfahren unterworfen. Nur noch ein Mitspieler aus seinem ersten HSV-Team ist dabei. „Das Nadelöhr ist klein“, hat Sportdirektor Bernhard Peters einmal gesagt.

Der Tag beginnt für Florian Rogge um 7 Uhr. Mit dem Bus fährt er zum Foorthkamp. Hier ist eine Zweigstelle der Stadtteilschule Heidberg, einer Eliteschule des Fußballs. Dort macht er gerade sein Fachabitur. Zweimal trainiert der 17-Jährige hier auch. Insgesamt sind es acht bis neun Einheiten pro Woche – plus Spiel. Da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge.

Nach dem abendlichen Training beim HSV telefoniert er noch mit seiner Freundin – übernachten darf sie nicht im Internat. In ihrer Freizeit können die Jungs hier Tischtennis, Air-Hockey oder Tischkicker spielen.

Frühe Selbstständigkeit

Sein Zimmer ist angenehm unaufgeräumt. In der Mitte steht ein vollbehängter Wäscheständer. Um die Reinigung ihrer Hosen, Shirts und Socken müssen sich die jungen Internatsbewohner selbst kümmern. „Ich habe früher als andere gelernt, selbstständig zu sein“, sagt Florian Rogge. Bei der Raumpflege gibt es allerdings Unterstützung.

Vertrag bis 2017

Bis Ende Juni 2017 hat der Lauenburger noch einen Vertrag. Dann wird sich entscheiden, wo sein Weg hinführt. In der laufenden Saison ist es bisher nicht so gut für den Mittelfeldspieler gelaufen. Er stand lediglich sechsmal in der A-Junioren-Bundesliga auf dem Feld. Aber im Gegensatz zu vielen seiner Mitspieler, kann er auch in der kommenden Spielzeit noch in der U19 spielen. Und dann?

Vorbild Toni Kroos

„Natürlich ist es mein großes Ziel, in der Bundesliga für den HSV zu spielen“, sagt Florian Rogge. „Aber wenn es am Ende die 3. Liga für mich wird, wäre ich auch nicht unglücklich.“ Sich selbst sieht er als einen Fußballer, der das Spiel lesen kann. Er habe taktisches Verständnis, das Passspiel gehöre zu seinen Stärken. Sein Vorbild ist Toni Kroos. Sollte er später nicht vom Fußball leben können, würde er gerne Lehrer werden. Wo sein Weg hinführen wird, weiß Florian Rogge heute noch nicht – mit einer Ausnahme: „Zu Bayern München gehe ich nicht.“