Christopher Mahrt
Haken schlagen wie ein Kaninchen
Bergedorf. Er ist beim Fußball-Oberligisten Bergedorf 85 einer der Hoffnungsträger für die neue Saison: Christopher Mahrt. Der 23-Jährige blüht als Ideengeber im Mittelfeld förmlich auf - und hat ganz nebenbei auch sein Leben in neue Bahnen gelenkt. Von Volker Gast
Den Traum vom Profi-Fußball hielt Bergedorfs Spielmacher Christopher Mahrt schon fest in beiden Händen. 2008 wechselte der heute 23-Jährige von der A-Jugend des FC St. Pauli direkt in die 3.Liga zum Wuppertaler SV. Zehnmal wurde er im Verlauf der Saison eingewechselt, einmal sogar vor 16000 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf. "Als ich dann aufs Tor schoss, ging der Ball knapp vorbei, und Tausende Düsseldorfer Fans haben gejubelt", erinnert er sich, "das war schon was anderes als heute vor 80 Leuten gegen Halstenbek-Rellingen zu spielen."
Doch in seinem zweiten Jahr in Wuppertal bekam Mahrt die ganze Härte des Profi-Geschäfts zu spüren. Nach einer Verletzung musste er vier Monate an Krücken gehen. "Erst sagte der Trainer im Rundfunk, dass er mich wieder aufbauen will. Zwei Wochen später hieß es dann, dass ich mir einen neuen Verein suchen soll", erinnert er sich. Frustriert flüchtete Mahrt nach Hamburg und fand über seinen besten Kumpel Patrik Papke den Weg zum Oberligisten SV Curslack-Neuengamme.
Zwei Jahre lang spielte er dort unter Coach Torsten Henke, bevor der ehrgeizige Mahrt über die Stränge schlug und den Verein verlassen musste. "Chris ist ein ganz feiner, netter Kerl. Dass es aber in der einen oder anderen Situation mit ihm nicht ganz einfach war, das ist sicher so", blickt Henke zurück.
"Ich bin sicher auch nicht fehlerfrei, war manchmal nicht diplomatisch genug", zeigt sich Mahrt einsichtig. Den Traum vom Profi-Fußball hat er erst einmal beiseite gelegt, sein Leben neu ausgerichtet. "Ich will mit Bergedorf richtig gut in die Oberliga starten und hoffe auf einen Ausbildungsplatz, entweder als Fach- und Lagerlogistiker oder als Automobilkaufmann", beschreibt er seine neuen Ziele.
Fußballerisch blüht er derweil bei Bergedorf 85 unter Coach Olaf Poschmann so richtig auf – in einer neuen Rolle: Während er in Curslack nur auf der Außenbahn ran durfte, ist er bei den "Elstern" als Spielmacher nun der kreative Mann für die überraschenden Ideen in der Offensive. "Sein großer Vorteil ist seine Grundschnelligkeit mit Ball", analysiert Poschmann, "er hat eine so enge Ballführung, dass er auf dem Platz Haken schlägt wie ein Kaninchen. Dazu kommt ein hohes Spielverständnis. Er verliert auch auf engem Raum nie die Orientierung, sondern ist stets in der Lage, Lösungen zu schaffen, weil er den nächsten Pass schon im Kopf hat, bevor er den Ball bekommt."
Manchmal allerdings kommen die Erinnerungen an Wuppertal zurück, daran wie knapp es für ihn war, sein großes Ziel zu erreichen. "Glück und Kontakte sind sehr wichtig im Profifußball", blickt Mahrt zurück, "Freunde, die es dort geschafft haben, waren auch nicht unbedingt besser als ich. Aber vielleicht habe ich mir selbst zu sehr im Weg gestanden."









