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Ein Doppel für Deutschland

Schwarzenbek. Die zwölfjährigen Sejla Fazlic und Jule Wirlmann vom TSV Schwarzenbek gehören zu den größten Tischtennis-Talenten in Deutschland. Nun müssen sie sich beim nationalen Kader-Lehrgang in Düsseldorf beweisen.
Sejla Fazlic (links) und Jule Wirlmann trainieren im Tischtennis-Leistungszentrum in Schwarzenbek.
Foto: Thomas Rokos
Sejla Fazlic (links) und Jule Wirlmann trainieren im Tischtennis-Leistungszentrum in Schwarzenbek.
Sejla Fazlic steht hochkonzentriert an der Tischtennisplatte. Mit verbissenem Gesichtsausdruck schlägt die Zwölfjährige ihrem Gegenüber die Bälle um die Ohren. Obwohl es nur eine Trainingseinheit ist, gibt die Nachwuchsspielerin des TSV Schwarzenbek alles. Wenn einer ihrer Bälle die Platte verfehlt, verzieht sie nur kurz die Miene. Viel Zeit zum Ärgern hat sie nicht, denn schon folgt der nächste Ballwechsel. „Wenn sie mich schlägt, dann ist sie reif für die Bundesliga“, schmunzelt ihr Vater Mirsad Fazlic.
Der ehemalige Erstligaspieler in Jugoslawien und gleichzeitig Sejlas Trainer beim TSV ist seit Sommer 2011 der Leiter des Schleswig-Holsteinischen Leistungszentrums in Schwarzenbek. Seine Tochter scheint auf einem guten Weg zu sein, viele Fehler macht sie nicht. Genauso wie Jule Wirlmann. Auch sie hat der 43-jährige Coach unter seinen Fittichen. Mit 1,68 Meter ist Jule knapp zehn Zentimeter größer als Sejla, doch an der Tischtennis-Platte nehmen sich die Mädchen kaum etwas. Die beiden Zwölfjährigen gehören zu den größten Tischtennis-Talenten der Schwarzenbeker Kaderschmiede.
Seit Dezember 2010 stehen die beiden Nachwuchshoffnungen im deutschen Bundes-Mini-Kader (Jahrgänge 1999/2000). Sie gehören in ihrer Altersklasse zu den zehn besten Spielerinnen Deutschlands. Viermal im Jahr finden Auswahl-Lehrgänge statt, auch derzeit befindet sich das Schwarzenbeker Duo im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf. „Wir wollen weiter im Bundeskader bleiben und später Nationalspielerinnen werden“, wünschen sich Sejla und Jule. Das Zeug dazu haben sie allemal. „Ihre Karrieren werden hier nicht stehen bleiben“, ist Mirsad Fazlic überzeugt. Beim TSV spielen die beiden in der Oberliga bei den 2. Damen. Sie sind mit Abstand die Jüngsten in der Liga.
Während Sejla in der Europastadt wohnt und die siebte Klasse des Schwarzenbeker Gymnasiums besucht, ist Jule in Embühren zuhause, einem 250-Einwohner-Dorf in der Nähe von Rendsburg. Warum sie in Schwarzenbek spielt? „Es ist einfach der beste Verein in Schleswig-Holstein“, findet Jule. Zweimal in der Woche nimmt sie daher den anderthalbstündigen Fahrdienst ihrer Mutter Martina in Anspruch. „Klar ist das manchmal nervig“, gibt diese zu, „aber wir haben auch einen Sohn, dem wir das ebenso ermöglichen.“ Jules Bruder Finn spielt Fußball in der U17 von Holstein Kiel.
Jule trainiert fast täglich. Wenn nicht im Schwarzenbeker Landesleistungszentrum, dann in Rendsburg. Trotzdem soll die Schule unter dem Hobby nicht leiden. „Es wird auch schon mal das Lateinbuch mit ins Auto genommen“, weiß Jules Mutter, die selbst eine begeisterte Tischtennisspielerin ist.
Jule und Sejla kennen sich seit vier Jahren. Auch im Doppel treten sie zusammen an. Dass ihr Vater gleichzeitig ihr Trainer ist, stört Sejla nicht. „Natürlich gibt es manchmal Stress, aber normalerweise wird zu Hause nicht über den Sport geredet, weil meine Mama nichts mit Tischtennis zu tun hat“, grinst Sejla. „Ich könnte das trotzdem nicht“, wirft Jule ein. Gemeinsam haben sie vor allem eines: den sportlichen Ehrgeiz. Anfang Januar treten sie im baden-württembergischen Tailfingen gemeinsam beim „Future-Cup“ an. Dort spielen sie für Schleswig-Holstein gegen alle anderen Bundesländer. „Wir wollen einen der vorderen Plätze belegen“, sagt Sejla. Mit zunehmendem Erfolg wird sie dann vermutlich auch irgendwann ihren Vater besiegen können.
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