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Unter einem Regenschirm am Abend

Schwarzenbek. Der achtjährige Gerd sitzt 1940 auf einer Wiese in Süddeutschland im Gras, schaut staunend in den Sternenhimmel und erinnert sich, wie seine Klassenkameraden vor wenigen Wochen jubelten, Paris sei gefallen.
Sbk: Gerd Schwedler
Foto: Markus Jürgensen
Gerd Schwedler (77) hat seine Erinnerungen aufgeschrieben.
„Wie kann eine Stadt denn umfallen“, hatte sich der Junge mit dem Faible für Technik gewundert.
Der Zweite Weltkrieg interessiert den kleinen Gerd nicht, sein neues Schuco-Auto umso mehr: Wie durch Zauberei gehorcht es auf die Kommandos „Start“ und „Stopp“. Also baut er es sorgfältig auseinander und stellt fest, dass keine Zauberei im Spiel ist: Das mechanische Spielzeugauto reagiert nicht auf seine Stimme, sondern auf den Luftzug, den der Ausruf verursacht: „Ich hätte einfach auch ‚Auf’ und ‚Ab’ rufen können.“
Sbk: Gerd Schwedler
Foto: Markus Jürgensen
Das Buch hat 388 Seiten und ist im Bergedorfer Holzheimer Verlag erschiennm.
Nach 68 Jahren hat Gerd Schwedler, der seit 1964 als Ingenieur in Schwarzenbek lebt, diese und viele weitere Erinnerungen an seine Kindheit aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. „Die Vergangenheit lebt noch immer“ ist im Bergedorfer Holzheimer Verlag erschienen, hat 338 Seiten und kostet 18,90 Euro. „Auf den Verlag sind wir durch einen Bericht in der Lauenburgischen Landeszeitung gestoßen, die über die Möglichkeit berichtete, Literatur als Book-on-Demand zu publizieren“, erinnert sich Schwedler.
In Rückblenden lässt der 77-Jährige Revue passieren, was er und seine Altersgenossen in den Jahren zwischen 1932 und 1952 erlebt haben – vom Krieg bis zur ersten großen Liebe. Geradezu mystisch beschreibt der Ingenieur, wie eines Tages ein toter US-Soldat unter einem Baum lag: Der Mann, Pilot eines Bombenflugzeugs, war nach dem Abschuss offenbar ohne Fallschirm zu Tode gestürzt. „Als Kind habe ich mich gewundert, wie er unter den Baum gekommen ist – als habe ihn eine unsichtbare Hand im Fall aufgefangen und dort abgelegt“, sagt Schwedler. Mittlerweile weiß er jedoch, dass es möglicherweise der Großvater eines Jugendfreundes war, der auch für die Beerdigung des Piloten gesorgt hatte.
Wie er seine Frau Edith kennengelernt hat, beschreibt er im letzten Kapitel des Buches: Sie kannten sich drei Wochen, als sie gemeinsam ins Kino gingen. Auf dem Rückweg im Regen fingen beide plötzlich unabhängig voneinander an, den damals populären Schlager „Unter einem Regenschirm am Abend“ zu singen. „Seitdem wussten wir, dass wir zusammen gehören“, schmunzelt der 77-Jährige, der seit 53 Jahren glücklich verheiratet ist.
Schon damals hatte Schwedler Tagebuch geführt, während einer Kur im Jahr 1981 erstmals mit dem Schreiben begonnen, dann aber wieder aufgehört. Erst als ihn bei der Goldenen Hochzeit Pastorin Barbara Neubert ermunterte, seine Erinnerungen aufzuschreiben, packte ihn wieder die Lust, aus der jetzt ein Buch geworden ist. Und die Lust aufs Schreiben ist noch lange nicht gestillt: In Arbeit ist ein zweiter Teil seiner Lebenserinnerungen, der von Studium, Heirat und dem Berufsstart bei Fette erzählt.
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