Hausanschlüsse: Erfolg für Kritiker
Rohr-TÜV erst 2020 oder gar nicht?
Mittwoch, 11. August 2010 17:08
- Von Marcus Jürgensen
Schwarzenbek. Für Jörg Balk, Leiter des städtischen Abwasserbetriebs im Rathaus, beginnt eine ruhige Zeit. Anfang des Jahres hatte er noch allen Hauseigentümern mit der Abwasserrechnung das Angebot geschickt, die fällige Dichtigkeitsprüfung ihrer Hausanschlüsse zu übernehmen. Der Blanko-Vordruck hatte damals für einige Irritationen gesorgt.

Foto: Stadt Schwarzenbek
Die Bilder der Rohrkamera zeigen Schäden im Kanalnetz.
Dass sich erst sein Nachfolger im Amt – Balk geht 2013 in den Ruhestand – mit dem sogenannten Rohr-TÜV befassen muss, liegt an der Landesregierung. Nach heftiger Kritik von Haus- und Grundeigentümerverband, Landkreistag und der Bürgerinitiative „Bürokratie-Irrsinn“ sieht der zweite Entwurf zur „Einführung der DIN 1986, Teil 30“ eine Frist bis zum Jahr 2020 statt wie bisher 2015 vor. Und wer vor dem Jahr 2015 ein Haus gebaut hat oder bauen will, bei dem die Dichtigkeitsprüfung der Abwasseranlagen vor der Bauabnahme ohnehin erfolgt, kann sich sogar bis 2045 Zeit lassen. Denn die Frist für eine Wiederholungsprüfung wurde von 20 auf 30 Jahre verlängert. Auch aufwendige Kamerafahrten durch verwinkelte Rohrleitungen sind nicht mehr gefordert: Sind 25 Prozent der einsehbaren Leitungen in Ordnung, reicht das dem Ministerium aus.
„Langsam zieht da Vernunft ein“, sagt Balk. So hatte auch der Landkreistag Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf auf rechtliche Bedenken hingewiesen, sollte sie auf der in der DIN genannten Frist bestehen. Mit dem neuen Fristdatum versucht das Ministerium dies jetzt offenbar zu umgehen. Sollte die DIN doch noch Gesetz werden, will Balk sie zunächst durch den Hausjuristen des Rathauses prüfen lassen, bevor er die Dichtigkeitsprüfung den Bürgern erneut anbietet. Dass es durchaus sinnvoll ist, zeigen zwei Vorfälle der vergangenen Woche. Balk: „Wegen eines Schadens mussten wir zwei Hausanschlüsse überprüfen. Es war erschütternd zu sehen, was da in der Erde liegt. Das war purer Pfusch, der da vor 50 Jahren verlegt wurde.“
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