Straßenbeleuchtung
Handy als Lichtschalter
Dienstag, 10. August 2010 16:52
- Von Marcus Jürgensen
Schwarzenbek/Güster. Als die ins Teenageralter gekommenen Kinder von Dieter Grote abends immer später nach Hause kamen, bat die besorgte Mutter ihren Ehemann: „Geh mal zum Bürgermeister und bitte ihn, die Laternen abends länger brennen zu lassen.“ Das war vor drei Jahren.

Foto: Markus Jürgensen
Per Anruf Licht – Dieter Grote wirbt in Güster für sein System.

Foto: Markus Jürgensen
Die Telefonnummer könnte an jedem Laternenmast kleben.
„Das funktioniert natürlich nur an wenig frequentierten Wohnstraßen, wo ein bis vier Mal pro Nacht die Laternen angeschaltet werden“, sagt Grote. Wird die Beleuchtung öfter angefordert, rentiere sich die Abschaltung nicht.
Die Stadtwerke Lemgo, die Grote für seine Idee begeistern konnte, haben inzwischen die Firma „Dial4Light“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Bei Anruf Licht“, gegründet und Dörentrup und Lemgo mit dem innovativen System ausgestattet. Jede Straße erhält eine Telefonnummer und ein schlichtes Modem im Verteilerkasten übernimmt die Schaltung. Je nach Zahl der Straßenlaternen kann sich die Investition bereits innerhalb eines Jahres rentieren. Und dies nur durch die Stromersparnis und nicht, weil die Telefonnummer kostenpflichtig ist, sagt Grote: „Außer der Telefongebühr darf die Straßenbeleuchtung den Bürger nichts kosten.“ Auch Rettungsdienste würden profitieren: Feuerwehr und Notarzt könnten per Anruf ihren Einsatzort beleuchten. Aber der Tüftler hat auch an andere, kostenpflichtige Nutzungsmöglichkeiten gedacht: So könnten Fremdenführer per Anruf etwa Springbrunnen oder Scheinwerfer einschalten, die Denkmäler beleuchten.
Einen Preis hat Grote auch schon bekommen: Im Vorjahr verlieh ihm die International Dark-Sky Association (IDA) den „Outdoor Lighting Award“. Die 1988 in den USA gegründete Vereinigung von Astronomen kämpft gegen „Lichtverschmutzung“ durch zu hell und nicht zielgenau strahlenden Lampen, die in der Nacht eine Himmelsbeobachtung nahezu unmöglich machen.
Bergedorfer Zeitung Online
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