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Handy als Lichtschalter

Schwarzenbek/Güster. Als die ins Teenageralter gekommenen Kinder von Dieter Grote abends immer später nach Hause kamen, bat die besorgte Mutter ihren Ehemann: „Geh mal zum Bürgermeister und bitte ihn, die Laternen abends länger brennen zu lassen.“ Das war vor drei Jahren.
Sbk: Dieter Grote hat Dial4Light erfunden
Foto: Markus Jürgensen
Per Anruf Licht – Dieter Grote wirbt in Güster für sein System.
Sbk: Dieter Grote hat Dial4Light erfunden
Foto: Markus Jürgensen
Die Telefonnummer könnte an jedem Laternenmast kleben.
„Natürlich hat der Bürgermeister das nicht getan“, lacht Grote – zum Glück. Sonst wäre der 57-jährige Diplom-Designer, der mit seiner Agentur auch für die Leuchtmittel-Industrie arbeitet, nicht auf eine ebenso einfache wie geniale Idee gekommen: Straßenlaternen per Anruf einschalten. In Güster stellte der Erfinder aus dem westfälischen Dörentrup das System jetzt vor: „Mein Onkel lebt seit 40 Jahren hier, daher kenne ich die Gemeinde. Und als er uns zu seinem 80. Geburtstag einlud, habe ich den Bürgermeister gefragt, ob ich das System mal vorstellen darf“, so Grote. „Bei uns werden die Straßenlaternen meistens um 1 Uhr ausgeschaltet, in manchen Dörfern sogar noch früher“, berichtet der Tüftler. Mittlerweile geht im 8300 Einwohner zählenden Dörentrup im Kreis Lippe die Straßenbeleuchtung sogar schon um 21 Uhr aus – und wird bei Bedarf per Telefon wieder angeschaltet. „Am Ende eines Kneipenabends fragt uns jetzt der Wirt, wo wir denn hin wollen und greift zum Telefon“, berichtet Grote. Doch nicht um ein Sammeltaxi zu rufen, sondern um per Anruf die Straßenlaternen für den Heimweg seiner Gäste einzuschalten.
„Das funktioniert natürlich nur an wenig frequentierten Wohnstraßen, wo ein bis vier Mal pro Nacht die Laternen angeschaltet werden“, sagt Grote. Wird die Beleuchtung öfter angefordert, rentiere sich die Abschaltung nicht.
Die Stadtwerke Lemgo, die Grote für seine Idee begeistern konnte, haben inzwischen die Firma „Dial4Light“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Bei Anruf Licht“, gegründet und Dörentrup und Lemgo mit dem innovativen System ausgestattet. Jede Straße erhält eine Telefonnummer und ein schlichtes Modem im Verteilerkasten übernimmt die Schaltung. Je nach Zahl der Straßenlaternen kann sich die Investition bereits innerhalb eines Jahres rentieren. Und dies nur durch die Stromersparnis und nicht, weil die Telefonnummer kostenpflichtig ist, sagt Grote: „Außer der Telefongebühr darf die Straßenbeleuchtung den Bürger nichts kosten.“ Auch Rettungsdienste würden profitieren: Feuerwehr und Notarzt könnten per Anruf ihren Einsatzort beleuchten. Aber der Tüftler hat auch an andere, kostenpflichtige Nutzungsmöglichkeiten gedacht: So könnten Fremdenführer per Anruf etwa Springbrunnen oder Scheinwerfer einschalten, die Denkmäler beleuchten.
Einen Preis hat Grote auch schon bekommen: Im Vorjahr verlieh ihm die International Dark-Sky Association (IDA) den „Outdoor Lighting Award“. Die 1988 in den USA gegründete Vereinigung von Astronomen kämpft gegen „Lichtverschmutzung“ durch zu hell und nicht zielgenau strahlenden Lampen, die in der Nacht eine Himmelsbeobachtung nahezu unmöglich machen.
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