Stromnetze
Klima darf nicht auf der Strecke bleiben
Montag, 1. Februar 2010 21:57
Schwarzenbek. Die Karten in der Stromversorgung werden in diesem und im nächsten Jahr komplett neu gemischt. Der Grund: Die Konzessionsverträge laufen in vielen Städten und Gemeinden 2010 und 2011 aus.

Foto: Markus Jürgensen
Die Leitungsnetze werden neu vergeben. Ein riesiger Markt bei dem nach Ansicht der SPD ökologische Aspekte nicht ausgespart werden dürfen.
Die Kommunen stehen jetzt in der Verantwortung, denn die Stromversorgung soll sowohl sicher und bezahlbar als auch ökologisch sauber sein. Wie Klimaschutz und die Vergabe der Netze miteinander in Einklang gebracht werden können, war Thema einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde auf Einladung der Kreis-SPD im Schwarzenbeker Rathaus.
Die Stromnetze spielen nach Ansicht der Sozialdemokraten eine entscheidende Rolle. Sie müssen so betrieben und entwickelt werden, dass zum Beispiel Kombikraftwerke mit der Einspeisung von Strom aus Wind, Solar- und Biogasenergie möglich sind.
Sowohl Udo Bottländer, Personalvorstand der E.on Hanse AG, als auch Detlef Palm, Vorsitzender des Verbandes Kommunaler Unternehmen Nord und Wolfgang Schoofs, Geschäftsführer der Stadtwerke Schleswig, warben um die Gunst der Zuhörer. „Wir sind das Netz“, fasste Bottländer seine Argumente zusammen: E.on habe einen hocheffizienten, modernen Netzbetrieb und die Investitionskraft für den Ausbau der Netze für die weitere Aufnahme erneuerbarer Energie. Der Regionalversorger schlägt die Gründung einer Schleswig-Holstein Netz AG vor, an der die Kommunen beteiligt sind, E.on jedoch die Mehrheit hält.
„Ich kann kaum raten, für teures Geld dort Anteile zu erwerben. Nehmen Sie lieber Geld in die Hand und kaufen Sie ihr Netz“, entgegnete Reinbeks Ex-Bürgermeister Palm. Stadtwerke-Chef Schoofs betonte, dass auch Stadtwerke das Know-how für intelligente Netzsteuerung und Nutzung regenerativer Energien haben und für die Aufgaben des Klimaschutzes gewappnet sind.
„Lassen Sie sich mit ihrer Entscheidung über die Konzessionsverträge nicht zeitlich drängen. Es geht nirgendwo das Licht aus“, riet Palm.
Schwarzer Humor drang dann bei Olaf Schulze, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, durch, als er den Ernst des Klimawandels zu verdeutlichen suchte: „Wir bekommen im Norden ein mediterranes Klima, können abends lange auf der Terrasse sitzen und den selbst angebauten Wein in der Sonne genießen.“ Doch statt „dolce vita“ drohen dem nördlichsten Bundesland extreme Wettereignisse und das schon sehr bald. Mahnend sagte Schulze: „Wir haben keine Zeit mehr. Der Klimagipfel in Kopenhagen war verheerend. Was wir jetzt brauchen, ist eine technische Revolution der Energieeffizienz“.
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