Schönheitskur Pläne für ein Ende der Tristesse am Bahnhof

So könnten die neuen Bike&Ride-Anlagen aussehen.

Foto: Agentur BahnStadt / BGZ

So könnten die neuen Bike&Ride-Anlagen aussehen.

Schwarzenbek. Der Bahnhof soll ansehnlich werden: neue Aufzüge, Umbauten, attraktive Fahrradstellplätze – auch im Gebäude tut sich was.

Schwarzenbek. Seit Jahren klagen Politiker und Bürger über das desolate Erscheinungsbild des Bahnhofs. Durch den Verkauf des Bahnhofsgebäudes an einen privaten Investor hat sich der Zustand sogar noch verschlechtert. Doch nun besteht die Chance, dass das Entree der Europastadt eine ordentliche Schönheitskur bekommt. Grund: 2017 will die Deutsche Bahn AG die Fahrstühle erneuern.

In dem Zuge könnten weitere Umbauten vorgenommen werden. Die Stadt hat bereits 20 000 Euro im Haushaltsentwurf 2016 für einen Planer eingestellt. Außerdem kommen die Planungen für eine neue Bike&Ride-Anlage voran. Und die gute Nachricht zum Schluss: Investor Dennis Berling ist dabei, Pläne für eine Nutzung des Bahnhofsgebäudes zu entwickeln. Es wird bereits entkernt.

Das wollen die Politiker

CDU-Fraktionschefin Heike Wladow: „Uns ist eine Überdachung sowohl auf dem Bahnsteig als auch an der Bushaltestelle wichtig, damit Pendler nicht im Regen stehen. Der Kiosk muss als wichtiger Treff- und Anlaufpunkt erhalten bleiben. Eine Kiss&Go-Zone zum Abholen und Bringen der Fahrgäste ist auch wichtig. Schön wäre ein richtiger Fahrkartenverkauf.

FWS-Fraktionschef Eberhard Schröder: Das Bauprojekt der Bahn ist ein wichtiger Punkt, damit wir mit unseren Planungen weiterkommen. Dann haben wir während der Bauzeit der Fahrstühle endlich einen festen Ansprechpartner. Die ändern sich bei der Bahn sonst dauernd. Wir warten ab, was der Planer entwickelt und positionieren uns dann. Aber eine Überdachung des Bahnsteigs ist in jedem Fall wichtig.

SPD-Fraktionschef Maik Picker: Die Überdachung ist wichtig, aber den Fahrgästen fehlt eine Orientierung. Es muss bereits im Tunnel ausgeschildert werden, in welche Richtung es zum Gewerbegebiet, zu den Turnhallen und in die Stadt geht. Auswärtige Gäste sind dort völlig orientierungslos.

FDP-Fraktionschef Helmut Stolze: Der Tunnel ist total verdreckt, die Wände sind beschmiert und die alten Lampen funktionieren nicht oder die Gläser sind blind. Hier muss sich dringend etwas ändern.

Das sagt der Investor

Der Immobilienexperte Dennis Berling hat das Bahnhofsgebäude und das Grundstück, auf dem der Kiosk steht, im Dezember 2013 bei einer Auktion zum Mindestgebot von 21 000 Euro gekauft. Seitdem verfiel das Haus immer mehr. „Ich habe das Gebäude sofort bezahlt, aber der Grundbucheintrag ist noch nicht vollzogen. Das hängt mit den komplizierten Leitungsrechten zusammen, die die Deutsche Bahn hat“, so Berling. Diese Leitungsrechte für Kabel und Versorgungsrohre waren auch der Grund, warum der Verkauf so schwierig war und sich über Jahre hinzog. Letztlich hat auch die Stadt Schwarzenbek aus diesem Grund vom Kauf der ansonsten recht preisgünstigen Immobilie abgesehen.

Ein Café im Bahnhofgebäude?

Jetzt soll es aber mit einer neuen Nutzung losgehen. „Ich arbeite an einem Konzept und bin in Gesprächen. Es ist aber noch nicht spruchreif“, behauptet der Investor. Derweil sucht André Böttche vom Verein für soziale Arbeit und Integration in Hamburg-Altengamme in sozialen Netzwerken bereits nach Tischen für eine Kreativ-Werkstatt und ein Café. Im Netz verkündet er, dass er beides im Bahnhof realisieren will. Im Gebäude selbst haben Arbeiter bereits die Deckenisolierung herausgenommen, Innentüren demontiert und sind dabei, das Gebäude zu entkernen.

Neue Stellplätze für Radler

Bisher gibt es 192 Stellplätze für Fahrräder am Bahnhof. Die reichen aber nicht aus: Selbst im Winter werden Fahrräder an Zäunen und Laternenpfosten angeschlossen. Im Rahmen eines Pilotprojekts der Verkehrsservicegesellschaft Nah SH sollen noch im laufenden Jahr 94 zusätzliche Stellplätze entstehen. Zwischen Kiosk und Stellwerk sind 70 überdachte Fahrradständer geplant: 24 frei zugängliche Plätze mit sogenannten Kieler Bügeln sowie 48 Plätze in einem abgeschlossenen Bereich mit „Doppelstockparkern“. Dabei können Räder durch eine ausziehbare obere Schiene übereinander abgestellt werden. Die zweite Anlage soll mit 24 Plätze am Bahnsteig zwischen Stellwerk und Bahnhofgebäude entstehen.

Auf Ladestationen für E-Bike wird aus Kostengründen verzichtet: Bei Reichweiten von bis zu 80 Kilometern werde kaum ein Radfahrer seine Akkus am Bahnhof aufladen, so Bauamtsleiter Ralf Hinzmann. Die Kosten von rund 144 000 Euro werden von Land und Metropolregion gefördert. Der Eigenanteil beträgt deshalb lediglich 18 000 Euro. Allerdings sind die Kosten für den Grunderwerb noch nicht eingerechnet: Das Gelände gehört der DB AG, mit der Nah SH jedoch aktuell Verhandlungen über eine kostenlose Nutzung führt.