Wald-Kindergarten
Ihr Revier ist die Natur
Sonntag, 22. Juli 2012 16:15
- Von Anne Passow
Schwarzenbek. Vom bisher eher kalten Sommer lassen sie sich nicht die Laune verderben: Die Kinder des Wald-Kindergartens der Kita St. Elisabeth sind bei jedem Wetter draußen. Die "Waldkinder" lernen hier für das Leben - von der Natur.
Sommerlich war dieser Juli bisher wirklich nicht. Corvin aber macht das nichts
aus. Er trägt eine rote Regenhose und eine rot-gelbe Jacke. „Guckt mal, eine
Nacktschnecke“, sagt er und zeigt auf das Tier, das sich auf einem Baumstamm
voranbewegt. Der Sechsjährige ist eines von 15 Kindern, die den
Waldkindergarten der Kita St. Elisabeth besuchen – auch in den Ferien.

Foto: Passow
Max (6) baut sich aus Ästen und Band eine Schleuder.
„Sie können Pflanzen und Tiere ganz genau auseinanderhalten und erstaunen
damit oft auch ihre Eltern“, sagt die Erzieherin. Auch dass ein Buchenblatt
im Computerzeitalter für so viel Begeisterung sorgt, ist normal. „Unsere
Kinder brauchen keine Spielsachen. Sie nehmen das, was sie finden und sind
unheimlich fantasievoll, wenn es darum geht, neue Spiele zu erfinden“, sagt
Rohland und erzählt von einem umgekippten Baumstamm, der zum Flugzeug oder
zur Ladentheke wird, von Blättern, die zu Schmetterlingen, von Stöcken, die
zu Schwertern werden. Oder zu Schleudern. Als die Kinder auf ihrem
Lieblingsplatz angekommen sind, bindet Max (6) nämlich mit einem Seil ein
Stück Rinde auf eine Astgabel. „Das wird eine Steinschleuder“, erklärt er
und schießt auch gleich einen Stein in den Wald. Silas hängt derweil
kopfüber an einem Ast und schaukelt. „Kinder, die in den Waldkindergarten
gegangen sind, können sich unheimlich gut selbst beschäftigen“, sagt
Rohland.
Von den Grundschulen bekommen die Erzieherinnen die Rückmeldung, dass sich die
Waldkinder später besonders gut konzentrieren können und sehr sozial im
Umgang mit anderen sind, denn auch das lernen sie im Wald ja Tag für Tag. Im
Container am Sachsenwaldring bleiben die Kinder nur bei Sturm oder
Dauerregen. Selbst im Winter sind die Kinder etwa zwei Stunden im Wald
unterwegs. Positiver Nebeneffekt: Die Waldkinder sind selten krank.
Verzichten müssen sie auf nichts, denn es gibt sogar Eis im Wald. Weil Corvin
bald in die Schule kommt, hat sich seine Mutter Catharina Bethien mit einer
Tüte voller Eis für alle Waldkinder auf den Weg gemacht. Bethien ist
überzeugt von dem Konzept des Waldkindergartens. „Die Kinder toben sich hier
aus und lernen eine ganze Menge“ sagt sie. Und immer wieder lernt auch
Catharina Bethien von den Kindern, wie sie schmunzelnd berichtet: „Letztens
habe ich zu Corvin gesagt: Guck mal, da ist ein Vogel. Dann hat er mich
verbessert und gesagt: Das ist eine Blaumeise.“
Artikelkommentare abonnieren
Kommentar abgeben
Noch kein Kommentar abgegeben



Abo
Printarchiv
Leserbrief
Kontakt
Gastro-Tipps
Preisvergleich
Leserreisen
Versicherungscheck
Energievergleich
Immobiliensuche










