30.03.12

Gewinnzone

Fette wieder auf dem Weg an die Spitze

Schwarzenbek. Die Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2009 hatte auch das Schwarzenbeker Vorzeigeunternehmen Fette gebeutelt. Hinzu kam eine Teilung der LMT-Firmengruppe, zu der auch Fette gehört. Mit einem neuen Management ist jetzt die Wende gelungen. Von Marcus Jürgensen

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Das Logo der LMT-Gruppe zeigt einen stilisierten Span. Mit einem Speedcore-Bohrer wurde es in den massiven Metallblock gefräst.

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Vorführung im Schulungszentrum der LMT-Akademie: Die Besucher erleben, wie einfach und schnell Metallblöcke mit den neuen, von Fette entwickelten Fräsköpfen bearbeitet werden können.

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Neu im Fette-Programm: ein Fräser mit abnehmbaren Kopf mit Speedcore-Beschichtung und integrierter Kühlung.

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Im Gespräch: Fette-Geschäftsführer Joachim Peter (li.) und Bürgermeister Frank Ruppert.

Das Unternehmen Fette gehört nicht nur bei den Tablettiermaschinen für die Pharmaindustrie zur Weltspitze, sondern auch im Werkzeugbau.

Schon im vergangenen Jahr war das Traditionsunternehmen in die Gewinnzone zurückgekehrt. Allein von 2009 bis 2011 hatte sich der Umsatz der Werkzeugtechnik, die vor allem Fräsköpfe für die Metallbearbeitung herstellt, von 44,76 Millionen auf 65,66 Millionen Euro erhöht. Für das laufenden Jahr erwartet Joachim Peter, einer von drei Fette-Geschäftsführern, eine weitere Steigerung um 13 Prozent auf 74,08 Millionen Euro.

Grund ist eine massive Umstrukturierung. Nicht nur 250 Mitarbeiter mussten 2009 gehen, sondern auch viele der alten Werkzeugmaschinen. Heute gibt es in den Hallen schlanke Strukturen: Produkte wie die aus einer neuen Legierung bestehenden Speedcore-Fräsköpfe werden gemeinsam von Mitarbeitern aus Forschung, Vertrieb und Fertigung entwickelt und in Produktionsstraßen statt an einzelnen Stationen hergestellt. Peter: "Wir sind von einem Vollsortimenter, der auf Nischen spezialisiert war, zu einem Multispezialisten geworden."

Wie ein warmes Messer durch kalte Butter gleitet der Speedcore-Fräskopf in Sekundenbruchteilen durch den massiven Metallblock und hinterlässt eine glatte Kante ohne jegliche Grate. Die eindrucksvolle Vorführung im Fette-Schulungszentrum auf dem Firmengelände an der Grabauer Straße war der Höhepunkt einer Betriebsbesichtigung des Verbands der Südholsteinischen Wirtschaft (VSW) beim Schwarzenbeker Traditionsunternehmen.

Den Fräser, gefertigt aus einer Legierung aus Kobalt, Molybdän und kohlenstofffreiem Eisen, hatte Fette bereits im vergangenen Jahr auf der EMO, der Weltleitmesse für die Metallbearbeitung in Hannover, vorgestellt. Neu ist, dass es die Fräser auch mit integrierter Kühlung und auswechselbarem Kopf gibt: Auf einem "flexiblem" Stahlschaft sitzt ein Kopf aus dem harten, verschleißfreien Material und durch feine Röhrchen im Schaft fließt die Kühlflüssigkeit direkt in den Fräskopf. "Dadurch erreichen wir eine 25 Prozent höhere Leistung", erläuterte Ingenieur Clemens Mohr den Besuchern die Vorteile der Fette-Neuentwicklung.

Möglich wurde diese durch eine massive Umstrukturierung des Unternehmens. Während der Maschinenbau mit den Tablettiermaschinen schon immer zur Weltspitze gehörte und mittlerweile seine Aktivitäten in Indien, China, Singapur und Brasilien immer weiter ausbaut, kränkelte die Werkzeugsparte des Unternehmens. Mittlerweile wurde die Produktpalette entrümpelt: Der einst mehrere Hundert Seiten dicke Katalog ist einem handlicheren Format gewichen: Die Produktpalette wurde massiv ausgedünnt, einige Produkte werden sogar von Mitbewerbern zugekauft. "Wir konzentrieren uns auf technologisch hochwertige Produkte", sagt Geschäftsführer Joachim Peter. Doch nicht nur der Katalog ist schlanker geworden, auch die Abläufe wurden optimiert: Neue Produkte werden im Team entwickelt und nicht mehr in weit über das Gelände verstreuten Werkstätten produziert, sondern an neuen Fertigungsstraßen. "Wir haben die Komplexität herausgenommen und den Umsatz erhöht", sagt Peter.

Ein Erfolgsrezept, das auf die Stadt jedoch nur schwer anwendbar sei, so Bürgermeister Frank Ruppert, der sich im Anschluss an die Besichtigung den Fragen der VSW-Mitglieder stellte. 40 Millionen Euro habe Schwarzenbek seit 2008 in den Bereich Bildung investiert, das Gewerbsteueraufkommen sei heute jedoch niedriger als vor der Jahrtausendwende. Auch beim Finanzausgleich sieht er Schwarzenbek benachteiligt: Die Europastadt erhält aus Kiel die gleiche Summe wie Tönning, das nur 5000 Einwohner hat. "An eine Änderung dieses zentralörtlichen Systems als Grundlage der Gemeindefinanzierung traut sich aber kein Politiker ran", so der Verwaltungschef. Er versprach, die Bürger bei der Haushaltskonsolidierung einzubeziehen, sie um Vorschläge zu bitten und die Fortschritte im Sparkonzept im Internet zu dokumentieren.

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