Stadtverordnete
Rettungsschirm für Schwarzenbek
Sonntag, 18. März 2012 20:06
- Von Marcus Jürgensen
Schwarzenbek. Mit elf Ja- und sechs Nein-Stimmen beschlossen die Kommunalpolitiker am Freitagabend den Einstieg in die Haushaltskonsolidierung. Im dem auf zehn Jahre angelegten Vertrag mit dem Land verpflichtet sich die Stadt, ihre Verschuldung abzubauen. Die beträgt aktuell 13,1 Millionen Euro, dazu kommen 9,3 Millionen Euro als Kassenkredite.

Foto: Jann
Nachdenklich: Schwarzenbeks Bürgermeister Frank Ruppert
Diese beträgt aktuell 13,1 Millionen Euro, dazu kommen 9,3 Millionen Euro als
Kassenkredite. Der Fehlbetrag im aktuellen Haushalt beträgt rund vier
Millionen Euro. Über den Konsolidierungsvertrag würde die Stadt 3,1
Millionen Euro erhalten, müsste zudem 600.000 Euro einsparen (wir
berichteten). Damit wäre der aktuelle Haushalt fast ausgeglichen.
„Wir müssen nicht sparen, weil es das Haushaltskonsolidierungsgesetz gibt,
sondern wir haben das Gesetz, weil wir sparen müssen“, stellte
CDU-Faktionschef Hans-Joachim Delfs klar und warb um eine breite Mehrheit.
Und auch Harms appellierte an die Stadtverordneten: „Ich bin kein
pathetischer Typ, aber dieser Antrag ist sicherlich der folgenschwerste in
dieser Legislaturperiode.“ Dies bedeute jedoch nicht, dass sofort 600.000
Euro eingespart werden, erläuterte Susanne Heyer-Borchelt (SPD) den
zahlreichen Zuschauern das Prozedere: „Heute geht es um den Grundsatz: Wir
wollen mit dem Land in Verhandlungen treten.“ Bis zum 15. April muss der
Bürgermeister bei Innenminister Klaus Schlie einen Antrag auf
Vertragsabschluss stellen und bis zum 15. Oktober 2012 ein
Konsolidierungskonzept erarbeiten.
An dieser weitestgehend durch das Land vorgegebenen Formulierung rieben sich
jedoch FPD und FWS und sahen sich ihrer Mitwirkungsrechte beraubt. „Hier
wird suggeriert, dass die Verwaltung die Konsolidierung ausarbeitet“,
kritisierte Helmut Stolze (FPD) den Entwurf und forderte eine breite
Mitwirkung der Bürger. Einen „Erpressungsversuch des Landes“ gar nannte
Bernhard Böttel (FWS) den Vertrag: „Jeder, der hier im Raum ist, weiß, dass
wir das nie zehn Jahre durchhalten und deshalb sollten wir es auch nicht
tun.“
Kurios: Um den Kritikern entgegenzukommen, wurde der Beschlussvorschlag
mehrfach so verändert, dass er am Ende „weicher“ formuliert war, als der
Antrag von FWS und FDP. Die blieben jedoch bei ihrem Nein. Für die
Inanspruchnahme der Konsolidierungshilfen stimmten die elf Stadtverordneten
von SPD, CDU und Grüne.
In den Konsolidierungsvertrag wird auch die neue Straßenbaubeitragssatzung
einfließen. Um die Satzung auf den neuesten Stand zu bringen, hatte die
Stadt extra einen renommierten Verwaltungsjuristen engagiert. Der hatte
jedoch übersehen, dass nach dem neuen Kommunalabgabengesetz der Höchstsatz
in Anliegerstraßen von bisher 75 Prozent „nur“ auf 85 und nicht auf 90
Prozent angehoben werden kann (wir berichteten). Die Stadtverordneten
beschlossen mit elf Ja-, sechs Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen eine
Satzung, die nun den „jeweils gültigen Höchstsatz“ als Eigenanteil für
Anwohner festschreibt. Die FWS protestiere zwar gegen die Abstimmung, weil
sie im Bauausschuss noch einmal über die Satzung beraten wollte, beantragte
jedoch keine Vertagung.
Gegen die Stimmen der FWS beschlossen die Politiker die Zusammenführung der
beiden Grundschulen in der Stadt unter dem Dach der Verbandsschule Nordost
an weiterhin zwei Standorten. Durch die Zusammenlegung sollen
Synergieeffekte erzielt werden, die im Konsolidierungspakt gefordert werden.

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JackBauer meint:
Danke, das ist mehr als fair.
Redaktion meint:
JackBauer meint:
Wörtlich lautet der CDU-Antrag: "Da die CDU-Fraktion ihren Antrag als einen Beratungspunkt für einen angemessenen Konsolidierungsbeitrag einordnet, überweist sie diesen Antrag in die beteiligten Gremien für die Erarbeitung eines entsprechenden Konsolidierungskonzeptes."
Das heißt, eine Entscheidung über eine Zusammenlegung ist noch nicht einmal im Ansatz getroffen worden.