Brand
„Wir konnten uns retten, für mehr reichte die Zeit nicht“
Donnerstag, 2. Februar 2012 15:52
Gülzow. Am Tag nach dem verheerenden Brand stehen die Schenks vor dem Nichts. Die fünfköpfige Familie konnte nichts mehr retten außer dem eigenen Leben. Vorerst sind sie bei Freunden untergekommen. Jetzt hoffen sie, dass sie sich bald etwas Neues aufbauen können.
Daniela Schenk hat bei dem Großbrand in Gülzow alles verloren. Die 29-Jährige lebte mit ihrem Mann und den beiden Kindern (sechs und acht Jahre) im Dachgeschoss des Hauses, das am Mittwoch am Buchenweg durch einen Großbrand völlig zerstört wurde. Im Erdgeschoss lebte ihre Mutter. „Wir konnten uns retten, für mehr reichte die Zeit nicht“, sagt Daniela Schenk.
Nachts gegen 0.30 Uhr war sie wach geworden, weil sie im Erdgeschoss einen piependen Rauchmelder gehört hatte. „Ich bin gleich runter und habe da meine Mutter gesehen, die versuchte, ein Feuer auf dem Sofa zu löschen“, erzählt die junge Frau. Aus ungeklärten Gründen war das mit Mikrofaser bezogene Sofa im zum Garten gelegenen Wohnzimmer des Einfamilienhauses in Brand geraten. Eimerweise Wasser half ebenso wenig, die Flammen zu löschen, wie der eiligst aus dem Auto geholte Feuerlöscher. Simon Schenk, der zwischenzeitlich ebenfalls ins Erdgeschoss gekommen war, schildert die Lage: "Das Material des Sofas tropfte heiß runter, es war nicht zu löschen. Wir haben dann versucht, das Sofa durch die Terrassentür ins Freie zu bringen, aber das hat nicht geklappt.“
Innerhalb weniger Minuten – mittlerweile war auch die Feuerwehr unterwegs zum Buchenweg – brannte das Sofa lichterloh. Die lodernden Flammen schlugen hoch bis in den Dachüberstand des Hauses. Daniela und Simon Schenk holten ihre Kinder von oben, dann brachte sich die fünfköpfige Familie in Sicherheit. Bei Nachbarn fanden sie in der eisigen Nacht zunächst Unterschlupf. Die Feuerwehr löschte mit fast 100 Einsatzkräften stundenlang, doch von dem Haus blieb nur eine verkohlte Ruine. Das Dachgeschoss ist komplett ausgebrannt, auch im Erdgeschoss gibt es schwere Schäden.
„Es ist nichts mehr da, wir haben wirklich alles verloren“, sagt Daniela Schenk. Trotzdem gibt sie die Hoffnung nicht auf, vielleicht noch irgendeine Erinnerung zu finden, sobald die Kriminalpolizei die Ruine freigegeben hat. Doch vorerst ist das abgebrannte Haus beschlagnahmt, Ermittler wollen versuchen, die Brandursache zu klären. Aufgrund der starken Brandeinwirkungen im Wohnzimmer dürfte das eine schwierige Aufgabe werden.
Fünf Jahre lebte Familie Schenk am Buchenweg. „Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Mal sehen, was die Versicherung sagt, ich denke, wir werden etwas Neues aufbauen“, meint Simon Schenk. Sein Chef hat ihm erst mal frei gegeben, damit er sich um seine Familie und die Organisation der nächsten Tage kümmern kann. Vorerst wohnen die Schenks bei Freunden am Küsterkamp. „Es ist gut zu spüren, dass man viele gute Freunde hat, die einem in so einem Moment helfen“, bedankt sich Daniela Schenk. „Es ist furchtbar gelaufen, aber es tut gut, so eine tolle Hilfe und den Beistand zu erfahren“, sagt ihr Mann.tja
Bergedorfer Zeitung Online
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