Tunnel-Posse
Schlitterpartie für Autofahrer
Donnerstag, 26. Januar 2012 18:06
- Von Marcus Jürgensen
Schwarzenbek. Weil die Spundwände undicht sind, läuft Wasser im Meiereitunnel auf die Straße und gefriert dort zu Eis. Bahn und Behörden schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu und nichts passiert.

Foto: Jürgensen
Die Unterführung am Meiereitunnel: Eis bedeckt die Fahrbahn, weil Dichtungsgummis im Bereich der Spundwände porös sind.
An mindestens drei Stellen fließt Wasser durch die Spundwände des
Meiereitunnels auf die Straße und gefriert dort zu einer dicken,
mittlerweile bereits fast einen Meter breiten Eisschicht. Der städtische
Bauhof hat bereits reagiert und am Straßenrand Warnbaken und rot-weiße
Pylonen aufgestellt sowie Salz gestreut. Dennoch erschrecken Autofahrer
immer wieder, wenn sie die Eisfläche am Straßenrand entdecken und bremsen
ab.
Das Problem ist nicht neu, schnelle Abhilfe ist jedoch nicht in Sicht, denn
die Unterführung wurde als Eisenbahnkreuzungsmaßnahme von der Deutschen Bahn
AG, der Stadt und dem Kreis geplant. Die Bahn weist jedoch jede
Verantwortung zurück: „Alle Tunnelteile, die nicht unmittelbar unter den
Gleisen liegen, sind nicht in unserer Verantwortung“, sagt Bahnsprecherin
Sabine Brunkhorst. Zuständig sei hier der „Straßenbaulastträger“. Das ist
laut Reinhard Cordes, Fachmann für Straßenbau im Schwarzenbeker Bauamt, der
Kreis.
Die Stadt selbst sei laut Vertrag nur für die Pflege des auf der Ostseite
gelegenen Fuß- und Radwegs zuständig. Die Kreisverwaltung weiß auch schon
Bescheid: Bereits vor einem Jahr hat Cordes seine Kollegen in Ratzeburg
informiert. Damals war ebenfalls Wasser im Bereich der Fugen auf die
Fahrbahn geflossen und zu Eis gefroren. Bis Redaktionsschluss gab es dazu
keine Stellungnahme des Kreises.
Vor zehn Jahren, am 19. April 2002 ist die Unterführung für den Verkehr
freigegeben worden. Einzelne Betonplatten, sogenannte Flügelwände, die
mittels Dichtungsbändern miteinander verbunden sind, verhindern, dass das
Erdreich im Tunnelbereich ins Rutschen gerät. Das sei gängige Praxis, sagt
Cordes: „Eine durchgängige Betonwand würde reißen. Um solchen
Spannungsrissen vorzubeugen, werden Bewegungsfugen eingesetzt.“ Durch die
fließt nun aber munter das Wasser – nicht nur tröpfchenweise, sondern als
kleines Rinnsal.
Auf der westlichen Tunnelseite sickert das Wasser besonders nach Regenfällen
durch die Fugen und läuft über einen Betonweg auf die Fahrbahn und die
dortigen Abläufe. Bei Minusgraden gefriert es jedoch am Straßenrand zu einer
Eisschicht. Fußgänger sind dort nicht in Gefahr – der Weg ist außer zu
Wartungsarbeiten zu Fuß nicht erreichbar. Unklar ist, ob das Problem durch
mangelnde Pflege entstanden ist, oder ob beim Bau ein Fehler gemacht wurde.
Stand der Technik wäre eine Schotterschicht mit Drainage sowie eventuell ein
Kontrollschacht samt Pumpe. Denn die Fugenbänder sind laut Cordes zwar
wasserfest, aber nicht geeignet, stehendes Wasser aufzuhalten.
Zwar gibt es im Hangbereich Gullyschächte und, wie im übrigen Bereich der
Kerntangente auch, einen Graben. Dieser ist jedoch stark zugewachsen.
Vorsicht Eis: In der Unterführung zum Meiereitunnel läuft Wasser durch die
Dehnungsfugen der Spundwände auf die Straße und bildet am Straßenrand eine
dicke Eisschicht.

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