Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/reinbek/article81034/In_diesem_Kino_wird_scharf_geschossen.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

In diesem „Kino“ wird scharf geschossen

Ratzeburg/Reinbek. Der Mann ist aus dem Nichts aufgetaucht und zielt mit seiner Waffe auf Petra Gegner. Die Polizistin geht in Deckung und schießt. Tatort: Das Schießkino in der Polizeidirektion Ratzeburg.
Polizistin Petra Gegner ist in Deckung gegangen und zielt auf einen Angreifer.
Foto: Peggy Hesse-Sommer
Polizistin Petra Gegner ist in Deckung gegangen und zielt auf einen Angreifer.
So heißen Schießstände heute, weil hier nicht mehr auf Scheiben gezielt wird. Stattdessen erscheinen auf einer Leinwand wechselnde Bilder. Dahinter verbirgt sich ein Kugelfang. Denn hier wird scharf geschossen.
Petra Gegner steckt ihre Waffe weg. Läuft vor bis zur nächsten halbhohen Wand, sucht wieder Deckung. Die Lage ist unübersichtlich. Mal schlendert ein harmloser Passant mit Koffer über die Leinwand, dann wird wieder auf die Hauptmeisterin aus Bad Oldesloe angelegt. Einen Tag lang dauert das Einsatztraining, zu dem alle Polizisten aus Stormarn und Lauenburg zweimal im Jahr an die Seestraße nach Ratzeburg kommen müssen.
„Hier wird geübt, im Team vorzugehen und der Situation angemessen zu handeln“, erläutert Torsten Fox. Der stellvertretende Revierleiter von Reinbek ist einer von 20 Einsatztrainern, die im Wechsel für die Schulungen der Kollegen verantwortlich sind. Die Polizisten lernen, mit den unterschiedlichsten Gefahrensituationen fertig zu werden.
Dabei geht es nicht nur um den sicheren Gebrauch der Waffe, sondern auch darum, Gefährdungspotenziale einzuschätzen. Manchmal reicht ein Pfefferspray, um einen Angreifer außer Gefecht zu setzen, ein anderes Mal hilft nur ein gezielter Schuss. Auch wenn viele Polizisten es im Dienst vielleicht nie erleben, beim Training spielen sie es immer wieder durch.
In der Realität hätte es für Petra Gegner, die mit ihrer Kollegin, Polizeihauptkommissarin Stefanie Gorski, im Schießkino trainiert, brenzlig werden können. Den Blick bereits fest auf die Leinwand gerichtet, hatte sie die erste Bedrohung übersehen: einen Jungen mit Schlagstock, der hinter einer mannshohen Mauer wartet.
Das ging ihren männlichen Kollegen allerdings ebenso. Zu zehnt trainieren sie hier den Ernstfall. Während die eine Hälfte im abgedunkelten Schießkino ihre Aufgaben erledigt, müssen die anderen ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse unter Beweis stellen.
Danach geht es zur Sache. Auf dem Schießgelände der Bundespolizei im Waldstück Hundebusch müssen die Beamten einen „richtigen“ Täter zu Fuß verfolgen. „Das gehört mit zu den gefährlichsten Situationen für Polizisten“, sagt Torsten Fox. Zuvor hat der 46-Jährige die Lage in einem Vortrag erläutert. Nun müssen die Kollegen in einer verregneten Dezembernacht ein mit Osteuropäern besetztes Auto in ländlichem Gebiet verfolgen. Doch die Männer bemerken die Polizeistreife. Sie machen eine Vollbremsung und flüchten. Dann greifen sie an.
„Wir legen Wert darauf, alltägliche Situationen zu üben“, sagt Einsatztrainer Andreas Dirscherl aus Ratzeburg. Dazu gehören neben dem Angriff auf Polizisten auch Durchsuchungen von Personen und Gebäuden, Verkehrskontrollen und häusliche Gewalt. Eine Ausnahme bildet die Schulung für das Verhalten bei einem Amoklauf. Sie dauert zwei Tage, „weil das ein sensibles Thema ist“, so Dirscherl. Wichtig seien außerdem landesweite Standards beim Polizeitraining. Nur so können Gefährdungspotenziale bei gemeinsamen Einsätzen möglichst gering gehalten werden.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008