Schaufenster-Krankheit
Künstliche Adern helfen Reinbekerin wieder auf die Beine
Donnerstag, 26. August 2010 19:10
- Von Anne Müller
Reinbek. „Elli“ ist eine Jagdhund-Schnauzer-Mischung und trotz ihrer zehn Jahre noch ein agiles Kraftpaket. Nach Spaziergängen ruht sich die Hundedame am liebsten auf dem Ecksofa aus. Der Mittagsauslauf mit Frauchen Hannelore Wulff fiel jedoch seit einem dreiviertel Jahr immer kürzer aus.
Die 68-Jährige bekam beim Gehen starke Schmerzen. Immer wieder musste sie stehen bleiben. Nach einem Besuch beim Hausarzt stand fest: Da muss etwas passieren. Die Arterien in den Oberschenkeln waren durch Ablagerungen verengt. „Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass mir eine aufwendige Operation erspart bleibt“, sagt sie. Mit einer neuen Generation von extra-langen Gefäßprothesen hat der Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus St. Adolf-Stift, Prof. Gerrit Krupski-Berdien, an ihr einen der ersten drei Eingriffe weltweit vorgenommen – und die sogenannte „Schaufenster-Krankheit“ im linken Bein behandelt.
Bergedorfer Zeitung Online
Hannelore Wulff kann das linke Bein inzwischen wieder ohne Beschwerden bewegen. „Ich bin begeistert. Vor neun Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen“, hatte sie am eigenen Leib erfahren. Damals fühlte sie das erste Mal beim Gehen einen stechenden Schmerz. „So als hätte mir jemand ein Messer ins Bein gestochen. Das tat wahnsinnig weh“, erinnert sich die Röntgenassistentin. Damals wurde die Oberschenkelarterie mit einem kleinen Ballon geweitet, was die Beschwerden für einige Zeit linderte.
Die schlanke und sportliche Reinbekerin hat immer auf ihren Körper geachtet und schnell die neuen Symptome erkannt. Wenn die Arterien, die das Blut vom Herz wegführen und unter größerem Druck als die Venen stehen, nicht mehr funktionieren, merkt man das äußerlich nicht so stark wie bei den Venen. Beim Sitzen verschwinden die Schmerzen sogar ganz, sagt Wulff. Deshalb gehen auch viele Menschen gar nicht zum Arzt und meiden einfach Bewegung. Was fatal ist und dramatische Folge haben.
Um über die Krankheit aufzuklären, geht die Reinbekerin ganz offen mit ihrer Geschichte um, auch weil die Behandlung inzwischen ein Klacks ist. „Die Technik ist funkelnagelneu. Das Aufweiten dauert ein paar Sekunden. Dann ist alles vorbei. Man kann sich sogar mit den Ärzten unterhalten. Das einzig Schlimme war nur, dass ich danach 24 Stunden bewegungslos auf dem Rücken liegen musste. Aber es ist ein wunderbares Gefühl, keine Beschwerden mehr zu haben.“ Das findet auch „Elli“, die sich schon auf den ersten ausgiebigen Spaziergang freut, wenn Frauchen am Mittwoch hoffentlich wieder fest auf beiden Beinen steht.
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