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Nur 48 Anmeldungen für die neuen fünften Klassen

Reinbek. Jetzt geht es wieder los: Anne (11) freut sich schon auf ihre Klassenkameraden in der Gemeinschaftsschule. Nach einem Jahr sind Schüler, Eltern und Lehrer begeistert von dem neuen Unterrichtskonzept.
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Foto: DPA
Physikunterricht. Wenn starke und weniger starke Schüler gemeinsam lernen, sollen sie voneinandeer profitieren können.
„Mir gefällt es ausgesprochen gut“, sagt Annes Mutter Sieglinde Siemen. „Meine Tochter geht immer gern zur Schule. Sie fühlt sich dort aufgehoben.“
Doch die neue Schulform wird offenbar verkannt: Nur 48 neue Schüler wurden für die zwei neuen, fünften Klassen angemeldet. Gegenüber 65 Anmeldungen im Vorjahr. Denn viele Eltern bevorzugen für ihr Kind das Gymnasium – auch wenn es keine Empfehlung für die Oberschule hat.
„Ich fürchte, die meisten von ihnen werden wir in eineinhalb Jahren wieder sehen“, sagt Schulleiter Frank Lölling. „Das Phänomen Gemeinschaftsschule ist noch neu. Die Eltern haben leider noch nicht verinnerlicht, dass es ein guter Weg sein kann, das Abitur nach der Gemeinschaftsschule zu machen.“ Er und seine Kollegin Sandra Schmitt, Koordinatorin für die Gemeinschaftsschule, ziehen nach dem ersten Jahrgang ein positives Fazit. Bei ihnen werden alle Fünftklässler, egal ob mit Real-, Haupt- oder Förderschulempfehlung, gemeinsam unterrichtet.
„Solange wir für die Fördermaßnahmen weiterhin Unterstützung vom Land bekommen, ist das eine rundum gute Sache“, stellt Lölling fest. Denn momentan gebe es Pool-Stunden, in denen zwei Lehrer sich die Klasse teilen können. „Dabei muss es nicht nach Leistung gehen“, betont er. „Die Kollegen können frei entscheiden. Der Vorteil: Sie können sich intensiver um die Kinder kümmern.“
Auch der Elternbeiratsvorsitzende Achim Werner macht den Erfolg von Kiel abhängig: „Es kann eine Erfolgsgeschichte werden, aber das Land tut noch zu wenig für die neue Schulform.“ Für seinen älteren Sohn, der auf die Hauptschule ging, hätte er sich die Gemeinschaftsschule sehr gewünscht.
Die neue Unterrichtsform sei auch für die Lehrer eine Umstellung gewesen, berichtet Sandra Schmitt. Doch der binnendifferenzierte Unterricht, wie das gemeinsame Lernen genannt wird, klappt gut: „Wir müssen innerhalb einer Klasse fördern und unterstützen“, erläutert die Mathematiklehrerin. „Ein positiver Aspekt: Die guten Schüler helfen den weniger guten. Das Erklären ist für sie ein guter Trainingseffekt. Denn das funktioniert nur, wenn sie alles verstanden haben.“ Zusätzlich würden die besseren Schüler komplexere Aufgaben bekommen, bei denen sie auch eigene Fragestellungen entwickeln müssten. Am Anfang stehe für alle die Anleitung zur Selbstorganisation, etwa mit einer Checkliste für den Schulranzen.
Die Lehrer haben sich durch Fortbildungen vorbereitet. „Aber wir arbeiten jetzt auch viel stärker im Team“, stellt Schmitt fest. Lölling sagt: „Ich freue mich, wenn ich um 15 Uhr durch die Schule gehe und noch fleißige Lehrergruppen antreffe. Ich merke daran: Auch die Kollegen haben Spaß am neuen Unterricht.“
Verbessert werden soll jetzt noch die Bewertung der Kinder. Vom Bildungsministerium ist nur ein Kompetenzraster vorgesehen, bei dem die Lehrer für einzelne Fähigkeiten vier verschiedene Bewertungen von „Trifft zu“ bis „Trifft nicht zu“ ankreuzen. „Doch damit waren vor allem die Eltern unzufrieden.“ Zensuren zu vergeben, sei wegen der unterschiedlichen drei Leistungsniveaus jedoch schwierig. Zusätzlich will die Schule deshalb jetzt ein System mit übergreifenden Noten von 1 bis 8 einführen.
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