Hartz-IV
Umzug endet in Notunterkunft
Donnerstag, 19. August 2010 20:18
- Von Susanne Tamm
Reinbek. Nicole Martens ist verzweifelt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so tief fallen könnte.“ Seit zwei Wochen lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern in einer Obdachlosenwohnung in Witzhave.

Foto: Susanne Tamm
Nicole Martens und ihre Tochter Fiona (3) wünschen sich nichts sehnlicher, als aus der Obdachlosenwohnung wieder ausziehen zu können.
In Eigeninitiative hat sich die ehemalige Hartz-IV-Empfängerin von Sachsen aus einen Arbeitsplatz als Kinderpflegerin in einer Krippe, eine Wohnung sowie für ihre Kinder einen Kindergarten und eine Grundschule in Trittau gesucht. „Ich wollte doch alles richtig machen“, sagt die 33-Jährige. Wer Leistungen der Arge bezieht und umziehen will, sollte sich im Behördendschungel genau auskennen. Sonst kann, wie bei Nicole Martens, alles schiefgehen. Denn ihr erstes Gehalt bekommt sie erst am Ende des Monats.
Als sie Anfang des Monats mit dem Umzugsunternehmen aus Sachsen anreiste, konnte sie ihre Wohnung nicht beziehen. Laut Arge ist die Miete 60 Euro zu teuer. Ihr Freund aus Sachsen nahm sich Urlaub, um ihr beizustehen. Martens musste sich einen Lkw anmieten, um die Möbel umzuladen. Die erste Nacht verbrachten sie bei einer Freundin. Schließlich nahm sich das Amt für soziale Dienste ihrer an. „Als mir die Sachbearbeiterin sagte: ‚Wir müssen Sie obdachlos melden’, war das der Tiefpunkt“, erinnert sie sich.
Die nächste Nacht campierten sie im Transporter. „Zuerst wollte das Amt meine Kinder in ein Heim stecken, aber das habe ich nicht zugelassen.“ Endlich wurde ihnen die Obdachlosenwohnung in Witzhave vermittelt. Nicole Martens wuchtete mit ihrem Freund Möbel und Kartons hinein. „Er hat mir das Geld für den Lkw geliehen“, erzählt sie. Er betreut momentan auch die dreijährige Tochter. Denn am 16. August hat Nicole Martens ihre Arbeit angetreten. Jeden Tag fährt sie mit dem Rad neun Kilometer nach Trittau und wieder zurück. Ihr Sohn lebt zurzeit bei seinem Vater in Harburg. Die Einschulungsfeier des Kleinen nächsten Mittwoch hat sie abgesagt. „Hier will ich keinen Besuch haben“, sagt die 33-Jährige und kann die Tränen nicht mehr zurückhalten: „Ich konnte ihm noch nicht einmal eine Schultüte kaufen. Ich habe mir schon so viel geliehen. Ohne meinen Freund, meine Eltern und Ex-Schwiegereltern wüsste ich nicht mehr weiter. Jetzt habe ich nur noch vier Euro.“
Wie lange die Wohnung in Trittau noch für sie frei gehalten wird, weiß sie nicht. Bei der Arge Reinbek wurde sie immer wieder vertröstet. Schließlich hieß es, sie hätte keinen Anspruch auf weitere Leistungen. Das Umzugsunternehmen immerhin wurde mittlerweile von der Arge in Freiberg/Sachsen bezahlt. Ob sie sich das ärztliche Attest für den Kindergartenbesuch ihrer Tochter leisten kann, weiß sie jedoch noch nicht. „Dabei wollte ich meinen Kindern nur einen besseren Start ins Leben ermöglichen“, sagt sie.
Für Matthias Kiebert, stellvertretender Leiter der Arge in Reinbek, steht fest: „Wir haben keinen Fehler gemacht. Die Kaution hätte Nicole Martens vorab bei uns beantragen müssen. Wir hätten ihr gleich mitgeteilt, dass wir für eine zu teure Wohnung die Kaution nicht übernehmen dürfen.“ Entweder sei sie falsch beraten worden oder sie habe die Situation falsch eingeschätzt. Die Arge in Freiberg war bis gestern Abend nicht in der Lage, Stellung zu Nicole Martens’ Fall zu nehmen.
Kiebert rät der Alleinerziehenden jetzt dringend, die Wohngeldstelle in Trittau und die Kindergeldkasse in Bad Oldesloe aufzusuchen. Denn sie sei berechtigt, das vorrangige Wohngeld und Kinderzuschläge zu beziehen. Allerdings würde ihr Einkommen dann über die Bemessungsgrenze für die Arge-Leistungen hinausgehen. Nicole Martens ist keine Hartz-IV-Empfängerin mehr – doch ihr Aufstieg stürzt sie in Probleme.

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Harder meint:
Wäre schön wenn sie weiter berichten könnten.
Evtl könnte man ein paar Spenden sammeln um der kleinen Familie den Start zu erleichtern.
Bitte um INFO!
Petra Bolte meint:
Ich wünsche Frau Martens die Kraft, diese schwierige Zeit zu überstehen und mehr Glück als bisher für die Zukunft.