Vandalismus
Schamlose Randale rund um die Kirche
Freitag, 13. August 2010 19:18
- Von Susanne Holz
Reinbek. Die Spielkarten mit Bildern von nackten Frauen liegen direkt vor dem Hauptportal der Nathan-Söderblom-Kirche. In der Ecke riecht es streng. Hausmeisterin Inge Alberts weiß warum: „Unbekannte urinieren gern in die Hausecke, der Urin läuft bis in den Eingangsbereich.“ Ihrer eigenen Logik folgend haben die Vandalen auf die Lampe davor geschrieben: „Kirche stinkt.“
Mit Aceton rückt der Zivildienstleistende Oliver Ehlers den unflätigen Bemerkungen zu Leibe. Selbst nach einer Viertelstunde Arbeit, ist die Schmiererei noch sichtbar. Die auf den blauen Eingangstüren waren noch frisch, dementsprechend besser zu entfernen.
Bevor sich der 23-Jährige die Gummihandschuhe überzog, musste ein geklautes Fahrrad sichergestellt und Glasmüll aus den Blumenrabatten gefischt werden. „Manchmal hängt auch ein Kondom ausgerollt an der Eingangstür oder Unbekannte haben die Bänke auseinandergebaut. Die sind zudem noch beschmiert“, sagt Hausmeisterin Alberts. Ein kurzer Blick auf die Mauern des Turms zeigt, dass auch dort Unbekannte mit der Spraydose eine Spur des Vandalismus hinterlassen haben.
So oder ähnlich beginnen seit Wochen die Tage rund um die Kirche am Täbyplatz. „Es kostet uns viel Zeit, das Kirchengelände täglich wieder in einen Ort zu verwandeln, an dem sich die Menschen wohl fühlen“, sagt Alberts.
Pastorin Barbara Schöneberg-Bohl ist getroffen, wenn sie ihr Gotteshaus jeden Tag aufs Neue in einem solchen Zustand vorfindet. „Ich habe Angst, dass viele uns den Stempel ,Kirche der Chaoten’ aufdrücken. Wir möchten eine offene Kirche sein, in die sich jeder eingeladen fühlt“, sagt die Pastorin. Entwürdigend sei es, wenn die Mitarbeiter den Dreck weg machen müssten, respektlos, wenn ein Gotteshaus so zugerichtet werde. Die Pastorin weiß, dass es Jugendliche sind, die das Kirchengelände in regelmäßigen Abständen verwüsten. „Ich bin sicher, dass es kein Angriff gegen die Kirche als solches ist“. Es seien Langeweile und Frust, die sich dort entladen. „Es fehlt an Angeboten für die Heranwachsenden“, ist sich Inge Alberts sicher. Trifft sie die Jugendlichen in kleinen Gruppen, seien sie nett. Werden sie mehr, geht die Post ab.
Gern würde Pastorin Schöneberg-Bohl die Mädchen und Jungen in die Kirchengemeinde einbinden, fragen, was für Wünsche und Bedürfnisse sie haben. Gespräche mit ihnen blieben bislang jedoch erfolglos.
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