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Hermal kündigt 50 Mitarbeitern

Reinbek. „Für die Kollegen war es so, als würden sie zu ihrer Hinrichtung gerufen“, beschreibt eine Mitarbeiterin des Pharmaunternehmens Almirall Hermal GmbH ihre Beobachtungen und Gefühle. Seit bei einer Betriebsversammlung an der Scholtzstraße bekannt gegeben wurde, dass die Kündigungswelle anrollt, seien nach und nach Beschäftigte ins Personalbüro gerufen worden.
Bei der Almirall Hermal GmbH rollt eine Kündigungswelle an.
Foto: Hermal
Bei der Almirall Hermal GmbH rollt eine Kündigungswelle an.
„Im Betrieb herrschte Ausnahmezustand. Viele haben am Fenster gestanden und geschaut, wer als nächstes über den Hof gehen musste, um seine Papiere abzuholen“, sagt sie.
Von „sozialverträglichen Lösungen“ spricht dagegen die Geschäftsleitung. Sprecher Norbert Sattler betont, dass zusammen mit dem Betriebsrat ein Interessenausgleich und Sozialplan in Form von Abfindungszahlungen verabschiedet sowie eine Transfergesellschaft angeboten worden sei. Ende Juli wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. „Nach Ausschöpfung aller verfügbaren Möglichkeiten für individuelle Lösungen konnte die Zahl der abzubauenden Stellen so gering wie möglich gehalten werden. Dennoch werden etwa 50 Mitarbeiter bis Ende 2011 betroffen sein“, so Sattler.
Die Mitarbeiterin, die unerkannt bleiben möchte, fühlt sich unter Druck gesetzt: „Innerhalb von zehn Tagen sollte man sich entscheiden, ob man in eine Transfergesellschaft wechseln möchte und damit einem Aufhebungsvertrag zustimmt.“ Aus reinen Planungsgründen sei eine Entscheidungsfrist von etwa zehn Tagen zugrunde gelegt worden, sagt Sattler dazu.
Die Angestellte ist jedoch nicht nur vom Verlust ihres Arbeitsplatzes betroffen. Sie fühlt sich auch von der Arbeitnehmervertretung verraten: „Der Betriebsrat hat uns ans Messer geliefert“, ist sie sicher.
So drastisch will es Ralf Rademacher, stellvertretender Bezirksleiter der IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie) nicht auf den Punkt bringen. Aber auch der Gewerkschafter wundert sich, dass der Betriebsrat so „mutig“ war, sich ohne gewerkschaftliche Hilfe mit der Geschäftsleitung zu einigen. „Es wäre schlauer gewesen, wenn sich der Betriebsrat von unseren Anwälten hätte beraten lassen. Nach meiner Auffassung ist der Sozialplan an der Grenze dessen, was zumutbar ist“, so Rademacher.
Für ihre Mitglieder habe die Gewerkschaft eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Weil sich Betriebsrat und Geschäftsleitung einvernehmlich über Namenslisten und Abfindungszahlungen geeinigt hätten, sei es jetzt eine schwierige Ausgangslage vor dem Arbeitsgericht. „Die Abfindungen liegen weit unter den Sätzen der gängigen Rechtsprechung. Das verwundert schon“, sagt Gewerkschafter Rademacher. Ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr sei drin, fügt er hinzu.
Der Betriebsrat, der bisher 380 Beschäftigte vertrat, hatte sich am Montag trotz Nachfrage für eine Stellungnahme nicht gemeldet.
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