Schriftgröße: A A A
Logo der Bergedorfer Zeitung
http://www.bergedorfer-zeitung.de/reinbek/article78323/Zukuenftige_Weltelite_Gast_im_Schloss.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Zukünftige Weltelite Gast im Schloss

Reinbek. „Eine sehr disziplinierte, resolute Gruppe von jungen Pianisten. Genau das hört man ja auch“, sagt schmunzelnd Professor Andrzej Jasinski (73) zum Vortrag im Schloss.
Mit Chopins Préludé b-Moll bringt die Südkoreanerin Seul-ki-Cheon (25) den Steinway-Flügel zum Beben.
Foto: Grregor Bator
Mit Chopins Préludé b-Moll bringt die Südkoreanerin Seul-ki-Cheon (25) den Steinway-Flügel zum Beben.
Am Freitagabend haben sechs Pianisten und drei Cellisten im Schloss musiziert, die beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) an den Meisterkursen teilgenommen haben.
Jasinski zählt zu den besten Klavierpädagogen der Welt, sein bester Schüler war Krystian Zimerman. Doch neben Zimerman hat Jasinski ganze Generationen von erstklassigen Pianisten ausgebildet und ihnen schwerpunktmäßig mit der Interpretation von Chopin zu internationalen Großkarrieren verholfen.
Zum Meisterkursus an der Musikhochschule Lübeck sagt der hervorragende Musikpädagoge von der Musikakademie Kattowitz und Ehrendoktor der Chopin-Musikakademie Warschau: „Es waren sechs Tage sehr intensiver Arbeit. Es galt, 15 Teilnehmern Unterricht zu geben, was allerdings bei drei Einheiten pro Person kaum möglich war. Trotzdem bin ich mit dem Erreichten absolut zufrieden.“
Zufrieden waren auch die Zuhörer. Im voll besetzten Schloss-Saal zeigten die angehenden Musikprofis, was sie können. Und das ist nicht wenig. Souverän, wenn auch viel zu romantisch eröffnete die aus Tiflis stammende georgische Pianistin Nino Kotrikadze mit Präludium und Fuge b-Moll aus Bachs „Wohltemperierten Klavier“. Auf Weltniveau die Südkoreanerin Seul-Ki-Cheon, eine typische Asiatin: Klein, schlank, flink und von ungeahnter Anschlagskraft. Zart und fein das „Regentropfen“-Préludé Des-Dur, gewaltig das Préludé b-Moll von Chopin.
Eine völlig andere Spielart bot Oliver Bunnenberg aus Osnabrück. Der in Hamburg und Lübeck studierende Pianist spielte als einziger Mozart, seine Interpretation der Sonate D-Dur (KV 311) fiel gegen Chopin in allen Varianten eher farblos aus. Ausgereift das Spiel von Aljosha Jurinic, der in Zagreb und Wien studiert. Mit faszinierender Leichtigkeit ließ er die Chopin-Etüden gis-Moll und die als „Fingerbrecher“ geltende F-Dur Op. 10, Nr. 8 ertönen. Technisch topp auch die Poloniase As-Dur Op. 53 von Chopin, von der in Zürich ausgebildeten Moskauerin Juliana Avdeeva gespielt.
Professor Jasinski: „Wie Sie sehen und hören, die jungen Pianisten verfügen alle über brillante Spieltechnik, die primär begeistert. Leider bleibt manchmal der Ausdruck und ganz allgemein die Musikalität auf der Strecke. Ich bin gewiss, dass die Reife mit der Zeit wie von selbst kommen wird. Alle haben gute Chancen, Fleiß und Ausdauer vorausgesetzt, hervorragende Pianisten zu werden.“ Einen Einblick in die Vielfalt der Violoncello-Spielkunst und Literatur boten die Teilnehmer des SHMF-Meisterkurses von David Geringas, allen voran Jakob Spahn. Der junge Berliner, der bei Geringas an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler studiert und von der Yehudi Menuhin Live Music Now gefördert wird, begeisterte mit zwei Sätzen aus der Cellosonate von Brahms. In seinen Händen klingt das Cello von C. A. Miremont, das ihm die Landessammlung Baden-Württemberg zur Verfügung stellte, einfach wunderbar. Weniger begeisterte das moderne Werk von Henri Dutilleux, bei dem Norbert Anger sein Instrument mit Zupfen, Klopfen und anderen „Effekten“ traktierte.
Mit dem 1. Satz aus dem Cellokonzert h-Moll von Dvorak schlossen der türkische Cellist Dorukhan Doruk und Pianistin Keiko Tamura den zweiten und formell letzten SHMF-Konzertabend in Reinbek ab. An Montagabend, 9. August, wird SHMF bei der Verleihung des Paul-Hindemith-Preises das letzte Mal im Schloss sein.
Noch kein Kommentar abgegeben

Onlineanzeigenannahme
nach oben
© Bergedorfer Zeitung 2008